Noch hat Frank Stäbler den Traum von der Olympia-Medaille - trotz Verschiebung - nicht aufgegeben. Einen privaten Wunsch erfüllt er sich mit dem Hausbau ohnehin gerade. DPA
+
Noch hat Frank Stäbler den Traum von der Olympia-Medaille - trotz Verschiebung - nicht aufgegeben. Einen privaten Wunsch erfüllt er sich mit dem Hausbau ohnehin gerade. DPA

Stäbler und die Lebensträume

  • vonSID
    schließen

(sid). Zu Wochenbeginn rollte der Bagger, und die Arbeiter rückten an. Den widrigen Umständen zum Trotz hat Frank Stäbler mit dem Projekt begonnen, das einem Schwaben nun einmal im Blut liegt. Der "Häuslebau" in seiner Heimat Musberg, einem Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, ging los. "Angesichts dessen, was gerade in der Welt passiert, ist der Baubeginn schon irgendwie paradox. Aber es war schon lange geplant", sagte der dreimalige Ringer-Weltmeister.

Derzeit wohnt Stäbler mit seiner Ehefrau Sandra und dem knapp zwei Jahre alten Töchterchen Alia noch im ersten Stock seines Elternhauses. Um den Familienanschluss nicht zu verlieren, entsteht das neue Heim in nur 30 Metern Entfernung zur bisherigen Bleibe. Während die private Zukunft Stäblers also gerade in ein festes Fundament gegossen wird, stehen die sportlichen Pläne des 30-Jährigen als Folge der Corona-Pandemie auf tönernen Füßen - hinter dem Traum von der Olympiamedaille zum Ende der aktiven Laufbahn steht ein großes Fragezeichen.

Eigentlich wollte der deutsche Vorzeige-Ringer in Tokio seinen Frieden mit Olympia machen. Nachdem Stäbler zu Beginn seiner internationalen Karriere den Kampf um Bronze in London 2012 unglücklich verloren hatte, erlitt er vier Jahre später im Vorfeld der Spiele von Rio einen Syndesmoseriss. Mehr als ein siebter Platz sprang für den eigentlichen Topfavoriten auf Gold deshalb nicht raus.

Für Tokio war der Podestplatz, am besten der ganz oben, fest eingeplant. Darauf hat Stäbler in den vergangenen Jahren sein ganzes Leben ausgerichtet. Der ungefährdete Triumph bei den zurückliegenden Europameisterschaften im Februar ohne große Vorbereitung, quasi aus dem Training heraus, legten den Schluss nahe, dass der Griechisch-Römisch-Spezialist auf dem richtigen Weg ist. Doch die Verschiebung der Spiele durchkreuzt nun Frank Stäblers Pläne. "Mein Olympia-Traum ist verschoben - nicht geplatzt", schrieb der 30-Jährige am Dienstag in den sozialen Netzwerken.

Neue Quali wäre das Karriere-Aus

Sollten die Spiele tatsächlich "nur" ein Jahr später stattfinden und ihm eine erneute Qualifikation erspart bleiben, will Stäbler weitermachen. Bei einer erneuten Verschiebung oder der Ansetzung einer neuen Qualifikation wird der gebürtige Böblinger seine aktive Laufbahn vorzeitig beenden. "Das macht mein Körper nicht mehr mit", sagte der 75 kg schwere Stäbler mit Blick auf die enorme Belastung durch die Diät. Für den Start in der olympischen Klasse in Tokio wollte er ein letztes Mal auf 67 kg "abkochen".

Vor der Entscheidung über die Austragung wollte Stäbler "so tun, als ob Olympia ganz normal" stattfindet. Dafür bietet sein "World Camp" im umgebauten Hühnerstall des elterlichen Bauernhofs geradezu optimale Bedingungen. "Durch mein Trainingscamp zu Hause und meinen langjährigen iranischen Trainingspartner Mohammad Papi, der selbst auf Weltklasse-Niveau ringt, habe ich so gut wie keine Einschränkungen", sagte Stäbler: "Damit bin ich einer der wenigen deutschen Athleten. Um das Ansteckungsrisiko trotz Vollkontakt zu minimieren, sind Mohammad und ich nur noch zu Hause und beim Training."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare