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Zuversichtlich vor der U21-EM - Bundestrainer Stefan Kuntz.

"Unser Minimalziel ist das Halbfinale"

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(sid). Am Freitag fliegt DFB-Trainer Stefan Kuntz nach Italien - mit "seiner" U21-Fußball-Nationalmannschaft, die er seit drei Jahren höchst erfolgreich trainiert. Auf dem Zettel steht nicht nur die erfolgreiche Titelverteidigung, sondern auch das Olympia-Ticket für 2020. Im Interview spricht er über die deutschen Chancen, WLAN im Hotel und seinen Titel als Polizei-Europameister.

Sie haben als Spieler und als U21-Trainer den EM-Titel geholt. Weniger bekannt ist, dass Sie auch Polizei-Europameister wurden. Wie das?

Stefan Kuntz:Das müsste 1983 oder 1984 gewesen sein. Ich war Profi beim VfL Bochum - und Polizist. Irgendwann kam der Anruf, ob ich für die Polizei-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft spielen könnte. Uwe Tschiskale und Michael Schulz waren auch dabei. Uns war sofort klar: Das machen wir. Dann sind wir wirklich Europameister geworden. Übrigens in Italien.

Steckt der Beruf des Polizisten noch immer in Ihnen?

Kuntz:Ja!

Wann merken Sie das?

Kuntz:Wenn mir jemand etwas erzählt und ich mit 48 Nachfragen alles herausbekommen will, bis mein Wissensdurst gestillt ist.

Und als Trainer? Sind Sie streng?

Kuntz:Ich bin davon überzeugt, dass Regeln eingehalten werden müssen. Das bedeutet nicht, dass jemand sofort nach Hause muss, wenn er fünf Minuten zu spät kommt. Bei der U21 haben wir die Regeln gemeinsam festgelegt. Das beginnt bei Kleinigkeiten wie der Kleiderordnung oder Pünktlichkeit.

Und endet wo?

Kuntz:Wir haben auch abgemacht, dass wir in den eineinhalb Stunden beim Essen nicht unbedingt die Handys brauchen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass es den Jungs auch guttut, wenn sie nicht immer draufschauen müssen.

Das WLAN schalten Sie nachts aber nicht ab?

Kuntz:Nein, da vertraue ich den Jungs. Ich glaube nicht, dass wir Spieler haben, die bis tief in die Nacht daddeln.

Bei der EM in Italien starten Sie als Titelverteidiger. Wann wäre der Trainer Stefan Kuntz am Ende zufrieden?

Kuntz:Unser Minimalziel ist das Halbfinale, ganz klar. Dann wollen wir gemeinsam den nächsten Schritt gehen.

Das wäre die Olympia-Teilnahme. Welche Rolle spielt Tokio 2020?

Kuntz:Olympia ist für uns alle eine riesige Motivation, das merke ich auch bei den Spielern. Durch Olympia 2016 und die Erzählungen der Jungs von damals haben sie mitbekommen, dass das ein riesiges Erlebnis war.

Dafür müssen Sie die Gruppenphase überstehen. Das scheint machbar.

Kuntz:Natürlich sehe ich unsere Stärke. Aber ich sehe zum Beispiel die Dänen wesentlich stärker als vor zwei Jahren. Die Serben sind ein Überraschungspaket, mit Luka Jovic haben sie eine sehr hohe Einzelqualität. Und Österreich wird ein extrem emotionales Spiel. Dort wird es keine Rolle spielen, ob jemand noch Gruppensieger werden kann. Es wird einfach darum gehen, einen Rivalen zu schlagen.

Wen sehen Sie als härteste Konkurrenten um den Titel?

Kuntz:Vor allem die Italiener, ganz klar. Die spielen ihre Heim-EM mit vielen A-Nationalspielern. Dann die Klassiker - Frankreich, England, Spanien. Und normalerweise ist immer ein Team dabei, das überrascht.

Leroy Sane, Timo Werner, Kai Havertz und andere Nationalspieler hätten auch für Sie spielen können, laufen aber bei Joachim Löw auf. Warum?

Kuntz:Bei uns ist klar: Wenn sich ein Spieler in der A-Nationalmannschaft festgespielt hat, steht er nicht mehr für die U21 zur Verfügung. Es ist mein primärer Job, die Jungs so zu entwickeln, dass sie in der A-Mannschaft bleiben. Daher sind wir auch ein bisschen stolz, wenn die Jungs hochkommen.

Aber Lukas Klostermann und Jonathan Tah spielen diesen Sommer für beide Teams?

Kuntz:Bei Lukas haben wir von Anfang an gesagt, dass ihm als Kapitän ein Turnier guttut. Jonathan war 2016 bei der EM ohne Spielminute dabei, und er war mal bei der U19, die in der Vorrunde ausgeschieden ist. Da war dann auch Jogi der Meinung, dass ihm ein Turnier guttut für seine Entwicklung.

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