Sie mag es auch mal extravagant: Ann Kathrin Linsenhoff beim Sportpresseball im vergangenen November. FOTO: DPA
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Sie mag es auch mal extravagant: Ann Kathrin Linsenhoff beim Sportpresseball im vergangenen November. FOTO: DPA

Titel, Tränen und Totilas

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(sid). Totilas muss an diesem Wochenende auf einige Streicheleinheiten verzichten. Familie Linsenhoff ist ausgeflogen und hat den einstigen Wunderhengst auf dem Schafhof im Taunus zurückgelassen - aus gutem Grund. Ann Kathrin Linsenhoff feiert heute auf dem Landsitz bei Antibes in Südfrankreich ihren 60. Geburtstag und blickt dabei auf bewegte Jahrzehnte als Dressur-Olympiasiegerin, Turniermacherin und ehemalige Sporthilfe-Chefin zurück.

"Wegen Corona wird es in diesem Jahr kein großes Fest geben", sagte Linsenhoff. Der Freude tut das aber keinen Abbruch. "Schön ist, dass wir einen Tag später auch den Geburtstag meines Sohnes feiern können." Ihr Stiefsohn Matthias Alexander Rath, der am Sonntag 36 wird, saß in den besonders bewegten Jahren des Totilas-Hypes im Sattel des Millionenhengstes. Die hohen Erwartungen konnte das Paar aber nicht erfüllen.

"Aus heutiger Sicht tut es mir leid für meinen Sohn. Ich wusste nicht, was ich damals losgetreten habe", sagte Linsenhoff. Paul Schöckemöhle hatte Totilas 2010 für angeblich zehn Millionen Euro nach Deutschland geholt und mit Linsenhoff eine Besitzergemeinschaft gegründet. Die besonderen Bewegungen machten den lackschwarzen Rappen bald zum Popstar, doch die erhofften Erfolge bei Championaten blieben aus. Heute steht der Millionenhengst auf dem Schafhof in Kronberg und wird regelmäßig von Linsenhoff bewegt. "Es geht ihm gut, er sieht immer noch fantastisch aus, ich nenne ihn immer meinen König", verriet Linsenhoff. Der mittlerweile 20 Jahre alte Totilas war auch als Deckhengst sehr gefragt, etliche seiner Nachkommen sind im Sport gelandet.

Neben Totilas genießt auch Sterntaler auf dem Schafhof den Lebensabend. Mit dem Oldenburger Wallach gelang Linsenhoff das große Comeback, das 2005 mit dem EM-Titel gekrönt wurde. Kurz danach musste sie jedoch wegen einer zu spät entdeckten Borreliose-Erkrankung ihre Karriere beenden.

Der sportliche Durchbruch war ihr bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gelungen, als sie im Sattel von Courage an der Seite von Nicole Uphoff, Reiner Klimke und der heutigen Bundestrainerin Monica Theodorescu zu Gold ritt.

Die Reiterei wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihr Großvater Adolf Schindling war als Gründer der VDO-Tachometerwerke nicht nur ein vermögender Unternehmer, sondern auch ein passionierter Pferdeliebhaber. Ihre Mutter Liselott setzte ganz auf die Dressur und gewann bei den Olympischen Spielen 1972 in München als erste Frau Einzelgold. "Sie hat mich immer gefördert, auch wenn sie sehr streng war", sagt Linsenhoff heute.

Auch als Veranstalterin von Reitevents machte sich Linsenhoff einen Namen, sie organisiert seit Jahren kurz vor Weihnachten das internationale Festhallenturnier in Frankfurt. "Ob es in diesem Jahr dazu kommt, wissen wir noch nicht", sagte die ausgebildete Tierärztin angesichts der Pandemie. Auch gesellschaftliches Engagement war Linsenhoff immer wichtig. 2008 wurde sie Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, trat aber nach wenigen Monaten wegen interner Unstimmigkeiten zurück. Neben der Linsenhoff-Stiftung gründete sie 2002 unter dem Dach von UNICEF die Ann-Kathrin-Linsenhoff-UNICEF-Stiftung, mit der sie bis heute über fünf Millionen Euro für Kinder in Not sammelte.

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