Max Hartung, Säbelfechter und Athleten-Aktivist, hat seine Teilnahme an den Spielen in Tokio ausgeschlossen. FOTO: DPA
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Max Hartung, Säbelfechter und Athleten-Aktivist, hat seine Teilnahme an den Spielen in Tokio ausgeschlossen. FOTO: DPA

Signalwirkung?

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Thomas Bach spielt weiter auf Zeit, Max Hartung hat hingegen Fakten geschaffen. Der Fechter sagte seine Teilnahme an den Olympischen Spielen ab und erhöht damit noch einmal den Druck auf das IOC. Das hat sich nun eine Frist gesetzt.

Das unrühmliche Spiel auf Zeit von Thomas Bach hat ein Ablaufdatum bekommen, und Max Hartung ist daran nicht ganz unschuldig. Am Ende eines denkwürdigen Wochenendes mit der Boykott-Ankündigung des deutschen Athletensprechers und flehenden Bitten um eine Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio hat sich das IOC selbst ein Ultimatum verhängt. Innerhalb der kommenden vier Wochen soll eine Entscheidung verkündet werden, was in Zeiten der Corona-Pandemie einer Ewigkeit gleichkommt. Kaum vorstellbar, dass Präsident Bach dem Druck noch so lange standhalten kann.

Säbelfechter Hartung hatte schon vor der Ankündigung des IOC am Sonntagabend Fakten geschaffen. "Ich mache mir Gedanken, wie ich als Sportler dazu beitragen kann, dass wir möglichst alle gut durch die Krise kommen. Für mich war schnell klar, dass das bedeutet, zu Hause zu bleiben", sagte Hartung, Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland. Ein historischer Boykott des gesamten deutschen Teams könnte folgen, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) führt diesbezüglich aktuell eine Athletenbefragung durch.

Die Reaktionen seien "durch die Bank positiv", berichtete Hartung nach seinem Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Die Kollegen "haben großen Respekt davor". Daher könnte Hartungs "wahnsinnig traurige" Entscheidung Signalwirkung besitzen. Alle potenziellen deutschen Olympia-Fahrer werden in den kommenden Tagen darüber abstimmen, ob sie an den Sommerspielen (24. Juli bis 9. August) teilnehmen wollen. Wenn es diesen Termin dann überhaupt noch gibt.

Immer weiter öffnet Bach die Tür für eine Verlegung, ob in den Herbst, ins Jahr 2021 oder 2022 lässt er dabei im Unklaren. Eine Absage, das machte Bach am Sonntagabend deutlich, ist für das IOC aber keine Option. Die IOC-Exekutive betone, "dass eine Absage der Spiele in Tokio keines der Probleme lösen oder irgendjemandem helfen würde", schrieb Bach. Sie stehe daher nicht zur Debatte.

Ein Boykott des Deutschen Olympischen Sportbundes tut dies dagegen durchaus, wenn der Dachverband tatsächlich auf seine Athleten hört. "Der DOSB macht das bisher sehr gut. Wir hatten eine Telefonschalte mit 200 Athleten. Da wurde ganz klar gesagt, dass die Stimme der Athleten bei der Positionierung des DOSB ganz viel Gewicht bekommt", sagte Hartung.

Geht es nach dem Virologen Alexander Kekule, könnte man sich die Befragung sparen. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir in Tokio dieses Jahr die Olympischen Spiele austragen können", sagte Kekule im ARD-Interview.

Isabell Werth setzt deswegen auf die "Vernunft der Entscheider". Olympia im Juli sei unmöglich, "das wissen wir alle", sagte die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin. Einen Boykott der Athleten findet Werth aber nicht angebracht: "Ich halte grundsätzlich nichts von solchen Aktionen."

Auch die Politik drängt auf eine Verschiebung. "Wie das IOC nach allem, was wir mittlerweile über diese Pandemie wissen, überhaupt noch auf den Gedanken kommen kann, in Kürze Menschen aus aller Herren Länder nach Tokio einfliegen zu lassen, ist mir unbegreiflich", sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag - und forderte: "Das IOC, allen voran natürlich Präsident Bach, muss sich seiner Verantwortung stellen."

Es gibt aber auch weiterhin Gründe und Unterstützung für die Haltung des IOC. "Stellen Sie sich vor, was das für ein positives Zeichen für die Welt wäre, wenn es uns gelingt, die Olympischen Spiele als erste Veranstaltung nach dieser weltweiten Krise stattfinden zu lassen", sagte Kanu-Präsident Thomas Konietzko der Zeitung "Neues Deutschland".

Bahnrad-Profi Maximilian Levy hofft, dass "das IOC sich nicht dem öffentlichen Druck beugt, sondern sich die nötige Zeit für diese schwerwiegende Entscheidung nimmt. Wenn man jetzt absagt, brechen Welten zusammen", sagte er der "Lausitzer Rundschau".

Eine Verschiebung um ein Jahr wäre anders als bei der Fußball-EM allerdings nicht so einfach zu regeln. Welt- und Europameisterschaften, Weltcups und Qualifikationsturniere rund um den Globus sind auf den olympischen Zeitplan abgestimmt. "Olympische Spiele können Sie nicht verschieben wie ein Fußballspiel am nächsten Samstag", hatte Bach stets betont.

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