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Quo vadis, Elftal?

Spiegelbildliche Verhältnisse in den Niederlanden: Die Herren verlieren gegen Bulgarien und bangen um die WM-Teilnahme, die Damen holen sich den EM-Titel. Droht den Herren etwa wieder einmal, ein wichtiges Fußball-Turnier auf der heimischen Couch erleben zu müssen? Die Kehrtwende könnte mit dem neuen Bondscoach Dick Advocaat gegen Underdog Luxemburg (5:0) aber bereits eingeläutet worden sein.

Die niederländischen „Löwinnen“ haben als Außenseiter erstmals die Europameisterschaft geholt. Dieses Glanzstück ist ihnen zudem im eigenen Land geglückt. In einem packenden Finale haben sie die Däninnen 4:2 besiegt.  

Video: Die Niederlande besiegt Dänemark im Finale der Frauen-WM. Ebendiese Mannschaft hatte zuvor noch die deutsche Elf aus dem Turnier geworfen. Nachdem die deutschen in der Vergangenheit sechs Mal in Folge die Europameisterschaft gewonnen hatten, sind die Außenseiterinnen aus Dänemark nach ihrem Sieg gegen die DFB-Elf schließlich zu heimlichen Anwärterinnen auf den Titel avanciert. Die Wahrscheinlichkeit für ihren Sieg war jedenfalls hoch. Wie das Finale vor dem niederländischen Premierminister Mark Rutte hingegen ausgegangen ist, ist wohl jedem bekannt. Damit haben die Frauen, was die Titelausbeute betrifft, zu den Männern aufgeschlossen. Obwohl sie immer zu den Großen im Weltfußball zählten und häufig gar der Favorit auf den Welt- und Europameistertitel waren, steht auch bei ihnen nur eine gewonnene Europameisterschaft zu Buche. Für die Teilnahme an der WM 2018 sieht es bei der Oranje wieder einmal eher durchwachsen aus. Die Elftal steht mit 10 Punkten auf dem dritten Platz der Gruppe A. Die Bulgaren, gegen die sie im März noch 0:2 verloren hatten, liegen ihnen mit neun Punkten dicht auf den Fersen. Mit Schweden und Frankreich stehen, punktgleich mit 13 Punkten, zwei wirkliche „Bretter“ auf den ersten beiden Plätzen. Es wird also wirklich nicht leicht und die Quoten bei Wettanbietern wie Bet365 dürften den Holländern ebenfalls wenig Grund zur Hoffnung bieten. Welche Rolle spielt die Trainerposition? Die Situation, in der sich die holländische Nationalmannschaft befindet, lässt sich nur schwer bewerten, wenn man nicht einen Blick auf das Trainerkarussell der vergangenen Jahre wirft. Auf der Position des Trainingsleiters besteht nun schon länger eine mal größere, mal kleinere Baustelle. Seit dem punktlosen Ausscheiden bei der EM 2012 bekommen die Niederländer keine Ruhe ins Traineramt.

  1. Van Marwijk hatte die Stelle nach der EM 2008 übernommen und die Elftal 2010 in das Finale der Weltmeisterschaft geführt. Nach der EM 2012 ist er wegen des nahezu unterirdischen Abschneidens seines Teams im Juni zurückgetreten, nach der Vorrunde war Schluss. Ab dann drehte sich das Karussell schneller.

  2. Zwei Jahre später schaffte es sein Nachfolger Louis van Gaal mit seiner Mannschaft, bei der Weltmeisterschaft den dritten Platz zu erreichen. Danach gab er den Posten ab, nachdem er seinen Vertrag erfüllt hatte.

  3. Guus Hiddink, der den Job zwischen September 2014 und Juni 2015 übernahm, hielt sich ebenfalls nicht lange im Traineramt.

  4. Danny Blind hatte das Amt von Juli 2015 bis zu seiner Entlassung am 26. März 2017 inne. Er konnte nicht überzeugen. Seine Entlassung war das unmittelbare Resultat aus der Niederlage gegen Bulgarien und einem enttäuschenden vierten Gruppenplatz nach fünf WM- Qualifikationsspielen. Zudem hatte er eine verfehlte EM-Qualifikation zu verantworten.

