Eintracht Frankfurt

Unrund und überhastet

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Ein 1:1-Unentschieden gegen den 1. FC Köln. Die Frankfurter Eintracht wartet weiter auf den ersten Saisonsieg. Trainer Glasner will von einer Krise nichts wissen.

Nachdem der Fehlstart nun sogar historische Ausmaße angenommen hat, flüchtete sich Eintracht-Trainer Oliver Glasner in feine Ironie. »Wieder mal ein Rekord, den ich da aufstelle«, sagte er nach dem 1:1 (1:1) gegen den 1. FC Köln milde lächelnd. Doch auf diese Bestmarke hätte der 47-jährige ganz im Ernst lieber verzichtet, denn in seiner Geschichte ist der Frankfurter Bundesligist noch nie mit sechs sieglosen Spielen in Serie in die Saison gestartet.

Glasner hat den in den Sand gesetzten Auftakt zu verantworten, weil er nun mal als Cheftrainer der leitende Angestellte ist - selbst wenn er den Spieß prompt rumdrehte und en passant darauf hinwies, dass seine Mannschaft aber auch nur eine Niederlage, gleich zu Beginn mit 2:5 in Dortmund, hinnehmen musste. »Wie oft hat die Eintracht nur eines der ersten sechs Spiele verloren?«, entgegnete der Österreicher getreu des »Glas-halb-voll-Mottos«. »Das wäre auch mal interessant.« Ist leichte Recherchearbeit: exakt 20-mal. Auch auf diesem Feld kann Glasner also nicht punkten.

Was Wunder, dass nach dem achten sieglosen Pflichtspiel hintereinander das Wort Krise durch Frankfurt geistert - Schaffenskrise, Ergebniskrise? Wahrscheinlich beides. Wer so oft nicht gewinnen kann, kann das kaum mehr auf Zufall oder fehlendes Spielglück schieben. Da liegt etwas Grundsätzliches im Argen.

Nicht verloren, nicht gewonnen

Natürlich hat die Eintracht die letzten sechs Partien nicht verloren, sechsmal Unentschieden gespielt, fünfmal davon 1:1. »Ganz happy sind wir damit nicht«, sagt Glasner logischerweise. Und natürlich stimmt der Einsatz, die Bereitschaft und das Engagement. Die Mannschaft ist willig und beißt, läuft viel, malocht und powert. »Fünf Spieler lagen irgendwann mit einer Kopfverletzung am Boden«, berichtet Glasner. »Das zeigt, dass sich keiner etwas geschenkt hat.«

Alles richtig, doch das Grundproblem ist die fehlende fußballerische Linie. Die Fragen drängen sich förmlich auf: Wie will Eintracht Frankfurt Fußball spielen und erfolgreich sein? Was steckt dahinter, wo ist der Plan, wie lautet die übergeordnete Philosophie? Wo wollen sie hin, für was steht die Eintracht im Jahr 2021 eigentlich?

Es ist bisher kaum etwas zu erkennen, was Hand und Fuß hat, gar keine Handschrift, kein Konzept. Das Spiel ist wild, aber nicht wild im Sinne von zügellos, brachial oder radikal, sondern eher vogelwild, strukturlos, fast schon chaotisch. Die Mannschaft hat keine Ruhe und innere Überzeugung, von Selbstvertrauen und Selbstverständnis mal abgesehen. Das ganze Spiel ist unrund und überhastet. »Wir sind zu hektisch, haben zu viele Ballverluste«, urteilt Glasner treffend. Doch an ihm ist es, diese Schwächen abzustellen oder die Spieler aufzustellen, die für mehr spielerische Klarheit sorgen.

Gegen Köln war der Plan offensichtlich, den Rheinländern das Feld zu überlassen und über sogenannte zweite Bälle tief in des Gegners Hälfte vorzudringen, wofür die Verteilung des Ballbesitzes spricht. Die Eintracht kam da nur auf 45 Prozent. Das Dilemma: Wer sich für diese Lesart entscheidet, muss auch die zweiten Bälle gewinnen. Das hat nicht so gut geklappt.

