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Starker Keeper Heinevetter Gabius setzt alles auf eine Karte Nach Sieg in Sölden tanzt Rebensburg im Dirndl

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Im zweiten Anlauf ist das Comeback doch gelungen. Beim Frankfurt-Marathon rannte Arne Gabius auf Platz sechs, verpasste aber in 2:09:59 Stunden seinen deutschen Rekord.

Im neuen Outfit haben sich Deutschlands Handballer auch sportlich von ihrer besten Seite gezeigt und das Jubiläum "100 Jahre Handball" mit einem starken Länderspiel-Auftritt gegen Spanien gekrönt. Der Europameister feierte am Sonntag in Berlin einen 28:24 (16:9)-Sieg und nahm damit erfolgreich Revanche für die 24:26-Niederlage am Vortag. Aus einem starken Team stachen der überragende Torwart Silvio Heinevetter und der treffsichere Kapitän Uwe Gensheimer (8 Tore) noch heraus.

"Wir hatten einiges besser zu machen als im ersten Spiel. Das haben wir vor allem in der ersten Halbzeit gezeigt. Da haben wir in der Deckung sehr variabel gespielt und sind endlich auch ins Tempospiel gekommen", lobte Bundestrainer Christian Prokop.

Während draußen Sturm "Herwart" tobte, fegten die Bad Boys in der ersten Hälfte förmlich über den Vize-Europameister hinweg. Vom Start weg machten die Hausherren klar, dass sie sich von den Spaniern nicht noch einmal wie am Samstag in Magdeburg überrumpeln lassen wollten. Dank einer aggressiven Abwehr und eines prächtig aufgelegten Keepers Silvio Heinevetter, der insgesamt 16 Bälle parierte, erarbeitete sich der Europameister beim 8:4 (14.) erstmals einen Vier-Tore-Vorsprung.

Anders als am Vortag agierten die Bad Boys auch im Angriff zielstrebiger. Selbst als Prokop nach gut 20 Minuten das komplette Rückraum-Trio auswechselte, kam kein Bruch ins Spiel. Auch die offensive 5:1-Deckung, zu der die Spanier gegen Ende der ersten Halbzeit übergingen, stellte die Hausherren dieses Mal nicht vor größere Probleme.

Erst eine Schwächephase nach der Pause, als der deutschen Mannschaft sieben Minuten lang kein Tor gelang, ließ die Iberer auf vier Treffer (12:16) herankommen. Die Prokop-Truppe straffte sich danach zwar wieder, vergab nun aber zu viele Chancen. In dieser Phase war es einzig Heinevetter zu verdanken, dass der Vorsprung nicht verspielt wurde.

In der Schlussphase zogen die Gastgeber noch einmal an und ließen sich auch durch eine Rote Karte für Kreisläufer Jannik Kohlbacher (48., HSG Wetzlar) nicht beirren. Hendrik Pekeler (5) und der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig Philipp Weber (3) sorgten für den nötigen Druck im Angriff. Erst in den letzten drei Minuten ließ der Europameister die Zügel im Gefühl des sicheren Sieges wieder schleifen.

"Wir haben sehr viele junge, gute Spieler an Bord", stellte Kapitän Gensheimer knapp elf Wochen vor dem EM-Auftakt gegen Montenegro zufrieden fest. Und auch Prokop zog eine positive Bilanz: "Die Woche war sehr aufschlussreich. Ich hoffe, dass ich bei der Kader-Nominierung ein gutes Händchen habe."

Am Samstag hatte die DHB-Auswahl die erste Kraftprobe trotz eines starken Andreas Wolff im Tor noch verpatzt. "Wir wollten natürlich gewinnen. Aber wir haben einfach nicht die Topleistung gebracht, die es gegen Spanien braucht", sagte Prokop danach. Und Gensheimer stellte enttäuscht fest: "Wir haben es überraschenderweise nicht geschafft, Lösungen zu finden. Das können wir eigentlich viel besser." Den Beweis erbrachte der Europameister 24 Stunden später.

Völlig ausgepumpt umklammerte Arne Gabius nach dem Zieleinlauf um Halt suchend Renndirektor Joe Schindler. "Ich wollte unter 2:10 Stunden finishen und habe am Ende alles auf eine Karte gesetzt", sagte der 36-jährige Wahl-Stuttgarter am Sonntag erschöpft nach dem starken sechsten Platz in 2:09:59 Stunden beim Frankfurt-Marathon.

Dass er seinen vor zwei Jahren am Main aufgestellten deutschen Rekord (2:08:33 Stunden) verpasste, war angesichts seiner Leidensgeschichte zur Nebensache. "Ich bin überglücklich", freute sich Gabius über sein starkes Comeback im zweiten Anlauf. Für einen Überraschungssieg sorgte Shura Tola aus Äthiopien in 2:05:50 Stunden vor seinen Landsleuten Kelkile Woldaregay (2:06:56) und Getu Feleke (2:07:46).

