Die Fans stehen am Freitagmorgen vor den Toren des Albert Park und müssen später wieder die Heimreise antreten - der Formel-1-Auftakt in Melbourne wurde in letzter Sekunde abgesagt. FOTO: DPA
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Die Fans stehen am Freitagmorgen vor den Toren des Albert Park und müssen später wieder die Heimreise antreten - der Formel-1-Auftakt in Melbourne wurde in letzter Sekunde abgesagt. FOTO: DPA

System-Absturz

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Die Formel 1 wollte der Corona-Pandemie die Stirn bieten - und ist grandios gescheitert. Der Auftritt in Australien wurde zum Lehrstück darüber, was der Sport in einer Krise alles falsch machen kann.

Sebastian Vettel hatte den Ort der Schande längst verlassen. Der Deutsche saß schon im Flugzeug, als der Formel 1 ihr Saisonauftakt endgültig um die Ohren flog. Als aus diesem unglücklichen Auftritt am anderen Ende der Welt ein echtes Fiasko wurde.

Vor den Toren der Rennstrecke im Albert Park drängten sich die Fans zu Zehntausenden und hofften vergeblich auf Einlass, sie wussten nichts von der Absage des Großen Preises von Australien - denn die Königsklasse hatte diese noch gar nicht verkündet. Etwas später stand dann Formel-1-Boss Chase Carey etwas unbeholfen im Fahrerlager. Und versuchte zu erklären, wie das Coronavirus die Formel 1 derart ins Chaos gestürzt hatte.

"Es sind schwierige Zeiten gerade", sagte der Amerikaner mit dem markanten Schnauzbart, Der Wind peitschte über die Anlage, Carey war schwer zu verstehen, es passte ins Bild: "Wir hatten noch vor ein paar Tagen das Gefühl, dass es richtig ist, nach Australien zu kommen. Rückblickend kann man die Dinge sicher anders sehen."

Rückblickend hätte die Rennserie besser auf diesen Trip nach Down Under verzichtet. Während die größten Sportligen in aller Welt ihren Betrieb wegen der Corona-Pandemie einstellten, versuchte die Formel 1 zu lange an ihrem ersten Rennen des Jahres festzuhalten - es wurde zum PR-Debakel, ausgetragen auf dem Rücken der Fans.

Seit Mitte der Woche hatte es einige Verdachtsfälle im Fahrerlager gegeben, noch nichts Dramatisches, die Teams wollten äußerste Vorsicht walten lassen. Einer von insgesamt neun Getesteten war dann allerdings tatsächlich positiv, und das Unheil nahm am späten Donnerstagabend Ortszeit seinen Lauf.

Die Teams verfingen sich wie so oft in Diskussionen. Gemeinsam mit dem örtlichen Veranstalter und der Formel 1 wurde bis tief in die Nacht in einem Hotel beraten, wie es nun weitergehen könnte. Meldungen über eine Absage, die zu diesem Zeitpunkt schlichtweg falsch waren, wurden nach außen durchgesteckt.

Die kleinen Teams wollten ebenso wie Red Bull gerne antreten, die Werksteams um Mercedes und Ferrari rangen sich zur gegenteiligen Meinung durch, es gab kein Ergebnis. Ferrari-Pilot Vettel und sein Kumpel Kimi Räikkönen hatten genug, beide verließen Australien schon am frühen Freitagmorgen. Andere Teams kamen dagegen rennbereit in den Albert Park - es herrschte Ungewissheit.

"Wir sind aufgestanden, zur Strecke gefahren und wussten noch nicht, wo die Reise hingeht", sagte etwa Günther Steiner, Teamchef des Haas-Rennstalls. Erst nach weiteren Gesprächen und einem entsprechenden Rat der örtlichen Gesundheitsbehörde wurde das Rennen dann doch abgesagt.

Weiterhin unklar ist noch immer, was als nächstes passiert. Der zweite Grand Prix am kommenden Wochenende in Bahrain (22. März), bereits als Geisterrennen ohne Zuschauer geplant, wurde am Freitag abgesagt. Und auch das anschließende Rennen in Vietnam (5. April) ist inzwischen aus dem Rennkalender gestrichen worden.

Überhaupt könnte sich die Formel 1 am Freitag für eine ganze Weile verabschiedet haben. "Ich glaube, dass wir frühestens in Baku ein Rennen haben werden", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko. Das wäre am 7. Juni.

Und wirft man einen Blick auf den Kalender und die aktuelle Corona-Lage in Mitteleuropa, dann ergibt diese Einschätzung durchaus Sinn. Der vierte Lauf in China (ursprünglich 19. April) war ohnehin längst abgesagt, anschließend stehen die Rennen in Zandvoort/Niederlande (3. Mai), Barcelona (10. Mai) und Monaco (24. Mai) im Kalender.

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