Wimpeltausch beim Länderspiel: Die Spielführerin der Schweiz, Helga Moser (l.), mit ihrer deutschen Kollegin Anne Trabant-Haarbach. FOTO: DPA
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Wimpeltausch beim Länderspiel: Die Spielführerin der Schweiz, Helga Moser (l.), mit ihrer deutschen Kollegin Anne Trabant-Haarbach. FOTO: DPA

Trabant-Haarbach legte den Grundstein

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(sid). Alles begann auf dem Bolzplatz beim Kicken mit den Jungs aus der Nachbarschaft. Dort entdeckte Anne Trabant-Haarbach nach dem Wunder von Bern bei der WM 1954 ihre Liebe zum Fußball, doch für diese musste die Pionierin kämpfen. Denn "sonntags stand ich am Spielfeldrand und musste zuschauen", erinnert sie sich 50 Jahre nach dem Ende des Frauenfußball-Verbots im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Eine Rolle, mit der sich die Vorkämpferin nicht abfinden wollte.

Und anderem elf deutsche Meistertitel, die ersten beiden DFB-Pokal-Endspiele, und mit der SSG 09 Bergisch Gladbach die inoffizielle WM 1981 in Taiwan gewann Trabant-Haarbach - zu einer Zeit, als der DFB den Frauenfußball mehr duldete als förderte. Und doch ist es nicht diese Trophäe, auf die sie voller Stolz zurückblickt.

"Für mich persönlich war es viel wichtiger, dass der DFB nach unserem Erfolg in Taipeh endlich eine Frauen-Nationalmannschaft aufbaute", erzählt die heute 71-Jährige im Gespräch. Diese Nationalmannschaft führt sie im ersten offiziellen Länderspiel am 10. November 1982 in Koblenz als Kapitänin aufs Feld, gleichzeitig ist sie Assistentin von Bundestrainer Gero Bisanz.

Dass es einmal so kommen sollte, daran war in Trabant-Haarbachs Kindheit nicht zu denken. Während auf dem Bolzplatz im niedersächsischen Emlichheim ihr Talent zählte, galten im offiziellen Vereinssport andere Regeln. Dem DFB war der Frauenfußball ein Dorn im Auge. Als das Verbot 1955 kam, war Trabant-Haarbach sechs Jahre alt. Es sollte bis zum 31. Oktober 1970 Bestand haben. Was damals passierte, "habe ich erst später bemerkt".

Klarer waren da schon die Worte aus den Reihen ihrer Familie: "Als ich 13 oder 14 war, meinte meine Mutter dann, dass es so langsam Zeit wäre, mit dem Fußball aufzuhören: ›Das schickt sich nicht für Mädchen‹." Auch wenn Trabant-Haarbach sich vorerst auf Leichtathletik, Handball und Tennis konzentrierte, vom Fußball konnte sie nichts und niemand fernhalten.

Als sie zum Sportstudium 1969 nach Mainz zog, entdeckte sie gleich am ersten Tag ein Plakat, auf dem für Frauenfußball geworben wurde. Trabant-Haarbach besorgte sich einen Stadtplan und stand am nächsten Tag "mindestens eine Stunde früher am Platz".

Von da an war die Vorkämpferin des Frauenfußballs nicht mehr aufzuhalten. Von Mainz aus ging es zum TuS Wörrstadt, später als Spielertrainerin zum Bonner SC und der SSG 09 Bergisch Gladbach, die unter ihrer Führung den deutschen Frauenfußball dominierte.

Den historischen ersten Meistertitel 1974 mit Wörrstadt konnte sie zwischen UniPrüfungen und dem Job als Grundschullehrerin damals jedoch nicht genießen: "Ich war nach dem Endspiel so fertig, dass ich nur geweint habe. Noch nicht einmal aus Freude, sondern einfach, weil wir es geschafft hatten."

Heute ist dieser Moment für Trabant-Haarbach "ein Meilenstein in der Geschichte des Frauenfußballs". Und die Entwicklung ihrer geliebten Sportart liegt ihr bis heute am Herzen. Gerne würde sie Nationalspielerinnen später als Trainerinnen wiedersehen, um junge Talente bis hin zur Eliteklasse zu fördern.

Derzeit ist Nora Häuptle vom SC Sand die einzige Cheftrainerin der Frauen-Bundesliga. "Wir Frauen müssen kämpfen und dürfen uns nicht alles aus der Hand nehmen lassen", sagt Anne Trabant-Haarbach. Sie weiß, wovon sie spricht.

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