Was soll ich denn noch machen? - Frankfurts Dominik Kohr scheint mit seinem Latein am Ende. FOTO: DPA
+
Was soll ich denn noch machen? - Frankfurts Dominik Kohr scheint mit seinem Latein am Ende. FOTO: DPA

Ab sofort volle Konzentration auf die Liga

  • vonDPA
    schließen

Eintracht Frankfurt will das Aus in der Europa League gegen den FC Basel abhaken. Mehr Zeit für die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison zu haben, könnte ein Vorteil sein. Die Transferpolitik rückt nun in den Fokus.

Nach dem Scheitern der "Mission Impossible" beim FC Basel soll in der Spielzeit 2020/21 wieder vieles möglich werden. "Wir wollen in der neuen Saison wieder angreifen", lautete die Losung von Eintracht Frankfurts Vorstand Fredi Bobic unmittelbar nach dem 0:1 (0:0) im Achtelfinalrückspiel der Europa League beim Schweizer Topclub. Statt einer Aufholjagd nach der 0:3-Klatsche in der ersten Partie verlor der Bundesliga-Neunte auch das Rückspiel nach dem Tor von Fabian Frei (88. Minute).

"Für das "Wunder von Basel" hat uns sehr viel gefehlt", gestand Trainer Adi Hütter. Die Entscheidung, nur eine Woche vorher wieder ins Training einzusteigen, um den Profis mehr Zeit zur Erholung zu geben, erwies sich als Vabanquespiel und führte zum Ende der Europacup-Reise - aber möglicherweise als Gewinn für die Zukunft.

"Wir versuchen, mit einer schlagkräftigen Mannschaft in die Bundesliga zu gehen - und ausgeruht in diese Spiele reinzugehen, kann ein Vorteil sein", meinte Bobic. "Natürlich tut es uns weh, dass wir in Europa nicht dabei sind, doch wir können daran arbeiten, dass es zukünftig wieder so wird." Gegen den FC Basel, der gerade erst die Meisterschaftssaison beendet hatte, seien wegen der kurzen Vorbereitung "Faktoren wie Wettkampfpraxis, Härte und etwas Feingefühl abgegangen". Für Bobic ist das nun abgehakt: "Jetzt gilt unser Fokus der Bundesliga, darauf freuen wir uns."

Bevor es mit dem DFB-Pokal am 11. September beim Bayern-Cup-Sieger und ab dem 18. September in der Bundesliga losgeht, hat der Eintracht-Macher viel zu tun: Bobic muss mit cleveren Ein- und Verkäufen bei knapper Kasse einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen.

Dabei spielt das Wirtschaftliche nach den coronabedingten Einbußen eine große Rolle. "Nach Jahren des Wachstums macht das keinen Spaß, auch, weil wir es nicht selbst verschuldet haben", sagte Bobic. Da müsse man nun genau auf die Zahlen und auf die wirtschaftliche Balance schauen, zwischen Vernünftigkeit und einem ausgewogenen Kader. "Das wird die große Aufgabe sein", erklärte Bobic. Er erwarte "einen anspruchsvollen, schwierigen und sehr langen Transfersommer" bis zum späten Wechselfristende am 5. Oktober.

"Da kann noch viel passieren", meinte der 48-Jährige - auch bei den Abgängen: "Es ist immer alles offen." Dies gilt auch für einen möglichen Verkauf von Wirbelwind Filip Kostic, einer der besten Frankfurter der letzten beiden Spielzeiten, der einen geschätzten Marktwert von 35 bis 40 Millionen Euro hat. Einnahmen braucht die Eintracht, um die Auswirkungen der Corona-Krise und auch den Ausfall des Geldes aus dem europäischen Geschäft in der nächsten Saison zu kompensieren. Immerhin kamen durch das Erreichen des Halbfinals der Europa League 2019 zwischen 20 und 25 Millionen Euro in die Kasse.

Bisher verpflichteten die Hessen nur Steven Zuber, der im Tausch für Mijat Gacinovic von der TSG 1899 Hoffenheim an den Main kommt, sowie Ragnar Ache (Sparta Rotterdam).

Abgesehen von den Spielern beschäftigt Bobic eine weitere Personalie. Nämlich die von Trainer Adi Hütter, dessen Vertrag im Juni 2021 ausläuft. Zuletzt signalisierte der Österreicher, dass er eine Verlängerung auch von der Einkaufspolitik des Vereins abhängig macht, der zuletzt sogar Nationaltorwart Kevin Trapp als nicht unverkäuflich deklariert hatte. Das Gerede um die Nummer eins verstimmte Hütter.

Ob das Aus im Europacup für mindestens ein Jahr nun für Hütter mitentscheidend für seinen Verbleib ist? "Insgesamt sind wir enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind", sagte er und fügte nach dem K. o. in Basel stolz und wehmütig hinzu: "Jeder, der die Europa League verfolgt hat, hat gesehen, was Eintracht Frankfurt in den vergangenen beiden Jahren in diesem Wettbewerb abgeliefert hat." Allerdings sei man im Club auch realistisch genug, "um zu wissen, dass es immer eine Saison ohne internationalen Fußball geben" könne. Für seinen österreichischen Landsmann und Verteidiger Martin Hinteregger ist es keine Frage, dass es wieder auf die europäische Bühne zurückgehen soll: "Wir wollen eine gute Vorbereitung hinlegen, um eine Top-Saison spielen zu können."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare