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"Unter den Fairsten der Fairste"

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(sid). Ein "Gentleman des Sports" feiert Geburtstag: Das deutsche Tischtennis-Idol Eberhard Schöler vollendet am heutigen Dienstag sein 80. Lebensjahr. In seiner 60-jährigen Laufbahn als Spieler und Funktionär war der frühere Vizeweltmeister, der wegen seiner stoischen Ruhe und regungsloser Miene an der Platte den Spitznamen "Mr. Pokerface" trug, über alle seine großen Erfolge hinaus noch vielmehr durch seine Haltung als Sportsmann ein Vorbild.

"Ich glaube, auch wenn die Moral in gewissen Bereichen angegriffen scheint, fest an Fairness und Freundschaft im Sport", beschrieb der in Flatow/Pommern geborene Jubilar im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst sein persönliches Wertesystem.

An seinem Ehrentag werden durch viele Gratulanten unzählige Erinnerungen aufleben. Für Rückblicke bietet Schölers Karriere auch reichlich Anlass. Bei WM-Turnieren ist der einst beste Abwehrspieler der Welt durch Silber 1969 sowie zweimal Bronze trotz eines Jörg Roßkopf und Timo Boll immer noch der erfolgreichste Spieler des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) im Einzel. Sechs EM-Medaillen sowie neun DM-Triumphe im Einzel und zwölf nationale Titel mit seinen Vereinen TuSA Düsseldorf und Borussia Düsseldorf runden seine Erfolgsbilanz ab.

Mit der berühmten "Schöler-Peitsche", überraschenden und pfeilschnellen Konterangriffen, zwang der Defensiv-Stratege mit der markanten Hornbrille seine Gegner in zermürbenden, nicht selten jedoch spektakulären Duellen in die Knie. "Abwarten und im vermeintlich richtigen Augenblick die Initiative ergreifen - das ist sicher Teil meines Charakters", sagt Eberhard Schöler über seine unnachahmliche Spielweise.

Doch noch wichtiger als Siege waren Schöler stets Respekt und Aufrichtigkeit vor dem Gegenüber. "Ich habe bei Eberhard beispielhaft gesehen, wie man in Bescheidenheit siegt und in Gelassenheit verliert", sagt DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb über seinen Freund und Weggefährten: "Er ist unter den Anständigen der Anständigste und unter den Fairsten der Fairste."

Dadurch ist das verlorene WM-Finale von 1969, als Schöler gegen den Japaner Shigeo Itoh den Titel trotz einer 2:0-Satzführung noch aus der Hand gab, für den 155-maligen Nationalspieler auch nie ein Grund für Missmut gewesen. "Der zweite Platz war schon oberhalb der Erwartungen und Itoh eine Kleinigkeit besser. Als Sportler akzeptiert man das", sagt Schöler. Auch für seine gesamte Laufbahn sind Gold, Silber und Bronze nicht der Maßstab: "Es hat Spaß gemacht."

Nach seiner aktiven Karriere blieb Schöler dem Tischtennis als Funktionär treu. Der frühere Inhaber eines Tischtennisartikel-Versandhandels war ab 1981 beim DTTB 26 Jahre lang als Sportwart und Vizepräsident für den Leistungssport verantwortlich, fungierte beim Europa-Verband ETTU 18 Jahre als stellvertretender Präsident und war beim Weltverband ITTF ebenfalls lange Jahre in Führungsgremien vertreten. Viele seiner Initiativen führten nicht nur in Deutschland zu mehr Professionalität im Tischtennis.

Die Erfüllung seiner vielfältigen Aufgaben empfand Schöler, der mit dem Bundesverdienstkreuz und Silbernen Lorbeerblatt sowie der Aufnahme in die Ruhmeshalle des deutschen Sports ausgezeichnet wurde, immer als Dienst an seinem Sport und nicht als Ausübung von Macht: "Meinen Einsatz habe ich von Anfang an als Gegenleistung für das betrachtet, was das Tischtennis mir als Spieler gegeben hat. Ich bin zufrieden, dass ich zu besseren Bedingungen für Tischtennis als Spitzensport beitragen konnte."

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