1. Gießener Allgemeine
  2. Sport
  3. Sport-Mix

Verlieren verboten für die Bayern

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

imago1010393481h_080322_4c
imago1010393481h_080322_4c © Imago Sportfotodienst GmbH

Verlieren verboten: Für den FC Bayern München steht im Duell mit Salzburg viel mehr auf dem Spiel als »nur« das Viertelfinale der Champions League.

Julian Nagelsmann zupfte nervös an seiner schwarzen Wollmütze, dann schwor er seine Mannschaft mit Rückkehrer Manuel Neuer auf das vorerst wichtigste Spiel des Jahres ein. Verlieren verboten, heißt es für den FC Bayern im Achtelfinal-Rückspiel gegen Außenseiter RB Salzburg am Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime), das weiß auch der Trainer. »Wenn es nicht gut ausgeht«, mahnte Nagelsmann ernst, »ist es keine besondere Saison.« Sondern seine erste bei den erfolgsverwöhnten Bayern gleich eine verlorene.

Mit dem Coach steht gegen die Pressing-Maschine aus der Mozartstadt die komplette Führungsriege auf dem Prüfstand: Für den neuen Vorstandschef Oliver Kahn käme ein frühes Aus einem Desaster gleich, auch die Einkaufspolitik von Sportvorstand Hasan Salihamidzic würde kritisch hinterfragt. »Nur« zum zehnten Mal nacheinander Meister zu werden, wäre zu wenig und nicht sein »Anspruch«, unterstrich Nagelsmann.

»Es ist auf jeden Fall so: Wir haben den Druck, wir müssen und wollen weiterkommen«, bekräftigte Routinier Thomas Müller. Sollte mit dem 20. Viertelfinal-Einzug der erhoffte Rekord glücken, könne es »eine extrem gute« Saison werden - andernfalls sieht Müller »keine rosigen Zeiten« auf den Rekordmeister zukommen. Er betonte: »Wir sind uns bewusst, was auf dem Spiel steht.«

Doch der Urbayer hofft, dass diese angespannte Lage das von ihm zuletzt schmerzlich vermisste »Mia san mia« wieder herauskitzelt. Alles oder nichts? »Ich genieße die Situation auch«, sagte er mit funkelnden Augen. Wer viel zu verlieren habe, könne auch viel gewinnen - und »emotional« einen Schub bekommen, der womöglich bis ins Finale am 28. Mai in Paris trägt.

Wenige verkörpern die fast sprichwörtliche Münchner Gier wie Neuer, der nach vierwöchiger Pause zurückkehrt. »Darüber sind wir alle sehr froh«, sagte Nagelsmann. Der Kapitän soll die wacklige Defensive stabilisieren, der Nagelsmann die Schönspielerei austreiben will. Außerdem mahnte er »mehr Kommunikation« an, wenngleich er weiß: »Manche sind nicht als Sprachrohr geboren.«

Das 1:1 aus dem Hinspiel, meinte Müller, sei »kein Traumergebnis« - und sollte Warnung genug sein. Nur ein einziges Mal scheiterten die Bayern in den letzten zehn Jahren bereits im Achtelfinale - 2019 gegen den späteren Sieger FC Liverpool ebenfalls nach einem Remis auf fremdem Platz (0:0/1:3). Die Fallhöhe ist enorm, ein Aus gegen einen Klub aus der im Fußball oft belächelten Ski-Nation Österreich wäre ein Novum.

»Ich bin kein Schwarzmaler und gehe nicht davon aus, dass wir ausscheiden«, sagte Nagelsmann. Um dies zu verhindern, müsse allerdings auch das Offensivspiel »modifiziert« werden, wie Müller forderte: Robert Lewandowski, gab Nagelsmann zu, bekommt zu wenig Bälle.

Aufstellungen: München: Neuer - Pavard, Süle, Upamecano, Hernandez - Kimmich, Musiala - Sane, Müller, Coman - Lewandowski. - Salzburg: Köhn - Kristensen, Piatkowski, Wöber, Ulmer - Camara - Sucic, Aaronson, Seiwald - Adamu, Adeyemi. - Schiedsrichter: Turpin (Frankreich).

Auch interessant

Kommentare