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Das Team Bora-hansgrohe geht mit den »Schwergewichten« Peter Sagan (vorne, l.) und Emanuel Buchmann (hinten, l.) in den Giro d’Italia.

Traum vom Giro-Podest

  • VonSID
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(sid). Die Zukunft hat gerade erst begonnen. Emanuel Buchmann hat keine Zweifel. »Mit 28 fangen die besten Jahre eines Rundfahrers erst an«, sagte der deutsche Radprofi dem SID: »Da habe ich schon noch was vor mir.« Den Beweis kann Buchmann, Jahrgang 1992, ab Samstag antreten. Beim 104. Giro d’Italia soll der Traum vom Podest bei einer großen Landesrundfahrt endlich in Erfüllung gehen.

21 Etappen über insgesamt 3479,9 km zwischen Turin und Mailand liegen vor dem Profi vom Team Bora-hansgrohe. Es wird eine Tortur, das liegt in der Natur dieses Rennens, und für Buchmann eine Premiere. Nach fünf Starts bei der Tour de France und zwei bei der Vuelta in Spanien greift das Kletter-Ass erstmals in den Kampf um das begehrte Rosa Trikot ein.

Er sei »sehr motiviert, beim Giro zu zeigen, was in mir steckt«, sagte Buchmann. Denn er hat noch eine Rechnung zu begleichen. Die Italien-Rundfahrt ist Buchmanns erster großer Auftritt seit der Tour 2020, die statt auf dem Treppchen in Paris wegen eines Sturzes in Schmerzen und Enttäuschungen endete. Einiges wäre ohne Pech möglich gewesen, glaubt Buchmann nach wie vor: »Es ist extrem bitter, dass ich es nicht abrufen konnte.«

Die Wunden sind längst verheilt, der Frust längst verdaut, die Form steigt. »Mir geht’s gut«, sagte Buchmann, der am Mittwoch aus dem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada ins Piemont reiste. Wie gut er drauf ist, muss sich aber erst noch zeigen: Zwölfter bei der UAE Tour, Rang 13 bei der Baskenland-Rundfahrt - Buchmanns bisherige Saison-Etappenrennen waren solide, aber längst nicht überragend. Eine solche Leistung wird Buchmann in Italien allerdings brauchen. Der Vorjahresvierte Joao Almeida (Deceuninck-Quick Step), Mikel Landa (Bahrain-Victorious) oder nicht zuletzt der frühere Tour-Champion Egan Bernal (Ineos Grenadiers) werden Buchmann im Kampf um das Podest nichts schenken.

Dennoch sieht Buchmann Vorteile. Der Giro sei eben »einfach ein anderes Rennen als die Tour«, sagte Buchmann: »Es ist nicht ganz so kontrolliert wie bei der Tour, wo es zwei Super-Teams gab. Es ist einfach ein etwas offeneres Rennen.« Und, betrachtet man die äußeren Umstände, das deutlich entspanntere. Nirgends ist der Druck größer als in Frankreich, nur bei der Großen Schleife steht der Radsport derart im Fokus.

Dieser Rummel und die Erwartungshaltung an seine Person, die er spätestens mit Rang vier bei der Tour 2019 selbst geschürt hatte, schienen Buchmann stets unangenehm zu sein. In Italien kann Buchmann befreiter agieren.

Das liegt auch an Peter Sagan. Der dreimalige Weltmeister gilt noch immer als Pop-Star des Radsports und zieht alleine durch seine Anwesenheit die Aufmerksamkeit auf sich. Beim Giro soll der Slowake dem Bora-Team Sprint-Siege einfahren - und Buchmann in die Berge eskortieren. »Man braucht auch im Flachen starke Männer«, sagte Buchmann.

Seine Stärken am Berg könnte Buchmann im kommenden Jahr auch wieder in Frankreich bei der Tour zeigen - dann wie gewohnt im Trikot von Bora-hansgrohe. Am Dienstag verkündete der Raublinger Rennstall die Vertragsverlängerung bis 2024.

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