Von Skepsis keine Spur

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Trotz der 2:4-Niederlage bei Benfica Lissabon im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League sind Spieler und Verantwortliche von Eintracht Frankfurt voller Zuversicht. Dafür gibt es gute Gründe. In der Fußball-Bundesliga wartet am Sonntag der FC Augsburg.

Hinterher, als es an die Analyse ging, hätte man beinahe den Eindruck gewinnen können, als habe Eintracht Frankfurt den Einzug ins Halbfinale, wahrscheinlich gegen den FC Chelsea, im Grunde schon in der Tasche, eine reine Formsache. Wen man auch sprach, ein jeder strotzte nur so vor Selbstbewusstsein, Tatendrang, Selbstsicherheit – von Skepsis keine Spur. "Ich habe den Jungs gesagt", lehnte sich Sportvorstand Fredi Bobic weit aus dem Fenster, "die hauen wir weg im Rückspiel." Ganz schön forsch.

Auch Mittelfeldrackerer Sebastian Rode schaut dem Rückspiel am Donnerstag (21 Uhr) mit "großem Optimismus" entgegen. Man habe eine gute Ausgangsposition erreicht. Torwart Kevin Trapp, der bei einigen Gegentoren äußerst unglücklich agierte, fasste die Meinung in der Kabine prägnant zusammen: "Es gibt keinen, der Zweifel hat, dass wir das noch schaffen." Selbst Trainer Adi Hütter versprach schon mal: "Ich erwarte in einer Woche einen heißen Tanz." Trotz aller zur Schau gestellten Frankfurter Zuversicht sei kurz erwähnt, dass Eintracht Frankfurt im Viertelfinal-Hinspiel gegen ein streckenweise wie entfesselt aufspielendes Benfica Lissabon mit 2:4 (1:2) verloren hatte. Und damit noch bestens bedient war. Leicht hätten die Hessen, die erstmals in diesem Jahr wieder ein Spiel verloren haben nach 15 erfolgreich bestrittenen Begegnungen, höher verlieren können. Haris Seferovic etwa hatte, unmittelbar vor dem fast schon lebensnotwendigen zweiten Treffer durch den eingewechselten Goncalo Paciencia, gegen seine alten Frankfurter Kollegen gar das 5:1 auf dem Fuß, doch Trapp vereitelte mit seiner besten Tat ein Debakel.

Und dieses Debakel hatte durchaus im Bereich des Möglichen gelegen, zeitweise waren die Hessen auseinandergenommen worden. Eintracht Frankfurt ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen und hat aus diesen aufregenden 90 Minuten und unter diesen besonderen Umständen noch das Beste gemacht, mehr war nicht drin.

Tatsächlich hat die Eintracht im frühen Spielverlauf einen schweren Rückschlag stark weggesteckt. Die Rote Karte für den französischen Verteidiger Evan Ndicka nach 20 Minuten, der als letzter Mann eine 100-prozentige Torchance durch Gedson Fernandes mittels Schubser verhinderte und dafür am Freitag für ein Spiel gesperrt wurde, hat das Konzept der Hessen komplett über den Haufen geworfen. 70 Minuten in Unterzahl gegen derart spielstarke Portugiesen erwies sich als Mammutaufgabe, der sich die Frankfurter am Ende aber gewachsen zeigten. Von allen Seiten wurde die in der Tat bemerkenswerte Moral gelobt, dazu wurde eine Mentalität an den Tag gelegt, die Berge versetzen kann. Selbst nach dem 1:4 nach 54 Minuten, zu dem das "Jahrhunderttalent" (Hütter), der erst 19 Jahre alte Joao Felix, drei Tore beisteuerte, habe man nach vorne gespielt.

"Mit der Leistung in Unterzahl bin ich absolut zufrieden", sagte Hütter, dem vor allem die fünf Minuten vor und zehn Minuten nach der Pause, als die Eintracht drei Gegentore kassierte, nicht gefallen haben. Aber: Die Hessen sind nicht eingebrochen, haben sich geschüttelt und bravourös weitergespielt, mutig, unverdrossen, forsch. "

Klar ist aber auch: Ein Selbstläufer wird das Rückspiel nicht. "Wir brauchen zu Hause ein perfektes Spiel", sagte Hütter, zudem einen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied.

Zuvor steht für die Eintracht die wichtige Bundesliga-Partie gegen den FC Augsburg am Sonntag (18 Uhr/Sky) an. Für die Frankfurter geht es darum, den Champions-League-Platz zu verteidigen. Das wird sicher nicht leicht, zumal der neue Augsburger Trainer Martin Schmidt sein Debüt gibt.

Außerdem war die Rückkehr aus Lissabon für die Eintracht strapaziös. Ein geplatzter Reifen einer anderen Maschine stoppte am Donnerstag zunächst die Heimreise, weil die Landebahn zunächst gereinigt werden musste. Dadurch verzögerte sich der Abflug. Die Spieler vertrieben sich die Zeit mit Stretching und einem Sonnenbad direkt neben der Maschine, ehe der Heimflug mit zwei Stunden Verspätung begann.

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