Schwedens Torhüter Andreas Palicka (vorne), der in der Bundesliga für die Rhein-Neckar Löwen spielt, ist der große Rückhalt seines Teams.	FOTO: AFP
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Schwedens Torhüter Andreas Palicka (vorne), der in der Bundesliga für die Rhein-Neckar Löwen spielt, ist der große Rückhalt seines Teams. FOTO: AFP

Torhüter als Erfolgsgaranten

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Dänemark gegen Spanien und Schweden gegen Frankreich - die Halbfinalspiele der Handball-WM in Ägypten haben es heute in sich. Bundestrainer Alfred Gislason hat einen klaren Gold-Kandidaten.

Niklas Landin war völlig fertig. Zwei Verlängerungen, zwei Rote Karten, zwei Tore in letzter Sekunde - und dann vor allem seine zwei entscheidenden Paraden im Siebenmeterwerfen: So etwas hatte selbst der hochdekorierte dänische Torhüter vom THW Kiel noch nicht erlebt.

»Das war etwas ganz Besonderes«, sagte Landin nach dem 39:38 gegen Gastgeber Ägypten, noch immer euphorisiert von einem geradezu epischen WM-Viertelfinale. Über zwei Millionen Menschen hatten das Handball-Drama in der Heimat am TV verfolgt, mehr als jeder dritte Däne war bei Landins Heldentaten im Siebenmeter-Thriller live dabei. »JAAAAAAAA!!! Danke, danke, danke, Landin!«, titelte die dänische »B.T.« am Donnerstag.

Zeit zum Genießen blieb Welthandballer Landin aber nicht. Schon im Halbfinale am heutigen Freitag (20.30 Uhr/Eurosport) wartet auf die Dänen mit Spanien die womöglich größte Hürde auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung. Weltmeister gegen Europameister - mehr geht nicht. Den zweiten Endspiel-Teilnehmer ermitteln Rekordweltmeister Frankreich und Rekordeuropameister Schweden ebenfalls heute (17.30 Uhr/Eurosport).

Abgesehen vom an Spanien gescheiterten Vizeweltmeister Norwegen (26:31) sind die Topvier des Welthandballs am Final-Wochenende unter sich. Entsprechend heiß ist auch Landin. Einen Monat nach dem Champions-League-Triumph mit Kiel will er am Sonntag mit seinem Team, dem weitere sieben Bundesliga-Profis angehören, erneut den internationalen Handball-Thron erklimmen.

Für Bundestrainer Alfred Gislason sind allerdings die Iberer erster Anwärter auf den Titel. »Spanien hat Erfahrung, eine super Abwehr und gute Torhüterleistungen«, sagte der Isländer und tippte bereits vor dem Start in die K.-o.-Runde auf Spanien: »Ich denke, sie haben sehr gute Chancen.« Der großen Routine und Cleverness der Spanier, deren Durchschnittsalter jenseits der 30 liegt, fiel im Viertelfinale auch Norwegen mit Kristian Björnsen von der HSG Wetzlar zum Opfer.

Richtig hungrig wirken auch die Franzosen. Ohne ihren Superstar Nikola Karabatic wollen sie in Kairo eine stolze Serie verteidigen: Im neuen Jahrtausend fuhr Frankreich bislang noch nie bei zwei aufeinanderfolgenden internationalen Großturnieren ohne Medaille nach Hause. In Ägypten winkt »Les Bleus« zudem der erste Titel seit WM-Gold 2017.

Palicka in Topform

Dafür muss die Handball-Großmacht der letzten zwei Jahrzehnte aber erst einmal an Schweden vorbei. Während sich die Franzosen durch einen 35:32-Zittersieg nach Verlängerung gegen Ungarn ins Viertelfinale mühten, siegten die Skandinavier gegen Katar locker mit 35:23 (14:10). Die Euphorie im Drei-Kronen-Team ist groß, stand man doch letztmals vor zehn Jahren im eigenen Land in einem WM-Halbfinale. Als Vierter gingen die Schweden damals genauso leer aus wie im Vorjahr bei der Heim-EM, als der sechsmalige Europameister in der Hauptrunde scheiterte. Entsprechend gering waren die Erwartungen in der Öffentlichkeit vor den Titelkämpfen. Doch die Mannschaft von Trainer Glenn Solberg trumpfte überzeugend auf, die Truppe um den Wetzlarer Anton Lindskog blieb im bisherigen Turnierverlauf ungeschlagen.

Großen Anteil an der sportlichen Renaissance hat Torwart Palicka. Der 34-Jährige, der bei den Rhein-Neckar Löwen sein Geld in der Bundesliga verdient, präsentiert sich bei der Endrunde in Topform und ist der große Rückhalt der jungen Mannschaft. »Ich erlebe gerade meine beste Zeit auf dem Parkett«, sagte Palicka vor dem Duell gegen Frankreich.

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