Willi Holdorf
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Trauer um Willi Holdorf

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(sid). Die letzten Meter auf dem Weg zur Krönung gehören zu den größten Momenten der deutschen Sportgeschichte. Willi Holdorf taumelt nach 1500 Metern ins Ziel, dort bricht er erschöpft zusammen, erst langsam begreift der Zehnkämpfer, dass er sich nun König der Athleten nennen darf. Die Bilder der Olympischen Spiele 1964 in Tokio und Holdorfs Kampf auf der Zielgeraden sind unvergessen. Der Sport habe eine "Ikone der Leichtathletik verloren", sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

Am Sonntag starb Holdorf in Achterwehr in der Nähe von Kiel. Im Februar hatte er seinen 80. Geburtstag gefeiert, er blickte auf ein Leben zurück, das geprägt war von harter Arbeit und sportlicher Neugier. "Wenn man mit dem Zehnkampf beginnt, dann schwebte der Name Willi Holdorf über allen, die danach kamen", sagte Weltmeister Niklas Kaul.

Vielseitigkeit bewies der Tausendsassa auch nach seinem Gold-Coup: Holdorf führte Stabhochspringer Claus Schiprowski 1968 als Trainer zu Olympia-Silber, machte den Fußballlehrer-Schein und arbeitete 1974 kurzzeitig als Trainer des damaligen Bundesligisten Fortuna Köln. Zwischendurch setzte er sich als Anschieber in den Zweierbob von Horst Floth und wurde 1973 EM-Zweiter. Holdorfs größter Sieg im Alter von nur 24 Jahren war auch sein letzter - zumindest im Zehnkampf. "Ich war schon verheiratet, musste eine Familie ernähren und mich um mein Studium kümmern", sagte er. 1964 wurde er zum Sportler des Jahres gewählt und bekam das Silberne Lorbeerblatt. Zudem ist er seit 2011 Mitglied der Hall of Fame der Deutschen Sporthilfe. Sein letzter Traum, eine Reise zu den Olympischen Spielen nach Tokio, ging nicht mehr in Erfüllung. ARCHIVFOTO: DPA

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