Sturm geht, wer kommt?

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Der Wechsel von Bundestrainer Marco Sturm zu den Los Angeles Kings in die NHL stellt Verbandspräsident Franz Reindl vor eine Heraus forderung. Er muss möglichst einen Nachfolger mit ähnlicher Reputation finden.

Die unerwartete Hiobsbotschaft wirkte am Montag noch nach. "Es hat uns total überrascht", sagte DEB-Präsident Franz Reindl im Gespräch mit dem SID über den plötzlichen Abschied von Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm (Foto). Nach dem Deutschland Cup am kommenden Wochenende folgt der 40-Jährige dem unwiderstehlichen Lockruf der NHL. Statt dem Silber-Coup von Pyeongchang weitere Großtaten hinzuzufügen, geht Sturm als Assistenzcoach zu den Los Angeles Kings – und bringt den DEB in die Bredouille.

Reindl war deshalb am Montagvormittag auch relativ kurz angebunden, beim Verband herrschte praktisch über Nacht große Betriebsamkeit. "Viel Zeit habe ich nicht", sagte der 63-Jährige, der im Verbund mit Sportdirektor Stefan Schaidnagel und dem DEB-Präsidium nun einen Nachfolger finden muss, der das deutsche Eishockey auf Kurs hält.

"Natürlich" habe man sich noch keine Gedanken über die zukünftige Lösung machen können, merkte Reindl an. Denn obwohl Sturm immer wieder mit der Rückkehr in die NHL kokettierte – als Profi kam er dort auf über 1000 Einsätze –, so schnell hatte diesen Wechsel bei einem noch bis 2022 laufenden Vertrag keiner erwartet.

Am vergangenen Freitag, schilderte Reindl, sei die Anfrage eingegangen. Am Samstag habe er mit Sturm dann beim Sportpresseball in Frankfurt gesprochen, am Sonntagnachmittag mit den LA Kings. "Es ist eine Riesenchance für ihn", sagte Reindl verständnisvoll. Sturm wird sich am Mittwoch ausführlich äußern und dann beim Vierländerturnier in Krefeld (8. bis 11. November) letztmals beim Nationalteam an der Bande stehen.

Der DEB will sich bei der Suche nach einem Nachfolger nicht unter Zeitdruck setzen lassen. "Wir wollen uns ganz in Ruhe Gedanken machen", sagte Reindl, der Posten sei schließlich "extrem wichtig". Zunächst wolle er "die letzten Spiele mit Marco genießen, und ich hoffe, dass das noch einmal ein Superturnier wird", ergänzte Reindl. Gleichwohl soll am Wochenende bereits in den führenden Gremien über die Zukunft diskutiert werden.

Sturm hat sich große Verdienste erworben, seit er 2015 als Trainer-Nobody zum Nationalcoach berufen wurde. Der 40-Jährige führte die DEB-Auswahl zurück in die erweiterte Weltspitze, 2016 und 2017 erreichte das Team das WM-Viertelfinale. Alles übertraf jedoch das Wunder von Pyeongchang, als im olympischen Eishockey-Finale gegen Russland nur 55 Sekunden zur Goldmedaille fehlten. Zuvor hatte Sturm im Halbfinale seinen künftigen Kings-Chef Willie Desjardins ausgeschaltet, der in Südkorea die Kanadier betreute.

Die Messlatte liegt hoch für einen Nachfolger, auch weil der Verband enorm von den guten Kontakten Sturms nach Nordamerika und seiner generellen öffentlichen Wirkung profitierte. Die kommende WM im Mai 2019 in der Slowakei wird eine harte Prüfung.

Könnten also der im Frühjahr zurückgetretene Christian Ehrhoff oder Jochen Hecht, die beide über eine ähnliche NHL-Vita verfügen, eine Option sein? Oder wird eher nach einem erfahrenen Coach gefahndet? In jedem Fall, so hört man aus dem DEB-Umfeld, wird eine deutsche Lösung bevorzugt. "Ich will nicht vorgreifen. Es gibt viele Fragen, dann kommen die Namen, es wird sich alles entwickeln", sagte Reindl. (Foto: dpa)

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