Gestern noch im Trainingseinsatz, heute beginnt auch für die DHB-Handballer die WM: Julius Kühn (am Ball), Moritz Preuss (r.) und Johannes Golla (2. v. r.) sind gegen Uruguay klar favorisiert.		FOTO: DPA
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Gestern noch im Trainingseinsatz, heute beginnt auch für die DHB-Handballer die WM: Julius Kühn (am Ball), Moritz Preuss (r.) und Johannes Golla (2. v. r.) sind gegen Uruguay klar favorisiert. FOTO: DPA

Sieg zum Auftakt ist Pflicht

  • vonSID
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Jetzt geht es für Deutschlands Handballer bei der WM in Ägypten endlich los! Zum Auftakt steht eine lösbare Aufgabe gegen Uruguay an. Alles andere als ein klarer Sieg wäre eine Enttäuschung für die DHB-Auswahl.

Selbst der routinierte Alfred Gislason spürte vor dem vermeintlich leichten WM-Auftakt der deutschen Handballer gegen Uruguay ein leises Kribbeln. »Ich freue mich riesig, dass es endlich losgeht und wir spielen. Dafür sind wir hier, das macht uns allen am meisten Spaß«, sagte der 61 Jahre alte Isländer vor seinem Turnierdebüt als Bundestrainer beim Aufgalopp gegen den Außenseiter aus Südamerika am Freitag (18.00 Uhr/ARD).

Die Corona-Diskussionen um etliche positive Tests bei einigen WM-Teilnehmern und lose Kontakte mit anderen Mannschaften am Buffet in der vornehmen Fünf-Sterne-Unterkunft der DHB-Auswahl in Gizeh - all das blendet Gislason aus. »Ich beschäftige mich eher mit anderen Dingen als den Hygienebedingungen«, betonte er mit Nachdruck und forderte von seinen Schützlingen zum Start der WM-Mission unmissverständlich einen Pflichtsieg. »Das Spiel gegen Uruguay - wie auch das zweite gegen Kap Verde - müssen wir gewinnen und dazu nutzen, uns besser einzuspielen und taktische Varianten in Angriff und Abwehr auszubauen.«

Beim afrikanischen Inselstaat sind nach der Ankunft in Ägypten erneut Spieler positiv auf getestet worden. Vier Akteure hatten einen positiven Test, wie der Weltverband IHF am Donnerstagabend mitteilte. Zuvor waren die Afrikaner trotz mehrerer Corona-Fälle zur WM gereist, die Mannschaft zog jedoch auch auf Drängen der deutschen Delegation zunächst nicht ins allgemeine Teamhotel in Gizeh. Ob die positiven Tests Auswirkungen auf die WM-Teilnahme von Kap Verde oder auf das für Sonntag geplante Spiel gegen Deutschland haben, war zunächst unklar.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hat die zwei Punkte gegen WM-Neuling Uruguay indes fest eingeplant. »Jetzt gewinnen wir gegen Uruguay mit einer Tasse Tee in der Hand und konzentrieren uns auf den Sport«, sagte er am Donnerstag. Auch Gislason verspricht sich keine bahnbrechenden Erkenntnisse. »Ich denke, erst nach dem Ungarn-Spiel wissen wir, wo wir stehen«, blickte er ein wenig auf das Vorrundenfinale am kommenden Dienstag voraus.

Allen Beteiligten ist klar: Beim angestrebten Weg ins Viertelfinale darf sich der EM-Fünfte des Vorjahres und WM-Vierte von 2019 gegen die Kleinen keine Ausrutscher leisten. »Wir wollen zeigen, dass wir trotz des Ausfalls von sieben Stammspielern eine leistungsstarke Mannschaft bei der WM stellen«, formulierte DHB-Präsident Andreas Michelmann in einem Interview der »Mitteldeutschen Zeitung« den Anspruch. »Ich habe das Gefühl, dass Alfred Gislason das meistern wird.«

Der Bundestrainer hat im Vorfeld wie stets nichts dem Zufall überlassen und das Team akribisch auf den unorthodoxen Spielstil der Südamerikaner vorbereitet. »Sie spielen einen etwas anderen Handball, als wir es gewohnt sind. Sie stellen eine robuste Abwehr mit einem guten Torhüter und versuchen, die Angriffe extrem lange auszuspielen«, berichtete Gislason nach einem intensiven Videostudium. »Wir müssen sehr geduldig und diszipliniert im Angriff sein und dürfen uns nicht ärgern lassen.«

Philipp Weber ist zuversichtlich, dass die deutsche Mannschaft die Marschroute umsetzt und nicht ins Stolpern gerät. »Wenn wir unseren Plan durchziehen, werden wir gewinnen«, verkündete der Rückraumspieler vom Bundesligisten SC DHfK Leipzig. »Es kommt drauf an, gut ins Turnier zu finden.«

Vanco: »Absage alternativlos«

Unterdessen hält Marek Vanco vom Zweitligisten HC Elbflorenz Dresden den Verzicht seiner tschechischen Nationalmannschaft auf die WM-Teilnahme für alternativlos. »Natürlich ist das bitter und schade. Aber für uns ist jetzt vor allem eines wichtig: Unsere Gesundheit. Da gibt es nichts anderes«, sagte der tschechische Nationalspieler der »Sächsischen Zeitung«. Tschechien hatte nach zahlreichen Corona-Fällen im Team die WM abgesagt. Das Virus habe innerhalb von acht, neun Tagen das komplette Team zerstört, sagte Vanco.

Frankreich schlägt Norwegen 28:24

Am Donnerstag besiegte Nachrücker Schweiz nur wenige Stunden nach seiner Ankunft den Nachbarn Österreich in seinem ersten WM-Spiel seit 25 Jahren mit 28:25 (13:13). Spielmacher Andy Schmid vom Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen war mit sieben Toren bester Werfer. Die für Tschechien nachgerückten Nordmazedonier verloren ihren Auftakt gegen Schweden in Gruppe G mit 20:32 (11:16).

Das Topspiel gestern ging in der Schweizer Gruppe E über die Bühne. Rekordtitelträger Frankreich setzte sich mit 28:24 (13:13) gegen Norwegen durch und machte einen großen Schritt in Richtung Gruppensieg. Sander Sagosen (10 Tore) von Champions-League-Sieger Kiel hatte die Corona-Blase in Ägypten am Mittwoch noch stark kritisiert.

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