Ein Moment zum Genießen: Münchens Javi Martinez (M.) wird nach seinem 2:1-Siegtreffer gegen den FC Sevilla von seinen Kollegen gefeiert. FOTO: AFP
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Ein Moment zum Genießen: Münchens Javi Martinez (M.) wird nach seinem 2:1-Siegtreffer gegen den FC Sevilla von seinen Kollegen gefeiert. FOTO: AFP

Super Abschiedsgeschenk

  • vonSID
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"Mr. Supercup" Javi Martinez dürfte Bayern München in Kürze verlassen - und die Not im schmalen Triple-Kader vergrößern. Hansi Flick erneuerte seinen Wunsch nach Verstärkungen.

Mr. Supercup" Javi Martinez hielt den silbernen Pokal in dieser "unvergesslichen Nacht" von Budapest stolz im Arm wie ein Vater sein Baby. Als der Matchwinner den viel zu dicht stehenden Fans sein ganz persönliches Abschiedsgeschenk präsentierte, klopfte er sich mit der Faust auf das Bayern-Wappen über seinem Herzen. "Mich so zu verabschieden, wäre unglaublich, ein Traum", sagte er später aufgewühlt.

Mit seinem Kopfballtor ins "Quadruple"-Glück beim emotionalen 2:1 (1:1, 1:1) n. V. gegen den FC Sevilla hat der Spanier der fulminanten Münchner Triple-Saison das Krönchen aufgesetzt. Und doch lag mehr als nur ein Hauch Wehmut über Martinez’ 14. Treffer (104.) für den FC Bayern. Sein 239. Pflichtspiel für den deutschen Rekordmeister könnte sein letztes nach acht Jahren mit 21 (!) Titeln gewesen sein.

"Ich weiß es nicht", sagte Martinez auf die Frage, ob nun alles ganz schnell gehen werde mit seiner erwarteten Rückkehr zu Athletic Bilbao. Die dortige Lokalzeitung "El Correo" feierte den 32-Jährigen nach seiner Heldentat als "Heiligen", den es zu "küssen" gelte. Auf dem Münchner Teamfoto bei einem Sponsorentermin am Montag hatte er gefehlt. Falls er doch zum Bundesligaspiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) mit nach Hoffenheim müsse, gelobte der treue Javi, werde er dies "mit derselben Begeisterung und demselben Eifer tun, wie ich es immer tat".

Wie in Wembley 2013, als der Defensivstratege die wankenden Bayern gegen Borussia Dortmund auf Triple-Kurs hielt. Oder beim Supercup im selben Jahr gegen den FC Chelsea (5:4 i. E.), als sein Last- Minute-Kopfballtor (120.+1) die Münchner ins Elfmeterschießen rettete. "Er hat dem Verein sehr viel gegeben, man kann ihm gar nicht genug danken", sagte Thomas Müller und verpasste Martinez den Beinamen "Mr. Supercup". Dass dieser "super Kollege und verrückte Vogel" den Sieg gebracht habe, sei "die Kirsche auf der Sahne". Hansi Flick sprach von einer "absolut schönen Geschichte". Auf Martinez, betonte der Erfolgscoach, könne er sich "immer verlassen. Wenn er gebraucht wird, ist er zu 100 Prozent da und gewinnt Spiele mit seiner Mentalität".

Allerdings wird der immer häufiger verletzte Abwehrrecke immer seltener gebraucht, die Bayern würden ihn deshalb für unter zehn Millionen Euro ziehen lassen. Ohne die Allzweckwaffe wäre der schmale Kader aber wohl endgültig zu dünn besetzt angesichts des "Hammerprogramms" der nächsten Monate, wie der herausragende Kapitän Manuel Neuer anmahnte. Flick betonte, er sei mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic "einer Meinung, dass wir noch das eine oder andere an Qualität brauchen". Müller schloss sich an, ergänzte aber im Sinne des "Mia san mia"- Mottos: Sollte niemand mehr kommen, "lassen wir uns davon auch nicht aufhalten".

Ob es Hoffenheim daran hindert, den Bayern einen Zacken aus dem Krönchen zu brechen? Rechtsverteidiger Sergino Dest (19/Ajax Amsterdam), den Flick ebenso wie einen Mittelfeldspieler und einen Offensiven gerne hätte, wird dann jedenfalls nicht dabei sein. Dafür aber 6030 Zuschauer - sehr zur Freude der Bayern. Die waren nach dem umstrittenen "Pilotprojekt" in Ungarn geradezu beseelt von der Fanrückkehr.

Es sei "ein herrliches Gefühl" gewesen, den vierten Titel "wieder mit unseren Fans zu feiern", meinte Karl-Heinz Rummenigge in der Nacht auf seinen 65. Geburtstag beglückt. Der Bayern-Boss bedankte sich beim UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin für die "professionelle Durchführung" des Risikospiels vor 15 180 Zuschauern. Dass der Münchner Anhang sich am Ende jubelnd in den Armen lag und die Abstandsregeln ignorierte, übersah der Ceferin-Freund geflissentlich.

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