Dem ukrainischen Nationaltrainer Andrej Schewtschenko gehen die Spieler aus. Nach dem 1:7 von Paris gegen Frankreich hat die Ukraine am Samstag Deutschland zu Gast. FOTO: AFP
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Dem ukrainischen Nationaltrainer Andrej Schewtschenko gehen die Spieler aus. Nach dem 1:7 von Paris gegen Frankreich hat die Ukraine am Samstag Deutschland zu Gast. FOTO: AFP

Ukraine gehen die Spieler aus

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Die höchste Länderspiel-Niederlage der Geschichte, dazu zahlreiche Corona-Fälle: Die Nationalmannschaft der Ukraine, nächster DFB-Gegner in der Nations League, liegt am Boden.

Der große Andrej Schewtschenko wurde in seinem blauen Stuhl im Stade de France immer kleiner. 1:7 (!) beim Weltmeister Frankreich, die mit Abstand höchste Niederlage in der ukrainischen Länderspielgeschichte: Schewtschenkos grimmiger Blick war auch hinter der blauen Maske deutlich erkennbar. Und gegen Deutschland droht in der Nations League am Samstag (20.45 Uhr/ARD) in Kiew angesichts der riesigen Probleme mit dem Coronavirus gleich die nächste heftige Pleite.

"Wir wissen noch nicht einmal, welche Spieler uns dann überhaupt zur Verfügung stehen, ob wir vielleicht neue dazubekommen werden", sagte Nationaltrainer Schewtschenko angesichts der insgesamt 14 Ausfälle hilflos. Der ukrainische Verband spricht von einer "Notlage", das einstige Stürmeridol "Schewa" klagte: "Die Situation ist sehr kompliziert, aber wir müssen da irgendwie rauskommen."

Das hatte seine zusammengewürfelte Auswahl mit fünf Debütanten schon gegen die übermächtigen Franzosen versucht - vergeblich. "Sie haben alles versucht", sagte Schewtschenko geknickt.

Angesichts der großen Personalsorgen mit verschiedenen Verletzungen und gleich mehreren positiven Corona-Tests hatte er sogar seinen Assistenten Alexander Schowkowski als Ersatztorwart nominieren müssen. Aktuell, ergänzte Schewtschenko blass, sei es der Ukraine "unmöglich", mit Topnationen wie Frankreich mitzuhalten.

Nach Spielschluss nötigte Olivier Giroud, dem in seinem 100. Länderspiel ein Doppelpack gelungen war, sein einstiges Idol zu einem Erinnerungs-Foto. Doch auch dabei konnte Schewtschenko seinen Frust nicht verbergen. Die bittere Klatsche werde seiner Mannschaft "als Lektion dienen", behauptete er später tapfer.

Am Tag darauf wartete er mit Spannung auf die Test-Ergebnisse von Viktor Kowalenko und Mykola Matwijenko (beide Schachtjor Donezk), auf deren Rückkehr aus der Quarantäne er hoffte. Stars wie Alexander Sintschenko (Manchester City) oder Jewgeni Konopljanka (Donezk) fehlen auch gegen Deutschland verletzt, unter den Covid-19-Patienten sind neben Mittelfeldchef Taras Stepanenko gleich drei Torleute um Stammkeeper Andrej Pjatow. "Das könnte lustig sein, wenn es für unser Team nicht so nervig wäre", sagte Co-Trainer/Torwart Schowkowski.

Überhaupt ist die Lage in Kiew alles andere als spaßig. Am Mittwoch verzeichnete die Ukraine mit 4887 neuen Corona-Fällen ein Rekordhoch, 83 Tote waren zu beklagen.

Umso erstaunlicher, dass das Olympiastadion gegen die DFB-Elf wie von der UEFA erlaubt mit bis zu 21 000 Fans zu 30 Prozent ausgelastet sein soll. Ist das nicht viel zu riskant? Schewtschenko verteidigte die Entscheidung. "In dieser schwierigen Lage", sagte er, "brauchen wir die Unterstützung der Fans."

Vor ähnlichen, aber längst nicht so gravierenden Problemen steht die Schweiz, am Dienstag in der Nations League übernächster DFB-Gegner. Der Dortmunder Manuel Akanji wird nach seinem positiven Corona-Test zumindest in Madrid gegen Spanien (Samstag, 20.45 Uhr) fehlen. Xherdan Shaqiri dagegen darf mitreisen. Auch der frühere Münchner war zwar zunächst positiv. Ein Bluttest habe aber ergeben, dass dieses Ergebnis auf eine frühere Infektion zurückzuführen sei, teilte der Schweizer Verband mit. Shaqiri sei deshalb "nicht infektiös", ein zweiter Test war entsprechend negativ.

Nun hofft Nationaltrainer Vladimir Petkovic, dass die Gesundheitskommission der UEFA Shaqiri auch die Spielberechtigung erteilt.

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