Lauf-Profi Gabius musste wegen einer Schambeinentzündung seinen Start bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro absagen und konnte erst zu Beginn des Jahres wieder das Training aufnehmen. Bei seinem Comeback im April in Hannover hatte er bei Kilometer 30 aufgeben müssen. Allerdings lief auch danach nicht alles nach Plan. Während eines Trainingslager im August in St. Moritz traten wieder Schmerzen am Schambein auf. "Da war ich am Boden zerstört und dachte, das Jahr ist gelaufen", berichtete Gabius. Doch binnen einer Woche war er dank Intensivbehandlung wieder fit. Um keinen Rückfall zu erleben, stellte er seine Ernährung radikal um und trank vor allem viel Tee. "Anis-, Kamille-, Kümmel- und auch Babytee für einen besseren Schlaf habe ich getrunken", sagte Gabius.

Und es half in Frankfurt prima. Nach der Halbmarathon-Distanz lag er in 1:03:49 Stunden noch auf Rekordkurs, obwohl zwei seiner Tempomacher schon bei neun Kilometer ausgestiegen waren, er mit teilweise kräftigem Wind und nachlassender Kraft zu kämpfen hatte. Kein Wunder: Schließlich hatte die Geburt seines Sohnes Frederik Bosse am vergangenen Donnerstag einige Stunden Schlaf gekostet.

Auf den letzten fünf Kilometern fing er sich jedoch wieder, konnte den Vorjahreszweiten Mark Korir (Kenia/10.) und in einem beherzten Duell auch den Polen Hendryk Szost hinter sich lassen. Nebenbei sicherte sich Gabius den deutschen Meistertitel und blieb unter der Norm für die Europameisterschaften 2018 in Berlin, wo er aber nicht im Marathon an den Start gehen wird. Stattdessen will er über 10 000 Meter antreten: "25 Runden im Olympiastadion – das ist auch super."

Bei den Frauen trumpfte Lokalmatadorin Katharina Heinig stark auf. Die Läuferin der LG Eintracht Frankfurt wurde als Achte beste Europäerin – und deutsche Meisterin. In 2:29:29 Stunden knackte auch sie die EM-Norm. "Das war ein Hammer-Renner. Es lief perfekt", sagte die 28-Jährige. "Nach hinten raus war es hart, da der Wind zeitweise so stark war, dass man fast aus der Gruppe rausgeweht wurde."

Die Vorjahreszweite Fate Tola (Braunschweig) musste sich mit Rang neun und 2:30:12 Stunden begnügen. Den Sieg sicherte sich die kenianische 5000-Meter-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot in 2:23:35 Stunden. Zweite wurde Yebrgual Arage aus Äthiopien in 2:24:30 Stunden vor Meskerem Wondimagegn (Äthiopien/2:24:38).

Polka tanzen im Dirndl – nach dem Auftaktsieg im Olympia-Winter war Viktoria Rebensburg bei der Siegerehrung für jeden Spaß zu haben. Unmittelbar nach ihrem ersten Platz im Riesenslalom von Sölden und einem ersten starken Fingerzeig für die Saison hatte Deutschlands beste Skirennfahrerin noch offen gelassen, ob sie am Abend tatsächlich wie abgemacht in Tracht erscheinen würde. Umso größer war der Jubel hunderter Fans, als die 28-Jährige in Dirndl und Team-Jacke auf das Podium stieg – und wenig später sogar noch mit dem Südtiroler Florian Eisath zur Polka tanzte.

"Das Dirndl hat auf Anhieb gepasst, und ich habe es gerne getragen", sagte Rebensburg zu dem geliehenen Kleid. Schon im Zielraum hatte sie am Samstag ausgelassen gefeiert und nach kurzen Schwierigkeiten beim Öffnen der Flasche ihre Betreuer lachend mit Sekt geduscht. "Es ist immer schön, ganz oben zu stehen. Das ist das I-Tüpfelchen, was ganz Spezielles. Das Gefühl, das man da mitnimmt, ist was Besonderes."

"Sie hat sich jetzt die Lorbeeren für ihre Vorbereitungszeit geholt", sagte Alpinchef Wolfgang Maier. Weitere Erfolge konnte er durch das abgesagte Herren-Rennen am Sonntag nicht bejubeln. Ein Sturm verhinderte den Start von Felix Neureuther und Co. Bei Rebensburg aber konnte Maier die Fortschritte des Sommers begutachten.

Für die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2010 war vor dem Start klar, dass der Wettkampf ein Gradmesser sein würde. Ob sich die Analysen, Veränderungen und Anstrengungen nach der durchwachsenen WM-Saison bezahlt gemacht haben. Und ob sie in den kommenden Monaten eine Chance hat, Rennen zu gewinnen, Punkte zu sammeln, bei Olympia um Medaillen und am Saisonende auch um Kristallkugeln fahren zu können.

Dennoch: Gleich im ersten Wettkampf des Olympia-Winters bezwang Rebensburg die beste Fahrerin der vergangenen Saison und qualifizierte sich souverän für die Winterspiele. Der Französin Tessa Worley, Weltmeisterin von St. Moritz und Gewinnerin der Riesenslalom-Kugel, fehlten als Zweite am Ende 0,14 Sekunden. Manuela Mölgg aus Südtirol rutschte als Führende nach dem ersten Lauf noch auf Platz drei.

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