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Feinschliff: Sebastian Vettel (l.) muss seinen neuen »Dienstwagen« Aston Martin noch besser verstehen.

Vettel fremdelt noch

  • VonSID
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Das Renndebüt bei Aston Martin ging für Sebastian Vettel gründlich daneben. In Imola soll vieles besser laufen. Helfen kann und soll dabei auch Ersatzfahrer Nico Hülkenberg.

Die Liebe zur Natur trieb Sebastian Vettel zuletzt nach Wien. Für ein Nachhaltigkeitsprojekt warb der Formel-1-Pilot dort in der dreiwöchigen Rennpause. Alles drehte sich um den Schutz der Artenvielfalt, um Blumenwiesen und Lebensraum für Insekten. Vettel, der Bienen-Botschafter. »Es geht darum, Fragen zu stellen, sich und das eigene Handeln zu hinterfragen«, sagte der 33-Jährige.

Was der viermalige Weltmeister auf den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen bezog, ließe sich leicht auf sein Handling mit seinem neuen Dienstwagen bei Aston Martin übertragen. »Honey Rider« hat Vettel ihn getauft, in Anlehnung an das erste Bond-Girl, nicht an seine Wertschätzung der Honigbiene.

Vettel und sein neuer Wagen - noch sind sie sich fremd. Fragen, die sich nach dem missglückten Saisonauftakt in Bahrain stellten, gab es also genug. Gründe, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen, ebenfalls. Warum war der Heppenheimer nur Statist? Warum gelang es ihm nicht, das Tempo seines Teamkollegen Lance Stroll mitzugehen? Wieso unterliefen Vettel trotz all seiner Erfahrung im Qualifying und im Rennen Anfängerfehler?

Er fühle sich »nicht zu Hause« im neuen Boliden hatte Vettel nach Platz 15 in der Wüste argumentiert. Es würden »so viele verschiedene Dinge« seinen Rhythmus brechen: »Dadurch ist es schwer herauszufinden, auf welche Weise ich das Auto fahren muss, damit es schnell ist.«

Die lange Pause zwischen den WM-Läufen, die es in dieser Form im vollgepackten Rennkalender 2021 selten geben wird, nutzte Vettel deshalb in erster Linie für Erkenntnisgewinne. Die Datenanalyse stand im Vordergrund, »um herauszufinden, wo wir den AMR21 verbessern müssen«, sagte Vettel, der der Rückkehr nach Italien mit Vorfreude entgegenblickt: »Es ist eine Strecke, die zum Attackieren einlädt.« Vettel verdient diese Bewährungschance. Nach erst einem Rennen ist es für ein allgemeines Urteil zu früh. Einen ähnlichen Auftritt wie beim missratenen Debüt in Sakhir kann sich Vettel beim Großen Preis der Emilia-Romagna am Sonntag in Imola (14.00 Uhr/Sky) aber nicht erlauben.

Aus dem Hoffnungsträger, der geholt wurde, um Aston Martin nach oben zu führen, droht sonst schnell ein teures Sorgenkind zu werden. Teamchef Otmar Szafnauer versprach für das Rennen in Italien immerhin »ein wettbewerbsfähigeres Auto«.

Und dann ist da ja künftig noch Nico Hülkenberg als Ansprechpartner und Zuarbeiter. 2019 hatte der Emmericher sein Stammcockpit bei Renault verloren, in diesem Jahr soll er für Vettel und Stroll als Ersatzfahrer vor allem Entwicklungsarbeit leisten. Es werde interessant, dem Team im Laufe der Saison bei dieser Entwicklungsarbeit zu helfen, sagte Hülkenberg.

Eigene Renneinsätze sind bei Ausfällen der Stammpiloten möglich. »Natürlich hoffe ich, dass Sebastian und Lance dieses Jahr eine ununterbrochene Saison haben, aber das Team weiß, dass es sich darauf verlassen kann, dass ich einspringe und hervorragende Arbeit leiste«, sagte er: »Und ich bin voll und ganz bereit, mich dieser Herausforderung zu stellen.« Auf Vettel wartet die nächste Herausforderung in Imola.

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