Stadtduell ohne große Emotionen

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(sid). Es hätte so ein schöner Abend werden können, aber nur in einer Parallelwelt ohne das Virus. So hocken am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) beim Hauptstadt-Derby zwischen Hertha BSC und Union Berlin die rund 74 000 Menschen, die das Olympiastadion in Rot und Blau getaucht hätten, auf dem Sofa. Die Emotionalität geht dem normalerweise elektrisierenden Duell völlig ab. Vor allem bei den Fans der derzeit schier unbesiegbaren Unioner dürfte die Wehmut groß sein, denn selten war die Chance größer, den Erzrivalen so richtig zu ärgern. Da wären sie sicher gerne dabei.

Urs Fischer, der Trainer der Köpenicker, steuerte dem Verdruss entgegen. "Der Wert bleibt gleich. Egal, ob Zuschauer dabei sind oder nicht", sagte der Schweizer: "Es ist ein Derby - da geht es um Emotionen und eine gesunde Rivalität." So richtig überträgt sich die Derby-Stimmung aber nicht auf die Stadt. Und auch den Spielern fehlt etwas. "Normalerweise läufst du in einen Kessel ein, wo 74 000 Leute richtig Alarm machen, und du bekommst eine Gänsehaut", sagte Unions Vereinsikone Torsten Mattuschka der "Berliner Zeitung": "Jetzt aber siehst du nur leere Sitze." Um trotzdem etwas Derby-Atmosphäre zu beschwören, verteilte Hertha unter der Woche gar rund 60 000 Vereinsflaggen in der Stadt. Die Fahnen in Köpenick landeten teilweise im Müll.

"Drei Punkte sind immer wichtig. Und wenn sie im Derby geholt werden, doppelt süß", sagte Hertha-Coach Bruno Labbadia. Für Hertha sind die Zähler besonders vonnöten, denn Rang 13 und acht Punkte Rückstand auf die sechstplatzierten Unioner (16 Punkte) mit ihrer Traumserie von acht Partien ohne Niederlage sind natürlich nicht der Anspruch.

Trumpf Nummer eins für Union ist Max Kruse. Erst am vorigen Wochenende hatte der frühere Nationalspieler Union mit einem Traumtor zum 3:3 gegen Eintracht Frankfurt einen Punkt gerettet. Labbadia skizzierte, wie schwer der Sturm-Allrounder mit den sechs Saisontoren und fünf Vorlagen aufzuhalten sein wird: "In Schach halten muss man ihn im Kollektiv."

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