Schmuddelwetter in der Eifel: Sebastian Vettel (2. v. l.) inspiziert mit seinem Ferrari-Team die Strecke auf dem Nürburgring. FOTO: DPA
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Schmuddelwetter in der Eifel: Sebastian Vettel (2. v. l.) inspiziert mit seinem Ferrari-Team die Strecke auf dem Nürburgring. FOTO: DPA

Vettel stapelt tief

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Das Heimrennen steht für Sebastian Vettel nicht unter den besten Vorzeichen. Der Fokus aus deutscher Sicht liegt aber ohnehin auf Mick Schumacher.

Die Coolness eines künftigen Formel-1-Stars bringt Mick Schumacher schon mal mit. "Ich bin recht gut vorbereitet auf den Nürburgring und freue mich, zu Hause vor Fans zu fahren", sagt das meistbeobachtete Motorsporttalent der Welt in seiner unaufgeregten Art.

Dass bei seinem ersten Trainingseinsatz in einem Formel-1-Auto noch mehr Kameras als üblich auf ihn gerichtet sein werden? Dass Fans und Fachwelt seine Rundenzeiten mit denen von Weltmeister Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel vergleichen und über Schumachers Potenzial urteilen werden? All das scheint den 21-Jährigen vor dem wichtigsten Tag seiner bisherigen Karriere nicht über die Maßen zu belasten.

"Natürlich" habe er "vor der ganzen Sache Respekt", sagte er bei RTL/ntv: "Es ist das erste Mal, dass wir vor den großen Augen fahren." Schumacher nimmt am Freitag (11 Uhr/Sky und ntv) die nächste - und womöglich letzte - Sprosse vor dem Aufstieg zum Formel-1-Stammpiloten. Dieser Traum begleitet ihn seit gut zehn Jahren, als er mit seinem berühmten Vater auf der Kartbahn in Kerpen ein ernstes Gespräch führte. Die Kernfrage lautete: "Willst du das wirklich?". Mick wollte.

Und er ist mitnichten unter der Last seines Namens zusammengebrochen, trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten lieferte er in jeder Rennserie letztlich Siege, Podestplätze und Titel. Auch in der Formel 2 greift der Ferrari-Nachwuchsfahrer in diesem Jahr nach der Meisterschaft.

Schumachers Managerin Sabine Kehm sieht in seinem Trainingsdebüt eine "super Bestätigung". Ihr Schützling solle "so viel wie möglich lernen", sagte sie RTL/ntv, "das ganze Wochenende wird für ihn ein erster Einblick, was es bedeutet, in der Formel 1 zu fahren, und auch zu liefern, was das Team von einem Fahrer in einem ersten Freitagstraining braucht."

Es riecht tatsächlich ein klein wenig nach Staffelübergabe im deutschen Motorsport beim Großen Preis der Eifel (Sonntag, 14.10 Uhr/RTL und Sky). Vettel war lange Jahre der Held der erfolgsverwöhnten deutschen Fans, nachdem eben Michael Schumacher zwischen 1991 und seinem ersten Rücktritt 2006 so ziemlich alle Rekorde in der Königsklasse niederriss.

Vettel debütierte 2007 und war schon drei Jahre später der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte. 2013, mit gerade einmal 26 Jahren, hatte er vier Titel auf dem Konto und schien der Mann zu sein, der die Schumacher-Bestmarken ins Wanken bringt.

Nach sechs Jahren bei Ferrari mit Höhen und zuletzt fast nur noch Tiefen sinkt Vettels Stern aber allmählich. Sein Engagement bei Aston Martin zur Saison 2021 wird hochspannend, aber eben von Aufbauarbeit und Fragezeichen geprägt sein. Wird er es noch einmal nach ganz oben schaffen?

Die Gegenwart für den Sieger des letzten Nürburgringrennens im Jahr 2013 ist so trist wie das Wetter in der Eifel. Ein Heimspiel vor 20 000 Zuschauern inmitten der Coronakrise sei für ihn natürlich "eine unerwartete Freude", erklärte der 33-jährige Hesse, aber: "Ich gehe davon aus, dass wir, wie in dieser Saison üblich, im Mittelfeld kämpfen werden. Wir werden uns um jedes kleine Detail kümmern müssen."

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