Bis zu 20 000 Zuschauer dürfen morgen in Budapest in die Puskas-Arena zum Supercup zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla. FOTO: DPA
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Bis zu 20 000 Zuschauer dürfen morgen in Budapest in die Puskas-Arena zum Supercup zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla. FOTO: DPA

UEFA beharrt auf Pilotprojekt

  • vonSID
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Der Supercup in Budapest wird immer mehr zum Politikum. Die UEFA hat angesichts der Sorgen vor einem "Fußball-Ischgl" ein Geisterspiel diskutiert, doch die Partie wird vor bis zu 20 000 Zuschauern austragen.

Fritz Keller will kein Teil von "Fußball-Ischgl" sein. "Ich selbst werde nicht nach Budapest reisen", sagte der DFB-Präsident und betonte: "Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen." Letzteres zu tun verspricht auch die UEFA - und doch will sie sich ihr "Pilotprojekt" zur Zuschauerrückkehr nicht nehmen lassen.

Der Supercup im ungarischen Corona-Hotspot zwischen Bayern München und dem FC Sevilla am Donnerstag (21 Uhr/Sky) wird stattfinden - und zwar mit Zuschauern. Das teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) auf Anfrage mit. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban soll auf der Tribüne der Puskas-Arena sitzen, wie um aller Welt zu demonstrieren: Alles halb so wild in Budapest!

Zuvor hatte es Gespräche zwischen allen Beteiligten gegeben, neben einem Geisterspiel stand auch eine komplette Absage der umstrittenen Begegnung im Raum. Doch am Ende hatten die Zweifler keine Chance gegen die Lobbyisten um den mächtigen ungarischen Verbandschef und UEFA-Vize Sandor Csanyi. Der Supercup, behaupten die Befürworter um UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, werde "so sicher sein wie kein Spiel zuvor." Markus Söder steht an der Spitze derjenigen Kritiker, die darüber nur den Kopf schütteln. Der bayerische Ministerpräsident hatte das Spiel mit seiner Aussage über ein mögliches "Fußball-Ischgl" zum Politikum gemacht. Die große Sorge des CSU-Chefs: Ein Superspreading-Event an der Donau wie im Frühjahr im österreichischen Apres-Ski-Mekka mit Hunderten oder Tausenden Infizierten in ganz Europa. Die UEFA beteuert dagegen, es würden alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen unternommen. Doch daran zweifeln inzwischen auch viele Fans, die die Freigabe von bis zu 20 000 Plätzen (30 Prozent) zunächst begrüßt hatten. Nur noch 1300 Bayern-Fans wollen inzwischen nach Budapest, Tendenz fallend. 2100 hatten sich um eines der zuletzt 4500 zur Verfügung stehenden Tickets bemüht. Aus Sevilla sollen nur 350 Anhänger anreisen.

Anhänger aus dem Freistaat müssen nun nach der Rückkehr zum Corona-Test oder in Quarantäne. Bis zum Dienstag galt, dass Reisende bei Aufenthalten von weniger als 48 Stunden in Risikogebieten nicht der Quarantänepflicht unterlagen. "Jeder soll sich das noch mal ganz genau überlegen, ob das sinnvoll ist, denn Budapest ist ein Hochrisikogebiet", appellierte Söder (CSU) nach einer Kabinettssitzung.

Flick ist machtlos

Doch eine Reisewarnung des FC Bayern an die eigenen Fans, wie zum Beispiel von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterach gefordert, wird es nicht geben. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge möchte seinem Freund Ceferin nicht in den Rücken fallen, wenngleich die Münchner Delegation kleiner ausfallen soll als üblich. Er hat sich das UEFA-Diktum vom "Schritt in Richtung Normalität" zu eigen gemacht. Diesen hatte auch Hansi Flick zunächst befürwortet. Weil die Infektionszahlen vor Ort allerdings weiter steigen, hat sich der Trainer inzwischen bei den Skeptikern eingereiht. Allein: Flick fühlt sich machtlos - und sucht die Flucht ins Sportliche. Der silberne Pokal wäre "das i-Tüpfelchen" auf der Münchner Triple-Saison, sagte der Trainer.

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