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Trainerbeben: Prokop raus - Gislason rein

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Elf Tage nach dem Ende der EM hat der Deutsche Handballbund (DHB) Bundestrainer Christian Prokop gefeuert. Sein Nachfolger wird der frühere Kieler Meister- trainer Alfred Gislason. An der überraschenden Entscheidung gibt es bereits erste Kritik.

Trainerbeben im deutschen Handball: Elf Tage nach dem Ende der EM hat der DHB am Donnerstag die Trennung von Bundestrainer Christian Prokop verkündet und den früheren Kieler Meistertrainer Alfred Gislason als Nachfolger vorgestellt. Trotz aller Treuebekenntnisse während der EM, bei der die deutsche Mannschaft das Ziel Halbfinale verfehlte und mit Platz fünf abschloss, muss Prokop knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt im März 2017 seinen Platz räumen.

"Eine richtige Entscheidung", sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan dem "Sportinformationsdienst" (SID), allerdings "kommt das für mich ziemlich überraschend, zumal der DHB sich ja mit der Kritik während der EM gar nicht richtig auseinandergesetzt hatte". Die Verpflichtung von Alfred Gislason nannte Stephan "ein Glück für den deutschen Handball".

Uwe Gensheimer, Kapitän der Nationalmannschaft, war "geschockt", als DHB-Sportvorstand Axel Kromer ihn telefonisch informierte. "Ich hatte niemals damit gerechnet, habe es aufgrund der Ergebnisse auch nicht für nötig gehalten. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zu Christian und haben seine Arbeit geschätzt", sagte Gensheimer bei Sky.

Nationaltorhüter Andreas Wolff freut sich derweil auf die Zusammenarbeit mit Alfred Gislason. "Wir kriegen einen Trainer mit einer riesigen Erfahrung und einer großen Titelsammlung, der über Jahre in mehreren Mannschaften gezeigt hat, dass er zur Spitze der Trainergilde gehört", sagte Wolff dem SID.

Weltmeister-Trainer Heiner Brand kann die "Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht nachvollziehen. Es war ja immer von außen eine gewisse Unruhe da, aber wenn man jetzt das Verhalten einiger Personen vom DHB sieht, da würde etwas mehr Ehrlichkeit diesen Leuten ganz gut tun", sagte Brand beim TV-Bezahlsender "Sky": "Die Verantwortlichen müssen aufpassen, dass sie nicht zu Marionetten werden: Wenn sie Entscheidungen treffen, müssen sie auch dazu stehen."

Der ehemalige Nationalspieler Christian Schwarzer war "sprachlos, vor allem die Art und Weise, wie da mit Menschen umgegangen wird, kann ich nur ganz schwer nachvollziehen", sagte Schwarzer dem SID: "Eigentlich sollte der gehen, dessen Projekt das war, der das damals initiiert hat, mit Ablösesumme und allen anderen Nebengeräuschen."

Der ehemalige Weltklasse-Linksaußen Stefan Kretzschmar sagte bei "Sky": "Prokop hat den Kampf gegen die Windmühlen verloren, es war immer eine latente Unzufriedenheit mit ihm zu spüren."

Oliver Roggisch, Teammanager der Nationalmannschaft, versteht, dass "einer wie Gislason, wenn er auf dem Markt ist, natürlich interessant ist. Ich glaube aber auch, dass Christian eine richtig gute EM gespielt hat mit Spielern, die hinter ihm stehen." Roggisch selbst war nach eigener Aussage "in keiner Weise in die Entscheidung eingebunden".

Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes, kommentierte die Angelegenheit in einer Pressemitteilung des Verbandes. "Wir haben diese schwere Entscheidung nach reichlicher Abwägung und einer ganzheitlichen Analyse aus Verantwortung für den deutschen Handball getroffen", sagte Michelmann. Man sei "davon überzeugt, dass wir unsere kurzfristigen Ziele nur mit einem neuen Impuls erreichen können".

Vertrag bis 2022

Den soll nun also Alfred Gislason setzen, der 60-jährige Isländer gilt als einer der renommiertesten Trainer weltweit. Im Sommer 2019 hatte er nach elf Jahren beim deutschen Rekordmeister THW Kiel seinen Platz geräumt. Mit Kiel gewann Gislason zweimal die Champions League und je sechsmal die deutsche Meisterschaft und den DHB-Pokal. Zuvor trainierte er unter anderem den SC Magdeburg ( und den VfL Gummersbach.

Gislason erhält einen Vertrag bis zur EM 2022 in Ungarn und der Slowakei, sein erster Arbeitstag wird der 9. März. Das erste Länderspiel steht am 13. März in Magdeburg gegen die Niederlande auf dem Programm. Bereits am heutigen Freitag soll er in Hannover vorgestellt werden. Erster sportlicher Höhepunkt wird das Olympia-Qualifikationsturnier gegen Schweden, Slowenien und Algerien vom 17. bis zum 19. April in Berlin.

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