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Spekulationsobjekt Kai Havertz

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Mittlerweile reagieren die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen merklich genervt, wenn sie wieder einmal auf das eine große Nebenthema angesprochen werden, das wie einen störender Nebel der Ungewissheit über diesem Fußballhalbjahr liegt. Gerade vor dem Spiel gegen den FC Bayern (Samstag, 15:30 Uhr) werden wieder überall Szenarien und Gerüchte zur ungeklärten Zukunft von Kai Havertz diskutiert.

Angeblich haben die Leverkusener jüngst ein Angebot von Real Madrid abgelehnt: Die Spanier sollen 80 Millionen Euro geboten haben, verbunden mit der Vereinbarung, dass der 20 Jahre alte Profi noch ein weiteres Jahr in Leverkusen bleibt. Solche Berichte mag aber niemand bestätigen. "Wir können gelassen schauen, wie sich das entwickelt, es ist nicht so, dass wir unter Druck stehen", sagt Sportdirektor Simon Rolfes.

Noch ein Jahr Bayer ist akzeptabel

Allerdings wären die Leverkusener froh, wenn die sportliche Situation ein ähnlich großes Interesse wecken würde, wie Havertz’ Karrierefortgang. Schließlich befindet sich der Verein in einem äußerst interessanten Wettbewerb um die Champions-League-Teilnahme. Am kommenden Dienstag steht außerdem das DFB-Pokal-Halbfinale in Saarbrücken an, und in der Europa League, die im Sommer zu Ende gespielt werden soll, besteht die Chance auf einen internationalen Titel. "Wir sind ambitioniert, wir wollen in allen Wettbewerben das Maximum. Aber jetzt steht erst mal die Bundesliga im Mittelpunkt", sagt Rolfes. Mit dem Spiel gegen die Bayern, in dem der vertraglich bis 2022 gebundene Havertz auf jeden Fall noch für Bayer 04 spielen wird. Und nach allem, was aus Leverkusen zu hören ist, wäre der gebürtige Aachener sogar bereit, ein weiteres Jahr zu bleiben, jedenfalls im Notfall. Wenn auf dem Transfermarkt kein Käufer mit einem Angebot auftaucht, das sowohl für den rheinischen Bundesligaverein als auch für Havertz akzeptabel ist. Nach Informationen der "Sport Bild" hat sich die Klubführung - nach Rücksprache mit der Bayer AG - entschlossen, auch weiterhin eine Summe von rund 100 Millionen Euro zu verlangen. Damit wäre der FC Bayern wohl vorerst aus dem Rennen.

Havertz-Millionen in Teilen ausgegeben

"Kai Havertz würden wir sicher gerne haben", sagt Aufsichtsratmitglied Uli Hoeneß in einem Interview mit dem "BR", "aber Stand heute, kann ich es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen." Trainer Hansi Flick gilt zwar als besonders überzeugter Fan des talentiertesten 20-Jährigen des deutschen Fußballs, für den Rekordmeister hat jedoch eine Verpflichtung des Angreifers Leroy Sané von Manchester City oberste Priorität. Oder sind Hoeneß’ Worte nur Verhandlungstaktik? Spekulieren die Bayern auf ein Modell mit einer Sofortzahlung deutlich unter 100 Millionen Euro, die dann über Prämien und Nachzahlungen in den Folgejahren auf die von den Leverkusenern gewünschte Höhe steigt?

Das könnte für Bayer Leverkusen interessant sein, denn der Klub hat die Havertz-Millionen zumindest in Teilen bereits ausgegeben. Im Wissen um den zu erwartenden Geldregen haben Sportdirektor Simon Rolfes und die Geschäftsführer Rudi Völler und Fernando Carro eine Transferoffensive gestartet: Die Zugänge Kerem Demirbay, Nadiem Amiri (beide Hoffenheim), Moussa Diaby (Paris), Daley Sinkgraven (Amsterdam), sowie die in der Winterpause unter Vertrag genommenen Edmond Tapsoba (Guimaraes) und Exequiel Palacios (River Plate) kosteten in der Summe über 100 Millionen Euro.

Vor allen Dingen Demirbay und Amiri kamen zuletzt immer besser in Fahrt. Tapsoba kann das Innenverteidigerspiel des Teams an guten Tagen auf ein anderes Niveau heben. Zudem haben sie gerade das erst 17 Jahre alte Großtalent Florian Wirtz unter Vertrag genommen und den Vertrag mit dem Chefstrategen Charles Aranguiz verlängert. Jenseits der Havertz-Ungewissheiten ist schon jetzt klar, dass Leverkusen in einem vielversprechenden Zustand in die Wettbewerbe der kommenden Saison gehen wird.

Die außergewöhnlichen Fähigkeiten des immer weiter reifenden Kai Havertz könnten aus diesem Ensemble einen echten Meisterschaftskandidaten machen.

Ziemlich unklar ist nur, was Havertz eigentlich will. Bislang sagt er nur, dass er sich "den nächsten Schritt" zutraue. Und dass er gerne bald Ruhe hätte auf dem unruhigen Feld der Spekulationen um seine Zukunft. DANIEL THEWELEIT

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