Almamy Touré (r. Hertha-Verteidiger Niklas Stark) empfiehlt sich in Berlin für weitere Aufgaben auf der rechten Eintracht-Seite. FOTO: AFP
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Almamy Touré (r. Hertha-Verteidiger Niklas Stark) empfiehlt sich in Berlin für weitere Aufgaben auf der rechten Eintracht-Seite. FOTO: AFP

Ungeahnte Möglichkeit

  • vonred Redaktion
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Wer hätte das gedacht? Ein Spitzenspiel am dritten Spieltag der noch jungen Fußball-Bundesliga-Saison zwischen Eintracht Frankfurt und der TSG Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr), Dritter gegen Erster, beide Teams noch ungeschlagen, beide deutlich besser in die Runde gestartet als erwartet und überraschenderweise auch besser als Schwergewichte vom Kaliber Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach. Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme. Aber es hätte ja auch deutlich ärger kommen können. Da ist in Frankfurt mancher Stein vom Herzen gefallen - selbst wenn der 3:1-Erfolg von Berlin mit dem wochenlangen Ausfall von Eintrachts Bestem, Filip Kostic, teuer bezahlt wurde.

Zuber Anwärter für Kostic-Position

Damit fehlt den Hessen sicherlich den kompletten Oktober Wucht und Tempo am linken Flügel. Der Serbe war in guten Tagen Alleinunterhalter auf seiner Seite, in seinem Tatendrang kaum zu stoppen. In der vergangenen Saison sammelte der bald 28-Jährige in 51 (von 55 möglichen) Pflichtspielen 30 Scorerpunkte, erzielte zwölf Tore und legte 18 auf. Im Grunde spielte er pausenlos, weil er den Unterschied ausmachte, weil er unverzichtbar war, weil er es meist allein war, der für den Gegner gefährliche Situationen heraufbeschworen hatte. Sein Ausfall wiegt schwer.

Steven Zuber, im Tausch mit Mijat Gacinovic von der TSG Hoffenheim gekommen, ist erster Anwärter auf den vakant gewordenen Posten. Zuber freilich ist ein anderer Spieler, er interpretiert die Rolle am Flügel anders, er ist vor allem kein Draufgänger, keiner, der im Sprint an seinen Gegenspielern vorbeirauscht. Dafür fehlt ihm das Tempo. Der 28 Jahre alte Schweizer, der - wie alle Frankfurter Nationalspieler - wegen der hohen Belastung am Montag einen zusätzlichen Tag Urlaub erhalten hatte, ist einer, der sich mit dem Ball durchzukombinieren versucht. Er ist keiner, der steil geht.

Links am Flügel könnte natürlich auch Timothy Chandler zum Einsatz kommen. Da hat der immer gut gelaunte Außenverteidiger schon mit einigem Erfolg gespielt, ihm zugutekommt auch, dass er erstaunlich torgefährlich ist. Fünf Tore erzielte der Deutsch-amerikaner in der vergangenen Runde, allerdings von der rechten Seite. Optimal sind beide personellen Alternativen nicht, aber für einen überschaubaren Zeitraum sollte das Loch auf der linken Seite gestopft werden können. Und womöglich finden die Frankfurter, die neben Ajdan Hrustic vom SC Groningen zwei weitere Offensivkräfte verpflichten wollen, eine zusätzliche Option.

Angesichts der Schwächung auf der linken Flanke ist aus Frankfurter Sicht erfreulich, dass sich überraschenderweise auf der anderen, der rechten Seite, eine ungeahnte Möglichkeit ergeben hat. Der Auftritt des talentierten Almamy Touré auf der für ihn ungewohnten Position auf Rechtsaußen hat Lust auf mehr gemacht. In Berlin gehörte der Franzose zu den positiven Erscheinungen. Und an der Führung war er ebenfalls direkt beteiligt. Vor allem agierte der 24-Jährige, dem nicht zu Unrecht öfter mal ein gewisser Leichtsinn im Spiel nachgesagt wird, hochkonzentriert. Fürs Erste dürfte er Danny da Costa den Platz abgenommen haben, zumal Trainer Adi Hütter große Stücke auf den jungen Franzosen hält.

Zur Änderung gezwungen

Der Ausfall von Filip Kostic jedenfalls zwingt die Frankfurter Eintracht in jedem Fall dazu, ihr Spiel umzustellen. Sie könnte dadurch variabler auftreten, weniger ausrechenbar. Zuletzt hatten sich alle Gegner darauf einstellen können, dass die Hessen am liebsten über ihre linke Flanke zum Erfolg kommen wollen, und entsprechend diese Seite mit schnellen, flinken Leuten verbarrikadiert. Nun sind die Frankfurter dazu verdonnert, anders aufzutreten. THOMAS KILCHENSTEIN

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