Aus der deutschen Perspektive mag man fast Mitleid haben, dass seit 2012 kein Trainer länger als zwei Jahre amtierte, dürfte es den Jüngeren schon fast schwerfallen, sich an eine Zeit vor Jogi Löw zu erinnern. Unsere westlichen Nachbarn können nun hoffen, dass der aktuelle Wechsel auf der Stelle des Bondscoaches zu einem Umschwung führen wird. Der Einstand von Dick Advocaat ist zumindest geglückt. Bei seinem Debut im Juni gelang seiner Mannschaft ein 5:0 Sieg gegen Luxemburg. Mit demselben Trainer ist zumindest schon 1994 der Einzug ins Viertelfinale einer WM geglückt. Seitdem trainierte er noch zahlreiche Nationalmannschaften und Vereine. An Erfahrung mangelt es somit nicht. Ein harter Weg Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch ein hartes Stück Arbeit vor ihm und der Mannschaft liegt. Betrachtet man das jüngste Ergebnis, bleibt trotz des haushohen Ergebnisses ein Hauch von Nüchternheit. Zum einen sind die Luxemburger aber nicht gerade ein „Brocken“ gewesen, zum anderen haben mit Arjen Robben und Wesley Snejder zwei Spieler den Sieg eingeläutet, die mit ihren jeweils 33 Lenzen nicht als Hoffnungsträger taugen. Es gilt, behutsam das Staffelholz übergehen zu lassen und die junge Generation mehr in die Verantwortung zu nehmen. Am 31. August begegnen sich Frankreich und die Niederlande auf dem Feld und dann wird sich zeigen, ob der Sieg nur ein Strohfeuer war und die Pechsträhne anhält oder ob man an glanzvollere Zeiten anknüpfen kann. Dann müssen vielleicht auch die Buchmacher ihren Standpunkt überdenken. Kleine Verbeugung Wie schade wäre es doch, sich nicht mit dieser großen Fußballnation messen zu können beim anstehenden Turnier in Russland und ohne Holland zur WM zu fahren. Das bei einer verfehlten Qualifikation unweigerlich allerorten ertönende Lied würde, wenn überhaupt, nur kurz darüber hinwegtrösten. Nach einem zweiten Platz bei der vorletzten und einem dritten bei der jüngsten wäre das Ergebnis der WM ohne sie geradezu ein wenig verfälscht. Viele große Namen hat der niederländische Fußball ja bereits hervorgebracht. Nach Länderspielen für die Oranje sortiert wären zweifellos zu nennen:

  1. Edwin van der Sar (130)

  2. Wesley Snejder (122)

  3. Frank de Boer (112)

  4. Rafael van der Vaart (109)

Nicht zu vergessen auch Giovanni van Bronckhorst als Fünften, Dirk Kuyt überraschender Weise nur auf Platz sechs und am siebthäufigsten liefen Robin van Persie und Phillip Cocu für die Elftal auf. Für Bayernfans auch interessant: Arjen Robben belegt den neunten Rang. Einige fußballerische Highlights gehen aber auch auf sein Konto. Es bleibt auf jeden Fall wie immer spannend. Nach der verkorksten EM 2012 hat sich das Team jedenfalls nicht aufgegeben und noch haben sie alles selbst in der Hand. Glück im Spiel, Pech in der Liebe In der FIFA-Weltrangliste steht Deutschland derweil übrigens wieder an erster Stelle, nachdem man den Platz an der Sonne kurzfristig Argentinien und Belgien überlassen musste, auf Platz 31 folgen dann die Niederlande. Zum Trost bleibt festzuhalten: Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Während die Geburtenrate in Deutschland 2015 bei 8,47 (Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner) lag, betrug sie in den Niederlanden 10.83. Damit liegen sie im weltweiten Vergleich stolze 36 Plätze vor der Bundesrepublik. Vielleicht sind ja unter ihnen die zukünftigen Welt- und Europameister im Fußball. Denkbar wäre es trotz der wenig rühmlichen Fußballvergangenheit Hollands allemal.

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