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Der Druck auf Ferrari-Pilot Sebastian Vettel wächst.

Vettel muss Wende einläuten

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2017 das Start-Desaster, 2018 die große Entzauberung: Ausgerechnet in Singapur muss der in Italien kritisierte Sebastian Vettel im Ferrari-Stallduell mit Charles Leclerc die Kurve kriegen.

Zumindest außerhalb des Rennwagens kommt Charles Leclerc für Sebastian Vettel immer noch genau zur rechten Zeit. "Ich bin eh fertig. Es wäre unhöflich, ihn warten zu lassen", feixte Vettel am Donnerstag, als sein aufmüpfiger Teamkollege zu früh zu seiner Pressekonferenz erschien - und der angezählte Ferrari-Starpilot Vettel die Steilvorlage nutzte, um das lästige Frage-Antwort-Spiel vorzeitig zu beenden. Die zuletzt stotternde Zusammenarbeit der Teamkollegen war auch vor dem Großen Preis von Singapur (Sonntag, 14.10 Uhr/RTL und Sky) das große Thema. "Das gab’s", erklärte der viermalige Formel-1-Weltmeister schmallippig auf die Frage, ob nach den Vorkommnissen beim Qualifying von Monza vor zwei Wochen ein Gespräch zwischen den beiden Ferrari-Piloten stattgefunden habe.

Leclerc hatte Vettel im Kampf um die Startplätze für den Großen Preis von Italien nicht den vereinbarten Windschatten gespendet. Während der 21-jährige Monegasse von der Pole Position ins Ferrari-Heimrennen ging und gewann, musste Vettel den Lauf von Rang vier angehen. Der stets diplomatische Leclerc beteuerte abermals, er habe dies "nicht gewollt". Überhaupt, als Nummer eins im Team fühle er sich nicht: "Ich weiß nicht, ob es von außen anders aussieht. Intern ist es sehr ausbalanciert." Die Ergebnisse allerdings sprachen zuletzt klar für Leclerc. Der Youngster entschied die letzten sieben Qualifying-Duelle für sich, fuhr in Spa und Monza die bislang einzigen Ferrari-Siege der Saison ein und überholte seinen Teamkollegen Vettel als nunmehr WM-Vierter auch in der Fahrer-Wertung (182:169 Punkte).

Vettel, auf den nach seinem Dreher und Platz 13 in Monza viel Kritik einprasselte, sieht sich allerdings keineswegs am Tiefpunkt der Karriere angelangt. "Solche Phasen gehören dazu. Ich habe mich in der Vergangenheit da rausgeboxt, das werde ich auch dieses Mal schaffen." In der Entwicklung des Autos werde es "früher oder später klick" machen. Leclerc kommt mit dem instabilen Heck des SF90H deutlich besser zurecht. Neue Aerodynamik-Teile in Singapur können, so hofft Vettel, "uns ein Stück nach vorn bringen".

Viermal gewann der Heppenheimer in den verwinkelten Straßen der Löwenstadt, mit dieser Marke kann nur der Weltmeister und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien/Mercedes) mithalten. Für Vettel läutete allerdings das 2017er-Rennen in Singapur das Ende seiner Titelhoffnungen ein: Von der Pole Position aus kollidierte der Ferrari-Star noch vor der ersten Kurve mit seinem damaligen Teamkollegen Kimi Räikkönen und Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Das Trio schied aus, Hamilton erbte die Führung, holte sich den Sieg und anschließend auch die WM. Auch 2018 galt Ferrari mit seinem WM-Kandidaten Vettel als Favorit in Singapur, doch die Scuderia wählte das falsche Setup. Hamilton gewann ungefährdet. Vettel wurde nur Dritter und bekam in der WM anschließend kein Bein mehr auf den Boden. Ausgerechnet hier muss er nun die Wende einläuten.

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