Eintracht Frankfurt

Verärgerung über eigene "Fans" 15 mögliche Gegner Ohne Hasebe gegen Bayer

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Marco Russ und Axel Hellmann waren sichtlich bedient. Der 2:1-Sieg in Rom spielte keine Rolle mehr. Gesprächsthema Nummer eins am Donnerstag wie auch noch am Freitag: randalierende Frankfurter.

Marco Russ hat schon ein bisschen was erlebt in seinem Leben und seiner Karriere, er ist 33 und verdammt lange dabei, hat mehr als 350 Pflichtspiele absolviert, irgendwo in der Provinz und in Europa seinen Mann gestanden. Doch am Donnerstagabend widerfuhr ihm auf dem Platz etwas, was er nicht oft erlebt hatte, der Schreck fuhr ihm nämlich in die Glieder. "Zwei-, dreimal bin ich richtig zusammengezuckt", erzählte der Routinier. Es waren von Fans gezündete Donnerschläge, die mit einem ohrenbetäubenden Knall im Olympiastadion zu Rom detonierten. "Schade, dass es Idioten gibt, die diese Bühne für solche Aktionen benutzen", sagte Russ gewohnt unverblümt und sehr treffend. "Sie schaden dem Verein und 99,8 Prozent der Fans, die uns siegen sehen und unterstützen wollen. Das geht gar nicht." Der 2:1-Sieg von Rom in der Europa League spielte keine Rolle mehr.

Die ungeheuer lauten Kanonenschläge waren nicht die einzige Verfehlung, die sich diese Chaoten leisteten, sie warfen gar einen Eisenträger in den Innenraum, schleuderten zudem ein Bengalo auf die Gegentribüne in die Lazio-Fans hinein und mehrere Leuchtfeuer gezielt auf die Ordner auf der Laufbahn; ein Bengalisches Feuer traf einen Polizisten am zum Glück behelmten Kopf. Es waren widerwärtige Bilder von wahlloser Gewalt, Auswüchse, die nicht zu akzeptieren sind. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann war bedient. "Ich spüre keine Freude über den sechsten Sieg", sagte der 47-Jährige. "Wir haben kein gutes Bild abgegeben, so etwas schadet uns extrem."

Hellmann und seine Kollegen setzen seit Jahren auf den Dialog mit den Fans, auch den gewaltbereiten und problematischen. Doch für den Marketingvorstand ist klar, dass so etwas wie in Rom nicht mal im Ansatz zu tolerieren ist. "Wir haben immer gesagt, dass all unsere Energie dem Kampf gegen die Dinge gilt, die die Hand verlassen. Insofern war das ein Rückschlag." Hellmann gibt sich keinen Illusionen hin, es werde schwierig, diese "kleine Gruppe" dingfest zu machen. "Da mache ich mir wenig Hoffnung, da müssen wir Realisten sein. Diese Gruppe, die ihre Aggressionen so auslebt, werden wir nie ganz rausbekommen, aber wir müssen versuchen, sie so klein wie möglich zu halten." Immerhin: In Rom wurden 15 Personen festgenommen.

Die Eindämmung der Exzesse gelinge nur durch permanentes Einwirken auf die Fanszene. "Wir werden den Dialog nie einstellen", betonte Hellmann. "An dem Punkt wie jetzt waren wir schon ein paar Mal, wir müssen uns wieder mühsam ranpirschen." Was er meint: Auf führende Ultrakräfte einwirken, um die Botschaft weiterzutragen, Konsequenzen aufzeigen, auch für den Verein, an die Vernunft appellieren. Das ist mühsam.

Hellmann resigniert aber nicht, denn es gebe auch in der Ultraszene "sehr viele Vernünftige, die so etwas nicht gut finden". Generell seien die Vorfälle von Rom den meisten der 10 000 Eintracht-Anhänger "auf das Gemüt geschlagen". Bemerkenswert fand Hellmann die Reaktion sehr vieler Fans, die in Richtung der Krawallmacher skandierten: "Und ihr wollt Eintracht Frankfurt sein." Der Jurist stellte diese Haltung heraus: "Das war eine klare Aussage. Das hat mir gefallen und Mut gemacht."

Doch was hat diese Eskalation für Auswirkungen für Eintracht Frankfurt? Klar ist, dass der Klub mit einer Rekordstrafe zu rechnen hat. Die Uefa wird dieses Verhalten hart, vielleicht sogar drakonisch sanktionieren. Die Frage ist, in welcher Weise: nur monetär oder eben auch in Form einer Kollektivstrafe, was den Verein und seine Fans sehr viel härter treffen würde? Keine Auswärtstickets für die Partie im Sechzehntelfinale wäre ein denkbares Szenario. Oder eben eine Teilsperre für das kommende Heimspiel. Marco Russ sprach das aus, was viele denken: "Mal sehen, ob wir ein volles Stadion zugesprochen bekommen."

Eintracht Frankfurt hat als Gruppensieger die K.-o.-Runde der Europa League erreicht. Somit werden die Hessen im Februar auf einen Gruppenzweiten außer den aus der eigenen Gruppe oder einen der vier schlechtesten Champions-League-Absteiger treffen. Für den Bundesligisten sind somit 15 Teams als Gegner möglich.

Die möglichen Gegner: FC Brügge, Galatasaray Istanbul, Schachtjor Donezk, Viktoria Pilsen, Malmö FF, FK Krasnodar, Stade Rennes, Bate Borissow, Celtic Glasgow, Slavia Prag, Fenerbahçe Istanbul, Sporting Lissabon, Olympiakos Piräus, Rapid Wien und FC Zürich.

Pokalsieger Eintracht Frankfurt muss im Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen auf Makoto Hasebe verzichten. Der 34 Jahre alte Japaner kann wegen einer im Europa-League-Spiel bei Lazio Rom erlittenen Muskelverletzung im linken Oberschenkel an diesem Sonntag (18 Uhr) nicht mitwirken. "Es ärgert mich natürlich wahnsinnig, dass er ausfällt", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter nach der Rückkehr aus Rom. Eine genaue Diagnose lag am Freitagnachmittag noch nicht vor, weshalb Hütter keine Prognose über die Ausfalldauer abgeben wollte. "Ob es sich für ihn in diesem Jahr ausgeht, dass er noch einmal spielen kann, weiß ich nicht", sagte der 48-Jährige. Die Hessen gastieren am kommenden Mittwoch im Rhein-Main-Derby beim FSV Mainz 05 und empfangen zum Hinrundenabschluss am 22. Dezember den deutschen Rekordmeister Bayern München mit Ex-Trainer Niko Kovac.

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