Nicklas Dietrich
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Nicklas Dietrich

Die Spieler sind "fußballfit"

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(dpa). Die Corona-Pandemie hat die Bundesligaprofis lange zum Training zu Hause gezwungen, inzwischen gibt es wieder Übungseinheiten in Kleinstgruppen. Nicklas Dietrich, seit 2018 hauptamtlicher Athletiktrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, spricht in einem Interview über Nachholbedarf auf dem Rasen und den Fußball nach der Krise.

Wenn man das Hometraining der vergangenen Tage und Wochen betrachtet: Sind die Bundesliga-Profis reif für die Tour de France?

Ich hoffe es nicht, weil dann hätten sie ja für die falsche Sportart trainiert (lacht). Ich gehe davon aus, dass alle darauf brennen, wieder Fußball zu spielen. Dementsprechend haben sie sich im Rahmen der Möglichkeiten auch fit gehalten.

Was berichten Ihnen die Nationalspieler, wie sie körperlich mit der Zwangspause zurechtkamen und -kommen?

Die Spieler sind alle sehr professionell und durch ihre Vereine hervorragend betreut. Es ist sicherlich manchmal schwierig, sich während dieser Ungewissheit zu fokussieren, aber jedem ist bewusst, dass ein hartes Programm wartet, sobald es wieder losgeht.

Was kann und muss nun beim Training in Kleinstgruppen wie es heißt, aufgeholt werden?

Das Fußballspielen, die Arbeit mit dem Ball. Nun geht es wieder um Taktik, Kommunikation und Entscheidung und nicht ausschließlich um die Ausführung. Rein vom Fitnessstandpunkt kann jetzt wieder viel abgedeckt werden. Da es Kleingruppen sind, können vor allem die intensiven Bereiche wieder im Fußballkontext trainiert werden. Trotzdem müssen die umfangbetonten Belastungen, wie zum Beispiel große Spielformen, noch zusätzlich und ohne Fußballkontext in individueller Arbeit trainiert werden.

Inwiefern ist die Situation bei den Profis vergleichbar mit der nach einem Urlaub, wo sie ja auch Hausaufgaben mitbekommen?

Ich halte die Situation für nicht vergleichbar. Nach dem Urlaub kommen die Spieler aus den Ferien und hatten das gute Recht, abzuschalten. Momentan stehen die Spieler voll im Saft und sind fußballfit, weil sie voll in der Saison waren. Es geht also darum, das Niveau zu halten und nicht von Grund auf aufzubauen. Wie erwähnt, geht es um das Ziel, die wöchentlichen Trainingsumfänge und -intensitäten weitgehend beizubehalten und möglichst wenig Abfall zuzulassen.

Keiner weiß im Moment, wann wieder gespielt werden kann: Was bedeutet das für den Trainingsaufbau?

Es geht nicht um den grundlegenden Trainingsaufbau. Das Training muss auf gewisse mögliche Szenarien vorbereiten, beispielsweise darauf, dass es mehrere englische Wochen geben kann. Dieses Niveau muss gehalten werden.

Wenn irgendwann wieder gespielt wird: Wie wird man den Profis die lange Zwangspause anmerken? Wird sich der Fußball am Anfang verändert haben?

Ich denke nicht. Der Fußball wird grundsätzlich der Gleiche sein. Aber klar ist, dass wir alle eine solche Situation noch nicht erlebt haben. Der Fußball ist multifaktoriell. Das bedeutet, dass so viele Parameter mit einfließen, nicht nur die Fitness, sondern auch die Spielphilosophie, die individuelle Klasse, die Verletzungsanfälligkeit, die Gruppendynamik. Es wird spannend sein, dies zu beobachten. FOTO: DPA

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