Zudem, und das ist der gravierende Schwachpunkt: Die Eintracht hatte eine Passquote von 65 Prozent. Das ist denkbar schlecht und bedeutet, dass jeder dritte Pass beim Gegner landet. Wer den Ball so schnell wieder herschenkt, kann kein gepflegtes Kombinationsspiel aufziehen, im Gegenteil: Wer so fehlerbehaftet ist, der rennt oft hinterher und muss einen enormen Aufwand betreiben, um das auszubügeln, was vorher schieflief. Ein Erfolgsmodell ist das ganz sicher nicht. Da auch die Kölner ähnlich konfus auftraten, entwickelte sich das Gegenteil von dem, was FC-Trainer Steffen Baumgart zur allgemeinen Verwunderung gesehen haben will: »Ein hochklassiges Spiel.«

Glasner moniert mit einigem Recht, dass seine Spieler den Ball zu lange halten. »Das ist unser Hauptthema.« Gerade die Neuzugänge nimmt er in die Pflicht, »der eine oder andere lernt die Bundesliga gerade kennen«, sagt Glasner und führt exemplarisch aus: »Du kannst halt nicht mit vier, fünf Kontakten durchs Mittelfeld spazieren.« Eine klare Ansage an den von Dinamo Zagreb gekommenen Antreiber Kristijan Jakic, der agil und umtriebig ist, sich aber früher vom Ball trennen müsste. Und, noch mal Glasner: »Es geht nicht, im eigenen Strafraum ein Dribbling in Richtung des eigenen Tores zu starten.« Schöne Grüße an Jens Petter Hauge.

Interessant auch, dass im Eintracht-Spiel immer wieder große Klasse aufblitzt, da gibt es Momente, die fast schon genial sind. Der Ausgleichstreffer ist von der Entstehung bis zum Abschluss durch Rafael Borré nahezu perfekt herausgespielt worden. Das ist kein Zufall, auch in den vorherigen Partien hatten die Frankfurter immer wieder Augenblicke, die von hohem Niveau zeugten, oft münden diese Geistesblitze in herrlichen Torerfolgen. Kein Wunder, dass fast immer Filip Kostic, der beste Eintrachtler, seine Füße im Spiel hat. Die generelle Qualität ist also durchaus vorhanden, sie regelmäßiger auszuspielen und nicht nur in homöopathischen Dosen, das wird die große Herausforderung sein.

(sid). Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt muss im zweiten Gruppenspiel der Europa League gegen Royal Antwerpen voraussichtlich auf Erik Durm und Evan Ndicka verzichten. Außenverteidiger Durm trug am Samstag beim 1:1 (1:1) gegen den 1. FC Köln nach Vereinsangaben eine Gehirnerschütterung davon. Innenverteidiger Ndicka überstreckte sich das Knie und wird damit am Donnerstag (18.45 Uhr/TV Now) wohl ebenfalls ausfallen.

Während Ndicka trotz seiner Verletzung durchspielte, musste Durm nach seinem Zusammenprall mit Florian Kainz bereits in der elften Minute ausgewechselt werden. Der ebenfalls am Kopf verletzte Timothy Chandler sei derweil »wohlauf«, teilte die Eintracht weiter mit. Der 31-Jährige war in der Halbzeitpause genäht worden und beendete die Partie mit einem Kopfverband.

(dpa/lhe). Die Rückkehr in die Erfolgsspur sorgte bei Rüdiger Rehm für Erleichterung. »Dieses klare Ergebnis war nicht zu erwarten«, sagte der Trainer des Fußball-Drittligisten SV Wehen Wiesbaden nach dem klaren 4:0 (0:0) bei den Würzburger Kickers. »Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft, die nach den zwei Niederlagen eine sehr eindrucksvolle Antwort gegeben hat, dass sie bereit ist, sich zu entwickeln. Es war eine sehr konstante Leistung und ein verdienter Sieg.«

Lukas Nilsson war am Samstag der Matchwinner. Erst bereitete der Schwede die Führung durch Thijmen Goppel (52. Minute) vor, dann gelang dem 24 Jahre alten Stürmer ein Hattrick (67./80./85.). Zweimal war Nilsson dabei vom Elfmeterpunkt erfolgreich. »Der zweite Strafstoß war keiner, da hatten wir Glück«, räumte Rehm ein.

