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Trauriges Ende: Deutschlands Kapitän Moritz Müller (M.) kommen bei der Umarmung mit Felix Brückmann und Marco Nowak (r.) nach der 1:6-Niederlage gegen die USA die Tränen.

Tränen statt Medaille

  • VonDPA
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Das hatten sich die Eishockey-Nationalspieler ganz anders vorgestellt. Frustriert mussten sie zum WM-Abschluss zusehen, wie die US-Profis die Bronzemedaille feiern. Insgesamt war das Turnier in Lettland dennoch ein Erfolg.

Mit bitteren Tränen über die verpasste historische Medaillenchance und zugleich Stolz über eine lange famose WM verabschiedete sich Deutschlands Eishockey-Nationalteam aus Riga. Nach der bitteren Lehrstunde zum Abschluss beim 1:6 (0:1, 0:4, 1:1) im Spiel um Bronze gegen die USA weinten die Cracks hemmungslos. »In der Kabine ist kein Auge trocken geblieben«, erzählte der enttäuschte Kapitän Moritz Müller. Wie zuletzt beim Heim-Turnier 2010 beendete die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) auch diese WM in Riga als Vierter. Trotzdem fühlte sich das Abschneiden diesmal anders an.

Anders als vor elf Jahren war die deutsche Mannschaft vor allem am Samstagabend im Halbfinale gegen Finnland beim unglücklichen 1:2 näher dran am Coup. »Diese Mannschaft hätte alles verdient gehabt. Nicht oft kommen so Teams zusammen, es war etwas ganz Besonderes«, sagte Müller weiter. »Heute waren wir emotional einfach down.«

Den mentalen Kraftakt nach der Enttäuschung am Samstag, als man als besseres Team gegen den effizienteren Titelverteidiger ausgeschieden war, sich nur 21 Stunden später wieder zur einer großen Leistung aufzuraffen, gelang einfach nicht. »Ich kann das sehr gut verstehen, wir waren kurz davor, etwas zu gewinnen«, sagte Bundestrainer Toni Söderholm. Sein Team kam gegen die USA nur durch Dominik Bittner von den Grizzlys Wolfsburg zum Ehrentreffer (50. Minute), als die Partie längst entschieden war. Die mental stärkeren Amerikaner ließen den müden Deutschen keine Chance und holten sich nach Toren von Christian Wolanin (6.), Conor Garland (27.), Jack Drury (29.), Jason Robertson (32.), Trevor Moore (33.) und Ryan Donato (50.) ihre achte WM-Bronzemedaille.

»Das tut gerade brutal weh. Es ist schwer, Worte zu finden«, sagte der frühere NHL-Profi Korbinian Holzer und musste erst einmal durchpusten: »Wir waren so nah dran, ins Finale einzuziehen, heute hat es nicht gereicht«, sagte der Verteidiger und bilanzierte: »Es wird dauern, bis wir realisieren, was wir geschafft haben. Es sind kleine Details, die zur Weltspitze fehlen.« Anders als vor elf Jahren, als der Sprung ins Halbfinale einer Sensation glich, entsprach Platz vier bereits dem Anspruch vor dem Turnier. Insgeheim hatte sich das DEB-Team mehr ausgerechnet und gar auf den Weltmeister-Titel geschielt. »Heute war nicht unser Tag. Gestern war unser Tag, aber wir haben nicht gewonnen«, sagte Söderholm mit Blick auf die verpasste Final-Chance. Beim 1:2 gegen die Heimat des Bundestrainers war Deutschland die bessere Mannschaft, hatte aber kein Glück und leistete sich zudem zwei folgenschwere individuelle Patzer. »Es war nicht einfach, das zu verarbeiten«, bekannte Söderholm bereits vor dem Spiel.

Tatsächlich schienen seine Spieler am Sonntag im Kopf nicht bereit. Auch nach vielen Unzulänglichkeiten war Söderholm von Kritik ganz weit entfernt. »Ich bin einfach stolz. Es war ein sehr starkes Turnier mit einer Mannschaft von ganzen feinen Menschen«, bilanzierte Söderholm. »Es war mir wirklich eine riesengroße Ehre, diese Spieler trainieren zu dürfen.« Auch die Spieler äußerten sich fast ergriffen über die Stimmung in der Mannschaft. »Jeder hat seine Rolle im Team angenommen, das war wirklich unglaublich. Das habe ich bislang so noch nicht in vielen Teams erlebt. Das ist etwas, das mich lange, lange begleiten wird«, sagte Stürmer Marcel Noebels, der auch schon 2018 beim Gewinn der olympischen Silbermedaille dabei gewesen war.

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