Der Ball könnte in der Bundesliga schon im Mai wieder im Netz einschlagen - wenn auch vor leeren Rängen. FOTO: DPA
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Der Ball könnte in der Bundesliga schon im Mai wieder im Netz einschlagen - wenn auch vor leeren Rängen. FOTO: DPA

Termin weiter offen

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Die Krise als Chance verstehen möchten viele organisierte Fans in Deutschland. Die DFL reagiert darauf. Das Bundesinnenministerium geht mit einem Terminvorschlag defensiv um.

Ganz so schnell geht es dann doch nicht mit den Geisterspielen. Der öffentlichkeitswirksamen Ankündigung der Ministerpräsidenten Markus Söder und Armin Laschet zum möglichen Bundesliga-Neustart am 9. Mai widersprach direkt am Dienstag das Bundesinnenministerium. Zudem äußerte das Robert Koch-Institut ernste Zweifel an der Sinnhaftigkeit, mitten in der Coronavirus-Krise wieder Fußball zu spielen. Kritische Fangruppen machen der Deutschen Fußball Liga außerdem offenbar schwer zu schaffen.

In einer ausführlichen Stellungnahme äußerte sich das DFL-Präsidium am Dienstag zu den aufregenden vergangenen Stunden, in denen der Profifußball mehr denn je ins Zentrum gesellschaftspolitischer Diskussionen rückte. Gegen den Vorwurf, eine Sonderrolle während der Pandemie zu beanspruchen, wehrte sich der Dachverband erneut massiv. "Es geht an den Fakten vorbei, wenn unterstellt wird, dass eine mögliche engmaschige Testung eine Unterversorgung der Bevölkerung verursache", schrieb das Präsidium.

Während ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag wird sich die Dachorganisation der 36 Proficlubs nicht auf einen konkreten Termin für den Neustart in der 1. und 2. Liga festlegen. Die Entscheidung darüber liege "selbstverständlich bei den zuständigen politischen Gremien", teilte die DFL mit - und ist damit auf der Linie des BMI.

Dieses ist strikt dagegen, jetzt schon einen Termin für die Wiederaufnahme der Saison zu nennen. Das geht aus einem Schreiben des parlamentarischen Staatssekretärs Stephan Mayer (CSU) an die Vorsitzende der Sportministerkonferenz, die Bremer Senatorin Anja Stahmann (Grüne), hervor. Im Nachbarland Niederlande beschloss die Regierung am Dienstag, dass wegen der unsicheren Corona-Lage bis zum 1. September kein Fußball gespielt wird - auch nicht mit Geisterspielen.

Die Möglichkeit von Partien ohne Zuschauer in Deutschland ab dem 9. Mai hatten Söder (CSU) und Laschet (CDU), die Landeschefs von Bayern und Nordrhein-Westfalen, am Montag im Live-Programm der "Bild" in Aussicht gestellt. Das BMI mahnt: Vor einer Entscheidung seien aber erst "die weiteren Entwicklungen der Pandemie in Deutschland" und die Konzepte der Fußball-Organisationen abzuwarten, hieß es in dem Schreiben vom Dienstag.

Den Empfehlungen der Task Force der DFL zufolge, über die das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Dienstag berichtete, sollen bei den Geisterspielen maximal 300 Personen aufgeteilt in drei Zonen anwesend sein. Die Experten gehen tief ins Detail und geben etliche Anweisungen für die Hygienemaßnahmen, darunter viel Grundlegendes in Zeiten der Pandemie: "Immer gilt: Nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten gründlich die Hände waschen oder desinfizieren."

Ein Konzept fordern auch viele Fans - allerdings nicht für eine möglichst schnelle Rückkehr zum Spielbetrieb. "Wir möchten nicht mehr über Symptome diskutieren, sondern endlich über die Krankheit und die Wege zur Gesundung des Fußballs sprechen", schrieb die Organisation "Unsere Kurve" in einer Stellungnahme. Der "neue Fußball" brauche Visionäre, um eine Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlicher Verantwortung herzustellen.

Der DFL und der Bundesliga droht damit nach den Protesten gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und die Kollektivstrafe die nächste Zerreißprobe - mitten in der Corona-Krise. "Vereine und Verbände sind herausgefordert, jetzt verbindliche Schritte zur Gesundung des Profifußballs einzuleiten und zu gehen", hieß es bei "Unsere Kurve". Das DFL-Präsidium schrieb daraufhin: "Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen. Diese Werte gilt es nach Überwindung der akuten Krise in konkrete Maßnahmen umzusetzen."

Die "Fanszenen Deutschland" mit ihren Ultras hatten sich bereits vergangene Woche eindringlich gegen Spiele ohne Zuschauer ausgesprochen und ebenfalls einen Kulturwandel gefordert: "Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne." Michael Gabriel, Chef der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), äußerte, dass die Verantwortung für die Einbindung der Fans "ganz klar" bei den Vereinen liege.

Darüber, dass ausgerechnet Profi-Fußballer zum Neustart des Spielbetriebs ständig auf das Coronavirus getestet werden müssen, wird seit Tagen aufgeregt diskutiert. Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, steht den geplanten Tests sehr skeptisch gegenüber. "Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen… routinemäßig gescreent werden sollen", sagte der Vertreter von Lothar Wieler auf der RKI-Pressekonferenz in Berlin.

Die DFL wiederum verwies auf die jüngsten Zahlen der "Akkreditierten Labore in der Medizin" (ALM). "Die Test-Kapazitäten sind in den vergangenen Wochen massiv gesteigert worden." Das derzeit diskutierte Konzept der Bundesliga erfordere weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität. "Hinzu kommt: Die bestehenden Kapazitäten werden laut ALM nicht ausgeschöpft", schrieb der Verband. "Völlig klar ist aber auch: Sollte es durch künftige Entwicklungen - z. B. eine zweite Corona-Infektionswelle - tatsächlich Engpässe geben, wird die DFL die Versorgung der Bevölkerung selbstverständlich nicht beeinträchtigen."

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