Unverhofft zu Bronze

Verena Schott holte bei den Paralympics in Tokio unverhofft die zweite deutsche Medaille. Nach einem Stotterstart folgen nun goldige Aussichten.

Verena Schott schlug immer wieder ungläubig die Hände vors Gesicht, dann kullerten die Freudentränen. Nach ihrem unverhofften Bronze-Coup stürzte sich die aufgelöste Para-Schwimmerin in die Arme ihres Ehemanns - und musste sich erst einmal sammeln. Mit einer solchen Leistungsexplosion hatte die Greifswalderin nicht gerechnet.

»Meine Gefühlswelt ist ein bisschen durcheinander. Ich weiß gerade gar nicht, was ich fühle. Ich bin mega glücklich und erleichtert«, sagte die 32-Jährige sichtlich berührt, nachdem sie ihre persönliche Bestzeit über 200 m Lagen pulverisiert hatte - um fast sechs Sekunden. »Ich wollte es so sehr«, ergänzte die zweimalige Weltmeisterin unter Tränen.

Die inkomplett querschnittsgelähmte Schott schlug im Aquatics Centre von Tokio in 2:59,09 Minuten an. Auf Siegerin Maisie Summers-Newton aus Großbritannien, die Weltrekord schwamm, fehlten ihr 2,41 Sekunden.

Der Leistungssprung der Silbermedaillengewinnerin von London 2012 kommt überraschend. Im vergangenen Jahr hatte sich Schott nach Schulterproblemen einer Operation unterzogen - die pandemiebedingte Verschiebung der Paralympics spielte ihr dabei in die Karten. Mit Willen und der Unterstützung ihres Ehemanns und Trainers Mail Zeh ackerte die zweifache Mutter für ihren Medaillentraum.

Ihr Fokus lag jedoch keineswegs auf der Lagen-Strecke. Schott richtete die Vorbereitung auf ihre Paradestrecke 100 m Brust aus, auf der sie am Samstag zum Favoritenkreis gehört und ihre dritten Spiele mit einer weiteren Medaille krönen kann.

An der Copacabana war Schott, die als 13-Jährige auf dem Fahrrad von einem Kleintransporter erfasst worden war und seither auf den Rollstuhl angewiesen ist, in ihrer Spezialdisziplin und den 200 m Lagen mit jeweils Platz vier hauchzart an Edelmetall vorbeigeschwommen. Nun bescherte sie dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) in Japan die zweite Medaille. Stephanie Grebe zog im Para-Tischtennis als eine der beiden besten Gruppenersten ins Halbfinale ein. Da in Japan anders als noch 2016 in Rio der dritte Platz nicht ausgespielt wird, ist ihr zumindest die Bronzemedaille nicht mehr zu nehmen. Am Samstag und Montag geht es für die 33-Jährige um Gold.

Die deutschen Goalballer mussten hingegen den ersten Rückschlag auf ihrer »Mission Gold« einstecken. Die Mannschaft von Bundestrainer Johannes Günther unterlag in der Neuauflage des Finals der Heim-EM nach einer fehlerhaften Vorstellung der Ukraine mit 5:11 (1:3).

Die deutschen Fahnenträger durchlebten hingegen unterschiedliche Gefühlswelten. Radfahrer Michael Teuber fuhr in der Bahn-Verfolgung deutlich an einer Medaille vorbei. Rollstuhlbasketballerin Mareike Miller führte ihre Mannschaft mit 30 Punkten zu einem 77:58 (45:25)-Auftaktsieg gegen Australien. Die Männer verpassten beim 55:58 (28:22) gegen Rio-Champion USA nach langer Führung knapp eine Sensation.

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