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»Mister Zuverlässig« - Johannes Voigtmann (mit Ball) erzielt am Ende des Spiels gegen Russland entscheidende Punkte. IMAGO

Überragender Voigtmann

(sid). Gezittert, gewackelt, aber nicht gefallen. Der Olympia-Traum lebt weiter für die deutschen Basketballer. »Wir feiern natürlich noch nicht«, sagte Bundestrainer Henrik Rödl, nachdem beim Qualifikationsturnier in Split der Sprung ins Halbfinale gelungen war. Durch ein schwer erkämpftes 69:67 (32:35) im letzten Vorrundenspiel gegen Russland sicherte sich das Nationalteam den Gruppensieg und trifft am Samstag auf Gastgeber Kroatien.

»Ich bin sehr stolz auf dieses Team, sie haben wieder viel Charakter gezeigt«, so Rödl: »Jeder hat seinen Anteil geleistet. Ich bin extrem stolz.« Nun habe das Team »eine Chance, noch etwas länger im Turnier zu bleiben«. Allerdings ist weiter Luft nach oben.

Die Ausgangslage war einfach: Eine Niederlage mit bis zu sechs Punkten hätte sich die deutsche Mannschaft nach dem mühevollen Auftaktsieg gegen Mexiko (82:76) für den Einzug in die Runde der letzten vier erlauben dürfen. Eine zwar komfortable, aber auch nicht ganz ungefährliche Situation.

Rödl musste im wegweisenden Duell wegen einer Oberschenkelprellung ohne Isaac Bonga auskommen. Nach dem nervösen Beginn gegen Mexiko, das der Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) das Leben bis ins letzte Viertel äußerst schwer gemacht hatte, gab es erneut schnell Probleme. Drei Ballverluste in 90 Sekunden spielten dem Gegner in die Karten.

Russland, für Rödl »einer der Favoriten auf den Turniersieg«, fand gerade offensiv viel besser seinen Rhythmus. Wie schon am Dienstag musste der Trainer früh eine Auszeit nehmen (7:17/7. Minute). Es galt, den nächsten Fehlstart zu besprechen.

Danach lief es besser. Kapitän Robin Benzing ging voran und verhinderte mit zwei Blocks einen höheren Rückstand, vorn ging die Quote hoch, und Danilo Barthel traf nach einem Lauf zur ersten Führung (20:19/13.). Im niveauarmen Duell konnte sich bis zur Pause kein Team absetzen.

»Here we go«, sagte Rödl vor Wiederbeginn, doch es hakte weiter. Erstmals gerieten die DBB-Korbjäger jetzt mit mehr als sechs Punkten in Rückstand (41:49/27.). Mit einem 50:53 ging es ins Schlussviertel.

Dennis Schröder, der wegen zu hoher Versicherungsanforderungen nicht zur Verfügung stand, verfolgte das Spiel mit seiner Familie wie gegen Mexiko von der Tribüne. Und der vertragslose NBA-Profi musste leiden. Das Spiel war eng, das Aus drohte, und am Ende wurde es bizarr. Mit einer Ein-Punkte-Führung im Rücken (68:67) setzte Johannes Thiemann elf Sekunden vor Schluss absichtlich zwei Freiwürfe daneben, damit die Russen keine Verlängerung erzwingen konnten. Denn es ist nicht möglich, aus dem normalen Spiel heraus nur einen Punkt zu erzielen. Im Falle eines Unentschiedens hätte das DBB-Team in der Overtime doch noch scheitern können. Bester Werfer war Johannes Voigtmann mit 13 Zählern, der sagte. »Das war sehr hart. Wir haben nervös begonnen und ein paar Bälle weggeschmissen. Den Russen haben wir zu viele einfache Sachen gegeben. Dann aber wurde es besser.« Setzt sich das deutsche Team im Halbfinale durch, geht es am Sonntag (19.30 Uhr/kostenfrei bei MagentaSport) im Endspiel um das Tokio-Ticket. Nur der Turniersieger fliegt zu den Sommerspielen in Japan (23. Juli bis 8. August).

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