Unterdessen hat Borussia Dortmunds Reserve-Team den Sprung an die Tabellenspitze verpasst. Die zweite Mannschaft des Bundesligisten unterlag am Sonntag bei Türkgücü München mit 1:2 (0:1) und ist nun Dritter. Für den neuen Münchner Trainer Peter Hyballa, der gerade erst den glücklosen Petr Ruman abgelöst hatte, war es indes ein Einstand nach Maß.

(sid). Bundesliga-Rückkehrer VfL Bochum steckt schon früh im Tabellenkeller fest. Acht Tage nach der 0:7-Rekordpleite bei Bayern München kamen die Westfalen gegen den ebenfalls schwach gestarteten VfB Stuttgart nicht über ein 0:0 hinaus und liegen mit nur vier Punkten aus den ersten sechs Spielen auf einem Abstiegsplatz.

»Wenn wir diese Spiele zu Hause nicht gewinnen, wo sollen wir dann gewinnen?«, sagte Torhüter Manuel Riemann bei DAZN und kritisierte seine Mitspieler: »Wir müssen geiler sein, diesen Dreier zu holen.« Die Bochumer Anhänger feierten die Spieler dennoch lautstark mit Gesängen.

Die Schwaben, die nur zwei Zähler aus den letzten fünf Partien holten, haben lediglich einen Punkt mehr auf dem Konto. Zumindest konnten beide Teams vor 15 300 Zuschauern ihre Gegentorflut der letzten Wochen stoppen. Offensiv läuft wenig: Ohne den verletzten Stürmer Simon Zoller, der an allen bisherigen vier Toren beteiligt war, fehlt Bochum die Durchschlagskraft. Auch Stuttgart vermisst die Angreifer Sasa Kalajdzic und Silas Katompa Mvumpa schmerzlich.

Nach der höchsten Bundesliga-Niederlage in der Vereinsgeschichte hatte Bochums Trainer Thomas Reis auf vier Positionen umgestellt - vor allem in der Defensive. Sein VfB-Kollege Pellegrino Matarazzo konnte Abwehrspieler Waldemar Anton nach abgesessener Rotsperre wieder einsetzen, tauschte gegenüber dem 1:3 gegen Bayer Leverkusen insgesamt drei Spieler aus und stellte auf Viererkette um.

Auch wenn Stuttgart durch einen Kopfball von Konstantinos Mavropanos die erste Chance hatte (4.), war der Wille zur Wiedergutmachung beim VfL unter den Augen des Ex-Bochumers Leon Goretzka zu spüren. Vor allem über den linken Flügel mit dem schnellen Gerrit Holtmann kamen die Bochumer immer wieder hinter die VfB-Kette, doch wie schon beim 1:3 gegen Hertha BSC fehlte den Flanken die Genauigkeit. Die spielerisch deutlich besseren Stuttgarter hatten mit der Aggressivität der Gastgeber Probleme. Matarazzo reagierte und brachte zur zweiten Hälfte in Chris Führich und Erik Thommy zwei neue Offensivkräfte. Führich leistete prompt die Vorarbeit zur vermeintlichen Führung, doch der Treffer von Mavropanos wurde nach Videobeweis wegen Handspiels zurückgenommen (55.). Plötzlich häuften sich die Chancen auf beiden Seiten, der Unterhaltungswert stieg. Allerdings blieb es torlos in Bochum.

Bochums Armel Bella Kotchap (am Boden) und Stuttgarts Hamadi Al Ghaddioui zeigen vollen Einsatz.

Rubriklistenbild: © DPA Deutsche Presseagentur

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