Spiel mit dem Feuer

  • vonSID
    schließen

(sid). Pünktlich zum Einmarsch der Mannschaften geht es los. Die zehn Rauchtöpfe werden flackern und die Nordkurve des Volksparkstadions in einen dichten Nebel hüllen. So, wie man es bei Spielen des Hamburger SV schon häufiger gesehen hat.

Doch diesmal, beim Duell des Zweitligisten gegen den Karlsruher SC am Samstag (13.00 Uhr/Sky), ist alles anders, ganz legal. Die Fans des HSV zündeln mit Genehmigung der Behörden der Hansestadt, mit einem Okay des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), für das Pyro-Experiment hat sich der Klub monatelang eingesetzt. Beim Spiel mit dem Feuer schaut die ganze Fußball-Republik gespannt hin.

"Niemand muss sich Sorgen machen", sagte Cornelius Göbel, Leiter der Abteilung Fankultur beim HSV, der die Aktion begleitet. Unter Aufsicht der Feuerwehr wird die Pyrotechnik von zehn Fans gezündet werden, bei einem unkontrollierten Verlauf wäre ein sofortiger Abbruch möglich.

Im Gegensatz zu den vielen strafbaren Aktionen der Fans, die den HSV zum traurigen Strafenkönig der vergangenen beiden Spielzeiten im deutschen Fußball machten, bleibt die Kontrolle also aufseiten der Verantwortlichen. Dass das nicht allen pyro-affinen Anhängern gefällt, liegt auf der Hand.

Auch Funktionäre sind skeptisch, zum Beispiel Präsident Peter Fischer von Eintracht Frankfurt. "Wir bauen mal einen Sandkasten, sperren eine Ecke ab und stellen einen Sicherheitsbeauftragten dahin und dann darf man irgendwie was abbrennen - ich weiß nicht, ob die Kurve da sagt, das ist eine Alternative", sagte er dem Deutschlandfunk vor der Bekanntgabe der HSV-Pläne. Er kenne den Standpunkt der Fans aber nicht genau und lasse sich überzeugen.

Heftige Kritik übte die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek hält das Entgegenkommen des DFB "nicht nur für blauäugig, sondern auch für sehr riskant". Nach Auffassung der GdP könne das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik Ultras "eher provozieren als sie zur Einsicht führen". Die Hamburger sehen hingegen den Zeitpunkt gekommen, neue Wege in der Pyro-Thematik zu gehen, die den Fußball seit Jahren beschäftigt. Tatsächlich zahlen die Klubs immer höhere Strafen, kommen im Dialog mit den Fans aber kaum voran. HSV-Klubboss Bernd Hoffmann betonte zuletzt, dass er keine "durchgeplante und durchzertifizierte Liga" wolle, "in der sich alle in vorauseilender Weise sozial erwünscht verhalten". Für Pyro im Zuschauerblock gelte aber weiter eine Null-Toleranz-Politik.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare