Suche nach Sturm 2.0

  • schließen

Christian Ehrhoff steht nicht als Nachfolger des scheidenden Bundestrainers Marco Sturm zur Verfügung. Die Spieler wünschen sich einen Coach, der den eingeschlagenen Weg fortsetzt.

Franz Reindl saß auf der Tribüne neben Christian Ehrhoff und sprach angeregt mit dem Olympia-Helden. Doch was immer der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auch sagte – der Silbermedaillengewinner und Fahnenträger von Pyeongchang wird nicht die Nachfolge des scheidenden Bundestrainers Marco Sturm antreten. "Das ist für mich jetzt kein Thema", sagte der langjährige NHL-Profi nach der 3:4-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft beim Deutschland Cup in Krefeld gegen Russland: "Ich bin in einer Auszeit vom Eishockey – und da möchte ich auch bleiben."

Ehrhoff, der im April seine Karriere beendet hatte, wäre das "Aushängeschild" gewesen, das sich Reindl nach dem plötzlichen Abschied des Erfolgstrainers Sturm gewünscht hätte. Doch der 36-Jährige fühlt sich nach 18 Jahren Profi-Eishockey, davon 13 in Nordamerika, noch nicht bereit für einen Wiedereinstieg. Auch wenn er den Bundestrainer-Job "schon sehr reizvoll" findet.

Die Ansprüche an den neuen Chef sind hoch, nachdem Sturm in nur drei Jahren mit einem beispiellosen Zusammengehörigkeitsgefühl für den sensationellen Olympia-Erfolg und damit für neue Popularität einer darbenden Sportart gesorgt hatte. "Mir würde jetzt gar keiner einfallen", antwortete Kapitän Marcus Kink schulterzuckend auf die Frage nach seinem Wunschkandidaten.

Die Suche nach dem Neuen ist schwierig, zumal er möglichst nahtlos die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen soll. "Marco hat uns gezeigt, wie es funktioniert, er hat ein Gerüst aufgebaut, das sollte auch stehen", meinte Kink. Das Anforderungsprofil, so skizzierten es die Spieler, sollte dementsprechend sein – quasi Sturm 2.0. "Er hat einen guten Sinn für Eishockey und ein Gespür für die Leute", charakterisierte Stürmer Frank Mauer den scheidenden Trainer, der mit dem DEB-Team am Samstag (13.30 Uhr/Sport1) gegen die Schweiz in sein vorletztes Spiel geht, "er bringt es gut rüber, sodass wir es verinnerlichen und alle am selben Strang ziehen. Er hat eine riesengroße Ausstrahlung." Sein Nachfolger sollte jemand sein, "der es fortführen kann".

Da widersprach auch Ehrhoff nicht. "Ich würde mich freuen, wenn es jemand ist, der Marcos Weg weiter geht", sagte er, "die positive Entwicklung ist da." Der DEB, riet er den Verantwortlichen, "muss sich mit der Entscheidung Zeit lassen und gut darüber nachdenken".

Auch Kink erwartet keinen "Schnellschuss". Reindl selbst hatte vor dem letzten Turnier mit Sturm erklärt, dass man sich "genügend Zeit geben" werde. Beim Deutschland Cup laufen hinter den Kulissen die Gespräche, auch mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) müssen sich Reindl und DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel absprechen. Das DEL-Kompetenzteam mit den Managern Christian Winkler (München), Karl-Heinz Fliegauf (Wolfsburg) und Jürgen Rumrich (Schwenningen) redet ein gewichtiges Wort mit.

Auch mit Ehrhoff will sich Reindl noch einmal ausführlich austauschen, bestätigte der ehemalige NHL-Verteidiger. Möglicherweise wird dann über eine Aufgabenteilung geredet: mit dem Olympia-Helden als "General Manager" und einem Trainer aus der DEL. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagte Ehrhoff, meinte aber, ein solches Modell könnte grundsätzlich "schon funktionieren".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare