Verfehlungen in Rio

(sid) Der Anti-Doping-Kampf bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro war alles andere als medaillenreif. Laut des Independent Observers Reports, den die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) veröffentlichte, kam es auch aufgrund von Kosteneinsparungen im August zu "schwerwiegenden logistischen Verfehlungen".

Von SID

Mängel wie zu wenig geschultes Personal und fehlende technische Geräte sowie oftmals unauffindbare Athleten führten dazu, dass die angepeilte Zahl von Dopingtests bei Weitem nicht erreicht wurde. "Oft wurden nur 50 Prozent oder weniger der geplanten Tests durchgeführt", hieß es in dem Bericht. Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach ist die teilweise erschreckende Bilanz aber kein Problem. "Das Anti-Doping-Programm in Rio de Janeiro hatte einige Herausforderungen zu bewältigen. Diese wurden erfolgreich gemanaged", heißt es dazu in einer IOC-Erklärung von Richard Budgett, dem IOC-Direktor für Medizin und Wissenschaft. Das Labor in Rio war technisch zwar auf höchstem Stand. Allerdings mangelte es an Personal für die Umsetzung eines umfassenden Anti-Doping-Kampfes. So fehlte es an Personen, die die Athleten zur Entnahme der Probe begleiten, die sogenannten Chaperons. Die unabhängigen Beobachter, die vom IOC nach Rio eingeladen worden waren, schilderten zahlreiche Fälle, in denen der zu testende Athlet "einfach nicht gefunden werden konnte". "Die Chaperons hatten oft zu wenige und gar keine Informationen über den Aufenthalt der Athleten", heißt es dazu im Report. Auch soll den Chaperons in vielen Arenen der Zugang zu bestimmten Zonen verweigert worden sein. Zudem hätten Computer und Drucker, mit denen Aufträge für Kontrollen übermittelt werden sollten, teilweise nicht funktioniert. So gab es unter dem Strich statt der angestrebten 5380 Tests nur 4882, von den geplanten 450 Bluttests für den biologischen Athletenpass wurden nur 47 entnommen. Die Gesamtzahl der getesteten Athleten belief sich auf 3237, dies waren nur knapp 30 Prozent der Teilnehmer.

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