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Die Sonne geht am Horizont in Gelsenkirchen unter. Der Abstieg scheint unvermeidlich, nun hat sich eine weitere große Baustelle um Ralf Rangnick auf Schalke aufgetan.

Sogar von Putsch ist die Rede

(sid). Beim Namen Ralf Rangnick geriet Gerald Asamoah ins Schwärmen. »Wir hatten eine schöne Zeit, haben erfolgreichen Fußball gespielt, sind Zweiter geworden, standen im Pokalfinale«, sagte der Ex-Nationalspieler über seinen ehemaligen Trainer beim FC Schalke 04.

Nach seiner Meinung hat den 42-Jährigen im Machtkampf um den möglichen neuen Sportvorstand aber niemand in der Führungsetage gefragt. Als Lizenzspielerkoordinator bemüht sich Asamoah beim Bundesliga-Tabellenletzten im aussichtslosen Abstiegskampf nach Kräften, während hinter den Kulissen Aufsichtsrat und eine Interessengruppe um die Neuaufstellung für die 2. Liga streiten.

Der Vorstoß von etwa 20 einflussreichen Personen aus dem Sport, der Politik und Wirtschaft, die Kontakt zu Rangnick aufgenommen hatten, war vom Aufsichtsratschef Jens Buchta als »vereinsschädigend« abgebügelt worden. Sponsoren seien unter Druck gesetzt worden. Von einer »Opposition« und einem »Putschversuch« ist intern die Rede.

»Es ist schrecklich, was da abläuft«, sagte die Vereinslegende Klaus Fischer im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), »die Karre ist total verfahren.« Der 71-Jährige würde Rangnick, der Schalke 2004/05 und 2011 trainierte, sofort als Sportchef nehmen. »Es muss ein ganz starker Mann her. Ich glaube, dass Rangnick das ist«, äußerte Fischer: »Er hat Kontakte und genießt höchsten Respekt. Aber ich weiß nicht, ob er sich das antut.«

Mittlerweile hat Buchta, der offenbar den Leipziger Markus Krösche als Kandidaten auf dem Zettel hatte, offiziell Kontakt zu Ralf Rangnick aufgenommen. Für Fischer wäre Rangnick »auf jeden Fall« der Richtige, um nach dem Abstieg den Neuaufbau zu gestalten.

»Aber er muss die richtigen Voraussetzungen vorfinden. Wenn überhaupt kein Geld da ist, wird es auch für ihn schwer«, meinte der Schalker Rekordtorjäger mit Blick auf die Verbindlichkeiten in Höhe von 240 Millionen Euro. Die internen Streitigkeiten ärgern Fischer: »Jetzt stehen wir wieder in schlechtem Licht da.«

Buchta hatte sich im SZ-Interview über das Vorgehen empört: »Man muss sich das einfach mal vorstellen: Da hat eine nicht legitimierte Gruppe mit Rangnick gesprochen und ihm im Namen des Vereins ein Angebot gemacht. Das ist ein klarer Verstoß gegen ordnungs- und satzungsgemäße Abläufe und gegen die Absprachen, die wir im Aufsichtsrat haben.«

Buchta und Co. hatten Rangnick zunächst nicht angesprochen. »Weil wir meinten, wir könnten ihm nicht die Rahmenbedingungen bieten, wie er sie in Leipzig und Hoffenheim hatte«, berichtete der Rechtsanwalt. Drei Mitglieder der Gruppe, so Buchta, wollten im Sommer in den Aufsichtsrat gewählt werden. Es gehe um Wahlkampf.

Eine Krise so existenzbedrohend wie jetzt hat Asamaoh auf Schalke noch nicht erlebt. »Ich bin lange dabei, aber eine Situation, wie wir sie gerade durchleben, kenne ich nicht«, gab er zu: »Das nimmt mich mit.«

Seine sportliche Expertise hat der Aufsichtsrat nicht erfragt. Ob er in der nächsten Saison seinen aktuellen Posten behalten darf, weiß er noch nicht. In die Planungen für die 2. Liga ist er bisher nicht eingebunden. Er kann nur sagen: »Bisher ist noch kein Spieler gekommen und hat gesagt: Ey, Asa, ich will weg. Den würde ich auch auffressen.«

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