Der Sport fürchtet neues Ungemach

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(sid). Dem deutschen Sport droht neues Ungemach. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer am heutigen Mittwoch über ihren weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie beraten, zittert der Fußball, zittern aber vor allem all die anderen Sportarten. "Sollte es einen kompletten Zuschauerausschluss geben, müssen wir eine Diskussion darüber führen, ob wir den Spielbetrieb weiterführen können", sagte Frank Bohmann, Chef der Handball-Bundesliga. Für den "gesamten Sport" könne dies gravierende Auswirkungen haben.

Am Handeln von Politik und Behörden kommt zunehmend auch aus dem Fußball deutliche Kritik. Vorstandsmitglied Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt betont wie alle Verantwortlichen aus dem Sport, dass Sportveranstaltungen bisher nicht im Verdacht stünden, eine Ausbreitung des Virus zu fördern. Er hält den Ausschluss von Zuschauern "nicht nur im Profifußball dauerhaft für den falschen und nicht mehr verhältnismäßigen Weg". Vor allem wollen Ligen und Vereine nicht mehr verstehen, dass sie ihre Hygienekonzepte nicht anwenden dürfen.

"Diese Konzepte wurden doch genau für Phasen, wie wir sie jetzt erleben, erarbeitet", sagt Hellmann. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schlägt mit diplomatischen Worten in dieselbe Kerbe. "Der FC Bayern war der einzige Bundesligaverein, der während der sechswöchigen Testphase nicht ein einziges Mal vor Zuschauern gespielt hat. Wir bedauern das natürlich, denn wir sind überzeugt, dass unser Konzept höchsten Ansprüchen genügt."

Die Fußballer befinden sich da auf einer Linie mit Handballer Bohmann. Nach dessen Meinung handelt die Politik nicht mehr rational: "Man kann uns nicht mit dem Erstellen von Konzepten beauftragen, die dann greifen und einwandfrei funktionieren, um der Sache im nächsten Schritt - nur um ein politisches Zeichen zu setzen - den Riegel vorzuschieben." Er hoffe, "dass sich die Politik an Fakten hält" und "nicht auf Basis von Gefühlen und Symbolen entscheidet".

Allerdings mussten die Vereine im Fußball, Handball oder Basketball schon in der jetzt zu Ende gehenden sechswöchigen Testphase erkennen, dass auf ihre Konzepte keine Rücksicht genommen wird: Mit bis zu 20 Prozent der Kapazität hätten die Stadien und Hallen ausgelastet werden dürfen - angesichts der Infektionszahlen blieb es bei der Ankündigung. Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) wollte sich nicht einmal die in Aussicht gestellten 20 Prozent erlauben - ihr Saisonstart steht aus.

Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke betont das Vorliegen geeigneter Hygienekonzepte - und warnt: "Wenn die Politik Zuschauer verbietet, entzieht sie dem Profisport die Basis zum Überleben." Die Basketball-Bundesliga könnte nach Aussage ihres Chefs Stefan Holz mit "einer Leitlinie von 20 Prozent der Zuschauerkapazität" zunächst weiterarbeiten. Dies sei "im Prinzip auf Dauer wirtschaftlich zu wenig", sagte er, aber: "Wir wären schon froh, wenn das momentan unter denselben Bedingungen fortgeschrieben würde".

Doch dann ist da noch das Horrorszenario. Rummenigge warnt: "Wenn die Bundesliga erneut unterbrochen werden würde, wenn also nicht mal mehr ohne Zuschauer gespielt werden dürfte, müssten nach und nach viele Vereine Insolvenz anmelden, und in der Folge würde dann sogar die Gefahr bestehen, dass die Bundesliga als Ganzes kollabiert." Auch für die BBL wäre es "ein Desaster, wenn es wieder einen Lockdown geben würde. Wenn man uns den Spielbetrieb einstellt, kann man den Laden zusperren", sagt Holz.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und der Virologe und Regierungsberater Christian Drosten schlagen mittlerweile vor, zur Eindämmung der Infektionszahlen systematisch sogenannte "Kurz-Shutdowns" zu verhängen. Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann wäre dies wohl der Anfangs vom Ende. "Die Rücklagen sind aufgebraucht, die Vereine und Verbände haben keine Luft mehr zum Atmen", sagte er und betonte: Es mache sich eine "nackte Existenzangst" breit.

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