Juri Schewzow. FOTO: DPA
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Juri Schewzow. FOTO: DPA

Der Star ist der Trainer

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(sid). Uwe Gensheimer musste grinsen, als die Sprache auf Juri Schewzow kam. Auch nach über zehn Jahren hat der Kapitän der deutschen Handballer die harte Lehrzeit unter dem weißrussischen Trainerfuchs nicht vergessen. "Er probiert immer, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen - und da gibt es auch mal den einen oder anderen Anschiss", sagte Gensheimer am Mittwoch.

Von 2005 bis 2008 coachte Schewzow die Rhein-Neckar Löwen - und formte dabei auch einen jungen Linksaußen namens Gensheimer zum gestandenen Bundesligaprofi und Nationalspieler: "Ich habe da als junger Spieler viel gelernt und auch einiges abbekommen", sagte Gensheimer: "Juri war einer meiner ersten großen Trainer, als ich mit 18 Jahren in die erste Mannschaft kam. Er hat mich immer stark gefordert hat, war aber auch ein großer Förderer."

Seit 2009 fördert und fordert Schewzow die Handballer seines Heimatlandes als Nationaltrainer. Und musste dort im Gegensatz zu seiner Zeit in der Bundesliga als gefeierter Meistercoach in Lemgo (1996 bis 2001), Europapokalsieger in Essen (2001 bis 2005) und bei den Rhein-Neckar Löwen fast bei Null anfangen.

"Als ich gekommen bin, da war alles auf dem Boden", sagte er im Interview dem "Mannheimer Morgen": "Es gab praktisch keine Nationalmannschaft, wir haben alles mit jungen Leuten aufgebaut und viel in die Jugend investiert."

Das Investment hat sich gelohnt, Schewzows Wirken trägt Früchte. Nach Rang zwölf 2014 und zwei zehnten Plätzen bei den letzten beiden Europameisterschaften qualifizierte sich das frühere Handball-Entwicklungsland nun schon zum vierten Mal hintereinander für die Hauptrunde. Dem weißrussischen Team mit ihrem legendären Trainer winkt nach Vorrundensiegen gegen Serbien (35:30) und Montenegro (36:27) die beste Platzierung seiner EM-Geschichte. Am heutigen Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) geht es nun gegen Deutschland. "Es ist eine sehr gute Mannschaft", sagte Bundestrainer Christian Prokop: "Vielleicht vom Namen her wieder nicht das Auffälligste, aber eine Mannschaft gespickt von Spielern, die Champions League spielen." Vor allem beim Spitzenverein Brest, der regelmäßig in der Königsklasse aufläuft.

"Manchmal denke ich mir, ich würde jetzt gerne die Nationalmannschaft übernehmen und nicht in einer Situation wie damals, als ich sieben oder acht Spieler hatte", sagt Schewzow und stellt fest: "Wir haben die beste Mannschaft seit 15 oder 20 Jahren." Dies sei das Ergebnis "langer und intensiver Arbeit" - eine Arbeit, die sich auch gegen das deutsche Team auszahlen soll.

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