Lang, lang ist es her: Im April 2006 gastierte die Formel 1 zuletzt in Imola. Damals gewann Michael Schumacher im Ferrari das Rennen. Hier führt er kurz nach dem Start das Feld bereits an. ARCHIVFOTO: DPA
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Lang, lang ist es her: Im April 2006 gastierte die Formel 1 zuletzt in Imola. Damals gewann Michael Schumacher im Ferrari das Rennen. Hier führt er kurz nach dem Start das Feld bereits an. ARCHIVFOTO: DPA

Verkürztes Format in Imola

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(sid). Was braucht man, um Mercedes ein Bein zu stellen? Vielleicht reicht ja eine unbekannte Strecke in Kombination mit weniger Trainingszeit. Diesen Testballon jedenfalls lässt die Formel 1 beim 13. Saisonrennen in Imola steigen. "Aufgrund der verknappten Zeit hat man nicht die Chance, verschiedene Sachen auszuprobieren. Das sorgt für mehr Druck bei der Vorbereitung", umreißt Ferrari-Pilot Sebastian Vettel die Schwierigkeit und den Reiz des anstehenden Rennwochenendes mit nur 90 anstatt 240 Minuten Training.

Anders ausgedrückt: Wer vor der einzigen Testsession am Samstagvormittag bei der Rennwagenabstimmung falsch abbiegt, muss fast schon ins Blaue hinein korrigieren. Keine drei Stunden bleiben danach bis zum Qualifying, von Samstagnacht an sind die Boliden bis zum Start des Großen Preises der Emilia-Romagna (Sonntag, 13.10 Uhr/RTL und Sky) gesperrt.

Vielen Fahrern gefällt dieser Entwurf, der vor drei Wochen am Nürburgring wegen Nebels eine ungewollte Premiere feierte. Weltmeister Lewis Hamilton kann auf den Freitag sowieso "gut verzichten". Der Mercedes-Star war nie der größte Freund des für die breite Öffentlichkeit fa- den Warmfahrens à zweimal 90 Minuten, der neue Rekordsieger der Formel 1 mit 92 Erfolgen liebt den Wettkampfdruck und wächst an ihm. Das gilt auch für Hamiltons Ingenieure.

Doch der Formel-1-Führung geht es in Imola nicht allein darum, das Geschehen zuzuspitzen. Kürzere Wochenenden sind wohl auch die Voraussetzung, um die angepeilte weitere Expansion der Serie Realität werden zu lassen. Anders sind die 23 Rennen, die laut mehreren Fachmagazinen ungeachtet der Corona-Pandemie für 2021 anvisiert sind, logistisch kaum zu stemmen.

Normalerweise zahlen die Streckenbetreiber ein Antrittsgeld im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich, welches sie selbst über Ticketverkäufe reinholen müssen. 2020 aber trat die Formel 1 gezwungenermaßen als Streckenmieter auf, um zumindest das TV-Geld abzuschöpfen. Ein weiteres Jahr nach diesem Modell könnte zur existenziellen Bedrohung werden, ungeachtet des 2021 eingeführten Budgetdeckels.

Das Kurzformat hat allerdings für die Streckenbetreiber, die ja bitte weiter kräftig überweisen sollen, einen dicken Haken, wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff anmerkt: "Die müssen ihre Tickets verkaufen. Und wenn man freitags keine fahrenden Autos sieht, macht das einen Unterschied."

Die Attraktivität eines Zwei-Tage-Events erhöhen könnten einschneidende neue Formate. So plant Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn schon länger, ein paar Qualifyings pro Saison durch Sprintrennen zu ersetzen. Der WM-Spitzenreiter würde vom letzten Platz starten, die Letzte der Fahrerwertung ganz vorne. Aus dem Zieleinlauf würde sich die Startreihenfolge für den Grand Prix ergeben. Klingt reizvoll? Nicht für Branchenprimus Mercedes. "Die Formel 1 ist keine Reality-Show", ätzte Toto Wolff unlängst: "Wir sollten keine verrückten Sachen entwerfen, bei denen es fast unmöglich ist, zu überholen, nur weil wir glauben, dass die Hackordnung anders sein sollte."

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