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Felix Streng (l.) vom Sprintteam Wetzlar unterwegs zu Gold über 100 m, Sherman Isidro Guity aus Costa Rica gewinnt Silber, Johannes Floors (r.) steuert noch Bronze für das Team D Paralympics bei.

Streng sprintet über 100 m zu Gold

(sid). Felix Streng fiel seinem Rivalen Johannes Floors in die Arme, dann ließ er sich mit Deutschland-Fahne um den Hals feiern: Der 26-Jährige krönte mit seinem furiosen Lauf zu Gold zehn magische Minuten im Glutkessel Olympiastadion. Denn auch Floors und Leon Schäfer lieferten mit jeweils Bronze ab - damit ließen die Prothesensprinter der kurz zuvor getätigten Kampfansage ihres Präsidenten Friedhelm Julius Beucher beeindruckende Taten folgen.

»Wir stehen jetzt davor, richtig zuzuschlagen, nachdem die ersten Goldraketen gezündet haben. Wir schauen erwartungsvoll nach vorne«, sagte der Chef des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) bei einer ersten Bilanz-Pressekonferenz. Dass es bis Sonntag für das Team D Paralympics nur zehn Medaillen gegeben hatte, sahen sowohl Beucher als auch Chef de Mission Karl Quade gelassen.

»Wir wussten, dass wir in den ersten Tagen nicht die Welt einreißen und nicht auf breiter Front dabei sein würden«, sagte Quade. »Abwarten und ruhig bleiben«, laute seine Devise: »Wir sind nicht aus dem Geschäft. Wir kommen noch.«

Voll im Geschäft waren bereits Streng vom Sprintteam Wetzlar und Floors - sie holten in der Startklasse T64 über 100 m gleich zwei Medaillen nach Deutschland. »Ich bin so happy, dass ich das nach dem Jahr geschafft habe mit den großen Entscheidungen und den großen Veränderungen. Jetzt habe ich gezeigt, dass sich dieser Mut ausgezahlt hat«, sagte Streng.

Der Sprinter verließ im vergangenen Jahr mit argen Nebengeräuschen seine Trainingsgruppe in Leverkusen, wagte den Wechsel nach London - eine goldene Entscheidung. »Das hat ein richtiges Feuer in mir geweckt«, schwärmte er. Auch wenn Streng in Leverkusen »verbrannte Erde« hinterlassen habe, war Floors alles andere als missgünstig. »Ich verstehe mich immer noch sehr gut mit ihm. Wir gönnen uns jeden Erfolg«, sagte der 26-Jährige. Er selbst sei mit Bronze über seine Nebenstrecke ohnehin »richtig zufrieden«. Streng siegte bei über 30 Grad in 10,76 Sekunden, Floors kam im Herzschlagfinale mit 10,79 Sekunden auf Rang drei.

Leon Schäfer gewann zehn Minuten zuvor nach Silber in seiner Paradedisziplin Weitsprung über 100 m in der Startklasse T63 Bronze. Bereits am Morgen trug Niko Kappel seinen Teil zum erfolgreichen deutschen Tag bei. Der Champion von Rio holte trotz einer von Verletzungen geprägten Saison mit 13,30 m Kugelstoßen-Bronze. Er brauche zur Feier des Tages »auf jeden Fall ein Bier«, sagte Kappel.

Das brauchten wohl auch die deutschen Goalballer - und zwar zur Frustbewältigung. Denn die legten auf ihrer selbst ausgerufenen »Mission Gold« eine Vollbremsung hin und scheiterten nach einem 3:8 gegen China bereits in der Vorrunde. »Das ist bitter, die Jungs weinen zu sehen. Da ist ein Traum geplatzt«, sagte Trainer Johannes Günther. »Da ist nur Leere«, ergänzte Spieler Reno Tiede.

Während auch die Sitzvolleyballer nach einer 1:3-Niederlage gegen China kurz vor dem Aus stehen, erreichten zumindest die Rollstuhlbasketballer durch ein 56:53 (29:25) gegen den WM-Vierten Iran auf den letzten Drücker das Viertelfinale. Die fünfte deutsche Medaille des Tages holte Regine Mispelkamp in der Dressur. Die 50-Jährige kam auf Highlander Delights mit 76,820 Punkten überraschend auf den dritten Platz.

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