Die Stadien sind verschlossen. Wann hier wieder Fußballspiele stattfinden und wann wieder Zuschauer auf die Tribünen dürfen, ist völlig offen. FOTO: DPA
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Die Stadien sind verschlossen. Wann hier wieder Fußballspiele stattfinden und wann wieder Zuschauer auf die Tribünen dürfen, ist völlig offen. FOTO: DPA

In den Startlöchern

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Die Corona-Zwangspause im deutschen Profi-Fußball dauert an. Wann es weitergeht, muss nun die Politik entscheiden. Drohende Pleiten einiger Klubs sind vorerst abgewendet.

Christian Seifert zog erst die Augenbrauen hoch, dann legte der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) Nachdruck in seine Stimme. "Wir werden auf einem Spielfeld nicht 1,5 Meter Abstand halten können. Dennoch wollen wir das bestmögliche Maß an Sicherheit gewährleisten", sagte Seifert am Donnerstag bei der Vorlage des umstrittenen Plans zum Saison-Neustart inmitten der Corona-Pandemie: "Wenn man dieses Konzept ablehnt, dann ist klar, dass man wahrscheinlich auch in einigen Monaten nicht spielen kann. Dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Corona-Krise."

Rechteinhaber zahlen im Mai

Obwohl Seifert dieses düstere Bild bei einer Entscheidung der Politik gegen die anvisierten Geisterspiele malte, konnte der 50-Jährige nach der virtuellen Krisensitzung der 36 Klubchefs auch positive Nachrichten verbreiten: Die Vereine wären für einen Neustart am 9. Mai bereit - und die finanziell angeschlagene Klubs sind nicht mehr akut von der Pleite bedroht, da alle Rechteinhaber bis auf einen die Mediengelder im Mai überweisen werden. "Die Liquidität der Klubs ist bis zum 30. Juni gesichert. Wenn die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann, wird es um Rückzahlungen gehen. Dann wird es wirtschaftliche Engpässe möglicherweise später geben", äußerte Seifert: "Ob es Abschläge gibt, hängt davon ab, wie die Saison zu Ende gespielt werden kann und ob es Effekte auf die Wertigkeit gibt."

Klar sei, dass ein Neustart nur mit Geisterspielen geschehen könne und Partien ohne Zuschauer derzeit die einzige Möglichkeit seien, "die Bundesliga, wie wir sie kennen, am Leben zu erhalten". Es sei durchaus denkbar, dass diese Einschränkung bis zum Ende des Jahres oder sogar darüber hinaus gelten könnte. Die Vereine seien daher aufgefordert worden, die Hinrunde der kommenden Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen.

Keine Limitierung der Testkapazitäten

Den Klubs bleibt im Kampf um die Existenz auch an entscheidender Stelle nur die Rolle des Bittstellers, die Weichen werden wohl am Donnerstag kommender Woche in Berlin gestellt. Ob sich die Befürworter oder die Gegner einer Fußball-Sonderrolle durchsetzen, erscheint vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs offen. "Entscheidend ist, was die politisch Verantwortlichen beschließen. Wenn wir ein Datum zum Neustart nennen würden, wäre das anmaßend", sagte Seifert, der fast schon staatstragend die untergeordnete Rolle des Fußballs betonte: "Wenn wir den Spielbetrieb wiederaufnehmen dürfen, werden wir uns von Tag zu Tag neu prüfen. Falls sich die Lage wieder verschlechtern sollte, wird der Profifußball selbstverständlich zurückstehen. Die nationale Gesundheit hat immer Vorrang. Wenn nötig, werden wir aufhören zu testen und zu spielen." Die DFL geht aber davon aus, dass es durch den Spielbetrieb und die wohl benötigten 20 000 Test keine Einschränkung oder Limitierung der allgemeinen Kapazitäten geben wird. "Wir haben hier eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen mit insgesamt fünf Laborverbänden", sagte Seifert. "Alle Labore haben uns schriftlich versichert, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten.

7,5 Millionen für 3. Liga und Frauen

Bei seinen Plänen kann der Profi-Fußball, der als Zeichen der Solidarität 7,5 Millionen Euro an die 3. Liga und die Frauen-Bundesliga auszahlt, auf das Wohlwollen zahlreicher Ministerpräsidenten und des Gesundheitsministers Jens Spahn bauen.

Auf der anderen Seite ist auch die Liste der Bedenkenträger lang. So steht hinter der Unterstützung durch das Robert-Koch-Institut ein Fragezeichen, zahlreiche Gesundheitsexperten sind skeptisch, verschiedene Interessengruppen sehen ein gesellschaftliches Konfliktpotenzial.

Um die Zweifel zu beseitigen, hat sich die DFL-Taskforce unter Leitung von Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer mächtig ins Zeug gelegt. Auf 41 Seiten wurde das Prozedere zur Saison-Fortsetzung geregelt. Maximal circa 300 Menschen auf dem Stadiongelände, Einteilung in Zonen, Fragebögen zur Risikominimierung - all diese Vorschriften sind enthalten.

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