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Die Entscheidung: Der Frankfurter André Silva (l.) erzielt den 2:1-Endstand, die Dortmunder Raphael Guerreiro und Torhüter Marwin Hitz können die Niederlage im »Sechs-Punkte-Spiel« nicht verhindern.

Tor zur Königsklasse aufgestoßen

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Champions League, wir kommen. Nach dem 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund gibt es für die Frankfurter Eintracht nur noch ein Ziel: Die erstmalige Qualifikation für Europas Topwettbewerb.

Von Harsewinkel im Ostwestfälischen ins Dortmunder Stadion sind es rund 100 Kilometer, eine gute Stunde mit dem Auto, und die hat Heribert Bruchhagen auf sich genommen, um »das beste Auswärtsspiel der Eintracht in Dortmund« zu sehen, seit er mit den Hessen reist. Das tut der frühere Vorstandsvorsitzende aktuell nicht mehr so häufig, aber ab und an wird er von der Eintracht-Entourage zu Spielen eingeladen, und Bruchhagen, der die Verbindung zum alten Klub nie hat abreißen lassen, nimmt diese Einladungen immer gerne an. Er hängt noch an der Eintracht. Und wähnt sie nach dem 2:1 (1:1)-Erfolg bei Borussia Dortmund auf dem richtigen Weg: »Man kann allen handelnden Personen nur gratulieren. Ich glaube, dass man den Champions-League-Platz bis Saisonende halten kann.«

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass diese Frankfurter Eintracht geradewegs in die Champions League stürmt. Das wäre ein Novum in der Historie des Vereins. Der mit unglaublicher Leidenschaft, unbändigem Willen errungene Sieg wurde hinterher als Meilenstein gewertet, als »großer Schritt« (Trainer Adi Hütter) auf dem Weg zu etwas »Außergewöhnlichem«, man habe eine »Message« (Djibril Sow) ausgesandt.

Es war ja in der Tat ein vorweggenommenes Endspiel um die Champions League, mehr für die Dortmunder, die sich nun gemeinsam mit Bayer Leverkusen schon sieben Punkte hinter Eintracht Frankfurt verorten lassen müssen, sieben Punkte bei noch sieben ausstehenden Spielen.

»Das war«, fasste der scheidende Sportvorstand Fredi Bobic diese 90 Minuten zusammen, »ein ganz, ganz großer Sieg«. So gut habe »ich uns noch nie gesehen in Dortmund«. Frankfurts Mittelfeldackerer Sebastian Rode, der genau zum richtigen Zeitpunkt zu alter Form zurückgefunden hat, brachte es auf den Punkt: »Unser Champions-League-Traum lebt, absolut«, jetzt gelte es, »dieses Polster zu verteidigen und auf »Biegen und Brechen durchzuhalten«.

Frankfurt hat ein deutliches Statement gesetzt, dieser nicht erwartete Dreier war ein Paukenschlag und eine klare Ansage an die Konkurrenz: Diesen Platz will man in Frankfurt nicht mehr verspielen. Und es gibt momentan auch wenig Anzeichen dafür, warum dieses Team trotz eines schweren Programms noch einbrechen sollte. Zumal sowohl die bereits leicht abgeschlagenen Dortmunder als auch Leverkusen auch erst einmal ihre Hürden aus dem Weg räumen müssen.

Die Partie in Dortmund war auch ein Gradmesser dafür, wie intakt das Frankfurter Gefüge ist. Angesichts der vielen Nebenkriegsschauplätze, die sich derzeit im Hintergrund auftun, hätte sich kaum jemand gewundert, wenn diese Dinge Einfluss genommen hätten: Die Hängepartie um den abwanderungswilligen Bobic, die Suche nach einem neuen Chef, der Abgang von Sportdirektor Bruno Hübner und die in den Tagen vor dem Schlüsselspiel aufploppenden Gerüchte, wonach Trainer Hütter vielleicht doch und entgegen seiner glasklaren Aussagen von vor vier Wochen den Abflug plant. Aber all das prallte ab von der Elf.

Es spricht für die breite Brust der Frankfurter, dass sie trotz personellen Engpasses mutig und offensiv in dieses Duell gegangen ist. Adi Hütter hatte in André Silva und Luka Jovic zwei Stürmer für die Startelf nominiert, hatte Amin Younes die Schaltzentrale übergeben und dem reisemüden Daichi Kamada eine schöpferische Pause gegönnt. Die Ausfälle von Makoto Hasebe und Martin Hinteregger waren mit dem überragenden Stefan Ilsanker und dem erstaunlich unbekümmert und abgezockt aufspielenden Tuta nahezu gleichwertig ersetzt. Ilsanker hatte noch »ein Schäufelchen draufgelegt« (Hütter) und einen der weltbesten Stürmer, Erling Haaland, nahezu komplett »im Griff« (Bobic), gestattete ihm drei Einschussmöglichkeiten, mehr nicht. Und Tuta, dieser 21 Jahre alte Bengel, kochte auf seiner rechten Seite den vorzeitig ausgewechselten Marco Reus ab als hätte er nie etwas anders getan.

Die Eintracht hatte sich diesen Sieg auch durch ein deutliches Plus an klareren Torchancen verdient, allein der permanent auf Weltklasseniveau spielende Filip Kostic hätte neben seinen beiden brillanten Vorlagen zu den Toren, dem Eigentor von Niko Schulz (11.) und dem späten Treffer von André Silva (87.), auch selbst noch mindestens zwei Treffer beisteuern können. Der »Lucky Punch« (Kevin Trapp) rundete einen überaus erfolgreichen Auftritt in diesem Sechs-Punkte-Spiel ab, selbst »mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen«, sagte Bobic, wissend, dass die Eintracht zuvor eine hauchdünne Abseitsentscheidung bei einem wunderschönen Kopfballtor von Ilsanker wegstecken musste. Hinterher sagte der Verteidiger: »Ich war nicht enttäuscht darüber, dass mein Tor nicht zählte. Ich wusste, dass wir noch ein zweites erzielen.«

Diese Aussage spricht für das große Frankfurter Selbstvertrauen. »Man hat von der ersten Minute an gesehen, dass wir nicht umsonst auf Platz vier stehen«, betonte Hütter. Lediglich drei von 27 Spielen hat die Eintracht erst verloren, mit 55 Treffern verfügen die Frankfurter mit Dortmund und hinter den Bayern über den gefährlichsten Angriff. Das sind Statistiken, die in die Königsklasse führen.

Während im Hintergrund die Frankfurter feiern, zeigt sich Dortmunds Jungstar Erling Braut Haaland enttäuscht.

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