Per Los ins Stadion?

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(dpa). Es bleibt fast nichts so, wie es Dauerkartenbesitzer der Fußball-Bundesliga seit Jahren oder gar Jahrzehnten kennen. Der Einlass ins Stadion ist alles andere als garantiert, der gewohnte Sitz- oder Stehplatz wird vielleicht ohnehin nicht vergeben. Das emotionale Fachsimpeln mit dem immer gleichen Nachbarn fällt wahrscheinlich aus. Die Ticket-Vergabe für die angestrebte Teilrückkehr der Fans in der neuen Saison erweist sich in der Corona-Krise als komplexes Problem. Besitzer von Dauerkarten haben Vorrechte. Es gibt jedoch Befürchtungen, dass es keine gerechte Lösung geben wird. Die Clubs verfahren unterschiedlich, nach und nach geben sie Informationen zu ihren Konzepten bekannt.

Für Unruhe sorgt dabei der 1. FC Köln. Kritik ruft hervor, dass Dauerkarteninhaber, die auf eine Erstattung verzichten, bevorzugt berücksichtigt werden. Wenn weniger Plätze erlaubt als nachgefragt sind, soll der Zugang unter diesen Fans per Los ermittelt werden.

Über "Erpressung" und eine "Frechheit" regen sich Fans auf, ein Rechtsanwalt ordnet ein: "Diese Regelung so zu machen, ist in jedem Fall verbraucherunfreundlich", kritisierte Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und benannte bei der Kölner Variante als Problem: "Derjenige, der weniger Geld hat, wird dazu weniger bereit sein, und derjenige, der mehr Geld hat, dem ist das vielleicht egal und der darf hinterher ins Stadion."

Eine Vollauslastung schon im Herbst scheint utopisch, die neue Saison der Bundesliga soll am 18. September starten. Für die Teilrückkehr der Fans weckte auch die Politik Hoffnung, die Deutsche Fußball-Liga hatte zuletzt einen Leitfaden dafür vorgelegt. Wie sie die Karten verteilen, entscheiden aber die Clubs.

"Ich habe so ein bisschen die Hoffnung, wenn wir es gewährleisten könnten, dass wir allen Dauerkarteninhabern Zutritt zu den Spielen gewähren, dann wäre uns eine große Sorge genommen", sagte der Vorstandsvorsitzende von Mainz, Stefan Hofmann, im SWR, nach etwas mehr als 13 000 Dauerkarten im letzten Jahr: "Mit dieser Zahl kämen wir in etwa hin."

Die DFL geht jedoch davon aus, dass anfangs die Nachfrage das Angebot oft deutlich übersteigt und viele Clubs nicht alle Dauerkartenkunden mit Tickets versorgen können. Sie empfiehlt, "faire" Konzepte zu entwickeln. "Dabei sollten jedoch diskriminierungsfreie, sachliche und objektiv nachvollziehbare Standards gelten", heißt es.

Der 1. FC Köln verteidigt seine Entscheidung damit, dass es "unfair" wäre, "wenn ein Fan, der seinen Verzicht auf eine Erstattung erklärt und damit ein finanzielles Risiko in Kauf genommen hat, nicht ins Stadion kann, während ein anderer Glück hatte", wie FC-Mediendirektor Tobias Kaufmann erklärte. Verbraucherschützer Bradler fordert, dass alle Dauerkartenbesitzer die gleichen Rechte haben sollten, die Spiele zu sehen. Dass in Köln die Anhänger mit dem Kauf aussetzen können, ohne den Anspruch zu verlieren, sei "natürlich auch eine gute Lösung", urteilte der Verbraucherschützer.

Für die kommende Spielzeit hat Borussia Mönchengladbach seinen Weg so festgelegt, dass die Abonnements erst ab der Rückrunde gültig sind und 50 Prozent des Preises für eine gesamte Saison kosten.

Der FC Bayern verkauft wie andere Clubs, darunter Stuttgart und Hoffenheim, angesichts der Ungewissheit derzeit keine Saisontickets. Auch beim 1. FC Union Berlin, der mit der Idee zur Vollauslastung vorgeprescht war, läuft der Verkauf noch nicht. Ebenso wenig wie in Dortmund, dem Zuschauerkrösus.

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