Ungemütliche Zeiten für Bayern

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Nach dem Auftakt in die 2. Runde des DFB-Pokals ist Bayern München zurück im Krisenmodus – trotz eines 2:1-Siegs beim Regional- ligisten SV Rödinghausen. Zu allem Überfluss hat sich Thiago auch noch schwer verletzt. Bei Hannover 96 rufen sie bereits den Existenzkampf aus.

Mia san mies" und "Lamento an der Leine": Bayern München ist zurück im Krisenmodus, Hannover 96 kommt gar nicht erst aus der Misere raus. Die Auftritte in der zweiten Runde des DFB-Pokals haben beim Rekordsieger und dem Bundesliga-Kellerkind für jede Menge Frust gesorgt. So gab es im Anschluss an die Gruselvorstellung kurz vor Halloween nur Saures für die Bayern. "Jeder Spieler muss sich darüber Gedanken machen, das kann nicht unser Anspruch sein", sagte Thomas Müller nach dem Arroganzanfall des deutschen Rekordmeisters beim SV Rödinghausen. Als Folge des blamablen 2:1 (2:0) beim Viertligisten sieht der Weltmeister "Aufarbeitungsbedarf".

Müllers Gesichtsausdruck verriet das aktuelle Dilemma des deutschen Vorzeigeklubs, der zu allem Überfluss wochenlang auf Mittelfeldstar Thiago (Sprunggelenks-Verletzung) verzichten muss. "Wir wissen selbst, dass das nicht das ist, was wir zeigen wollen", übte er Selbstkritik nach dem kurzen Zwischenhoch und fügte fast schon ratlos an: "Mund abputzen und weiter gehts."

So einfach ist das aber nicht nach dem leblosen Auftritt bei den Amateuren, die man nach einem frühen Rückstand durch Sandro Wagner (8.) und Müller (13., Foulelfmeter) fast schon aussichtslos im Hintertreffen wähnte. Nach einem verschossenen Strafstoß von Renato Sanches (23.) gab es aber einen Bruch, den sich auch Trainer Niko Kovac nicht erklären konnte. "Die Chancenverwertung und auch einige andere Dinge müssen wir ansprechen", sagte der 47-Jährige. Kovac kündigte vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg am Samstag und dem Champions-League-Spiel vier Tage später gegen AEK Athen viele Gespräche an.

Gesprächsbedarf herrscht schon seit Längerem in Hannover. Nun wählte Horst Heldt einen ungewöhnlichen Zeitpunkt für seinen Weckruf. "Wir sind im Abstiegskampf. Das müssen wir uns klar vor Augen führen", sagte der Manager nach dem nächsten sportlichen Tiefschlag – der allerdings keinen direkten Einfluss auf die Tabelle hatte.

Das 0:2 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg bebilderte jedoch einmal mehr die deutlichen Probleme der 96er. Nur sechs Punkte in der Liga und nun auch im zweiten Wettbewerb enttäuschend früh gescheitert. Hannover zeigt viele Symptome einer gefährlichen sportlichen Krise. Dramatisch sei die Situation zwar noch nicht, sagte Heldt. Dass der Sportchef und Trainer Andre Breitenreiter nach nicht einmal einem Drittel der Saison bereits unisono den Existenzkampf ausrufen, spricht aber für sich.

Erleichterung herrschte dagegen bei Fortuna Düsseldorf. "Endlich kann man nach einem Spiel mal wieder lächeln", sagte Sportvorstand Erich Rutemöller nach dem 5:1 (4:1) beim SSV Ulm. Dieses Erfolgserlebnis habe Düsseldorf "gebraucht. Das ist ein positiver Reiz. Ich hoffe, dass der Sieg Auftrieb gibt", fügte er mit Blick auf die prekäre Situation in der Liga und das Spiel am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach an. Nach zuletzt fünf Ligapleiten in Folge war der Achtelfinal-Einzug zwar allenfalls ein erster kleiner Schritt aus der Krise – doch auch Trainer Friedhelm Funkel unterstrich die Bedeutung vor der "Mammutaufgabe" in Gladbach. "Wir fahren mit einem guten Gefühl zurück und mit einigem Optimismus nach Gladbach", betonte der 64-Jährige.

Im Gegensatz zu Funkel hatte "Kai-Uwe" keine Lust zu reden. Die Anhänger des FC Augsburg feierten ihn, das reichte Caiuby Francisco da Silva. Sein einziger Kommentar war ein Wackeln mit dem erhobenen Zeigefinger, mit dem er signalisierte: "Nein, nein, nein." Stellungnahmen abgeben zu den zahlreichen Verfehlungen in den vergangenen Tagen und Wochen? Das wollte der Brasilianer lieber nicht.

Dafür redeten nach dem 3:2 (2:2, 1:2) nach Verlängerung gegen den FSV Mainz 05 andere über "Kai-Uwe", wie Caiuby in Augsburg genannt wird. "Traumhaftes Tor, überragend gemacht" – so schwärmte Sportchef Stefan Reuter über den Siegtreffer des 30 Jahre alten Angreifers in der 105. Minute.

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