Die Formel 1 steckt im Überlebenskampf. FOTO: DPA
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Die Formel 1 steckt im Überlebenskampf. FOTO: DPA

Sparpaket für Formel 1

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Der Auto-Weltverband hat die Kostendeckelung für die Königsklasse abgesegnet. Für die kleineren Formel-1-Teams könnte dies in der Coronanot ein Rettungsanker sein.

Über McLarens Mitarbeitern kreist der Hammer, Renault drohen brutale Sparmaßnahmen - und bei den Topteams wie Ferrari dreht sich das schwerteure Personalkarussell: Die Coronakrise legt das Ungleichgewicht in der Formel 1 offen. Die nun vom Weltverband FIA abgesegneten drastischen Budgetgrenzen sollen als großer Gleichmacher dem exzessiven Finanztreiben ein Ende bereiten.

"Die Formel 1 gewinnt heute. Es ist ein entscheidender Moment für unseren Sport. Die Formel 1 ist seit einiger Zeit finanziell nicht mehr tragbar", sagte McLaren-Vorstand Zak Brown. Dessen Mitstreiter Andreas Seidl, Teamchef beim Traditionsrennstall aus Woking, reagierte weniger euphorisch auf den von der FIA verordneten Kahlschlag, der selbst das Budget eines Mittelklasse-Teams wie des seinen zwangshalbiert.

"Es liegt eine große Herausforderung vor uns", sagte der gebürtige Würzburger Seidl: "Unsere Arbeitsweise und das ganze Team in den kommenden Monaten an die neue Obergrenze anzupassen, ist eine gewaltige und schmerzhafte Aufgabe." Anpassen - das heißt für Seidl: "Wir werden leider Teammitglieder verlieren. Aber unser Ziel ist es, mit einer idealen Größe das effizienteste Team zu werden." Im Zuge der Entlassung von 1200 Mitarbeitern bei der gesamten McLaren-Autosparte verlieren, wie am Montag bekannt wurde, nun schon 70 von 800 Mitarbeitern des F1-Teams ihre Jobs.

Zweifelsohne: Die Maßnahmen der FIA schaffen einen gänzlich neuen Wettbewerb. Der Kostendeckel, dem die Teams zuvor zugestimmt hatten, liegt schon ab dem kommenden Jahr bei 145 Millionen US-Dollar (133 Millionen Euro) - 30 Millionen weniger, als noch vor Corona geplant. In den folgenden Jahren geht es schrittweise auf 135 Millionen Dollar runter.

Der Blick auf die aktuellen Budgets verdeutlicht die ganze Drastik des Schrittes: Nur drei Teams lagen 2019 unter jenen 145 Millionen Dollar: Williams (132), Toro Rosso (jetzt Alpha Tauri/138) und Alfa Romeo (141). Zusammen holten sie in eben jener Saison weniger Punkte (143) als McLaren, das mit einem Budget von 269 Millionen Dollar auf 145 Zähler und Platz vier der Konstrukteurswertung kam. An deren Spitze zeigten die Mächtigen Mercedes (484 Millionen Dollar/739 Punkte), Ferrari (463/504), das unlängst McLaren-Ass Carlos Sainz ab 2021 verpflichtete, und Red Bull (445/417), dass Geld gleich Erfolg ist.

Sollte die Formel 1 wie geplant ihre 2020er-Saison Anfang Juli starten, wird sich an diesem Bild nichts ändern - die großen Drei, die seit März 2013 sämtliche Grand-Prix-Sieger stellten, reagierten entsprechend unbegeistert auf die Sparpläne. Ab 2021 sollen nach Willen der FIA nun dennoch neben dem Budgetdeckel weitere Maßnahmen die drängendsten Probleme - drohender Finanzkollaps und sportliche Langeweile - lösen. So soll den "Hinterbänklern" künftig verhältnismäßig mehr Zeit zur Entwicklung der Aerodynamik eingeräumt werden, sollen Einheitsteile zur Kostensenkung beitragen.

"Wenn alle Teams zusammen arbeiten und Open-Source-Komponenten entwickeln, ist das eine fantastische Richtung", so Cyril Abiteboul, Teamchef von Renault, das 2019 mit 272 Millionen Dollar Nummer vier der Budget-Rangliste war - und läppische 91 Punkte sammelte. Nicht nur wegen dieses Missverhältnisses sieht es bei den Franzosen düster aus: Am Freitag will der in der Coronakrise schwer angeschlagene Renault-Mutterkonzern tiefe Spareinschnitte verkünden - gerüchteweise geht es dabei sogar um einen Formel-1-Ausstieg.

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