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Sieben Jahre sind genug Pflieger schafft EM-Norm bei Hamburg-Marathon Zittersieg zum WM-Auftakt Ackermann imponiert in der Schweiz

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Der letzte deutsche Sieg beim Frankfurter Radklassiker datiert von 2011. Damals triumphierte John Degenkolb, der sein Heimrennen dieses Mal wegen einer Verletzung verpasst. Die Hoffnungen trägt ein Mann mit einem klangvollen Namen in der Radszene.

Rick Zabel ging noch in den Kindergarten, als sein berühmter Vater Erik 1999 den ersten von insgesamt drei Triumphen beim Frankfurter Radklassiker feierte. 19 Jahre danach will der zum Allrounder gereifte Profi vom Team Katusha-Alpecin bei der 57. Auflage des Traditionsrennens die Familientradition fortsetzen und mit einem Sieg zugleich die seit 2011 anhaltende Durststrecke der deutschen Radprofis am Main beenden.

"Der zweite Platz in Frankfurt war 2017 mein Highlight. Es wäre eine tolle Sache, vom zweiten Platz auf die höchste Stufe zu klettern", sagte Rick Zabel vor dem World-Tour-Rennen "Eschborn-Frankfurt" am 1. Mai.

2005 gewann sein Vater zum dritten Mal am Main. Im gleichen Jahr wechselte Rick vom Fußball zum Radsport. 2007 wurde er als 13-Jähriger von der Dopingbeichte des einstigen Topsprinters überrascht, was seine Leidenschaft aber nicht bremste. "Ich wusste gar nicht wirklich, was das bedeutet. Als Erwachsener habe ich es dann mit anderen Augen gesehen", sagte er unlängst einmal.

2014 absolvierte Rick Zabel seine ersten Profirennen, ein Jahr später folgte bei der Österreich-Rundfahrt der erste Sieg. Nun will er endlich seinen ersten Klassiker gewinnen. "Ich kenne die Strecke sehr gut, praktisch jeden Zentimeter. Da steht man hochmotiviert am Start und will sich von den anderen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen", richtete er eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Die ist nach der Aufwertung des Rennens, das nach einer längeren Pause seit dem Vorjahr wieder zur WorldTour des Weltverbandes UCI zählt, groß. Allen voran der zuletzt dreimal nacheinander siegreiche Norweger Alexander Kristoff, für den Zabel im Vorjahr noch erfolgreich den Sprint angezogen hatte. Nach Kristoffs Wechsel zum Team Emirates ist der Weg für den 24 Jahre alten Deutschen in diesem Jahr frei. Zumal der Vorjahresdritte John Degenkolb, der vor sieben Jahren für den vorerst letzten deutschen Sieg gesorgt hatte, wegen einer Knieverletzung passen muss.

Zabel rechnet sich daher einiges aus. "Ich war immer sehr erfolgreich hier, einmal Sechster und einmal Zweiter", sagte er. Auch wenn er zwei Autostunden entfernt wohne, fühle es sich für ihn wie ein Heimrennen an. "Ich fahre überhaupt gerne auf deutschem Boden", bekannte Zabel und bekräftigte sein Ziel für 2018: "Ich will ein Rennen gewinnen. Wo, ist letztlich egal."

Die Strecke kommt ihm entgegen, denn das Profil wurde noch einmal verschärft, erfordert mit Ausnahme des berühmten Mammolshainer Stichs mit einer Steigung von 23 Prozent aber keine Kletterqualitäten.

Der Kurs ist aber so anspruchsvoll, dass sich die Topsprinter im Feld, zu denen auch Zabels Teamkollege Marcel Kittel gehört, kaum Chancen ausrechnen. "Um ehrlich zu sein, da ist nicht viel zu holen für einen Sprinter wie mich", sagte der deutsche Rekord-Etappensieger bei der Tour de France.

Viel zugetraut werden darf dagegen Nils Politt. Bei Paris-Roubaix glänzte der Teamkollege von Zabel und Kittel zuletzt mit Rang sieben als bester Deutscher. "Die Klassiker machen mir einfach Spa?, sagte der Kölner.

Im Schatten der dominierenden äthiopischen Läufer hat Philipp Pflieger beim Hamburg-Marathon die Norm für die Leichtathletik-Europameisterschaft im August in Berlin geschafft. Der 30-Jährige hatte am Sonntag mit dem Sieg nichts zu tun, blieb als Elfter in 2:13:39 Stunden aber unter der Vorgabe von 2:14:00 Stunden. "Es war so, wie wir es geplant hatten", sagte Pflieger und bedankte sich bei den Zuschauern für die "sensationelle Stimmung".

Problematisch sei nur gewesen, dass der letzte Tempomacher schon bei Kilometer 30 ausgestiegen war, meinte der Regensburger. "Jetzt freue ich mich auf die EM-Vorbereitung", sagte Pflieger.

Insgesamt waren bei der 33. Auflage des Hamburg-Marathons mehr als 14 000 Läuferinnen und Läufer am Start. Den Äthiopiern gelang dabei ein Dreifach-Erfolg. Solomon Deksisa siegte nach 42,195 Kilometer durch die Hansestadt bei guten äußeren Bedingungen in 2:06:34 Stunden. Er verwies seine Landsleute Tadu Abate (2:06:54) und Ayele Abshero (2:07:19) auf die Plätze. Der Topfavorit Emmanuel Mutai aus Kenia hatte schon früh mit der Entscheidung nichts mehr zu tun und wurde Neunter (2:11:57).

Trotz des schnellen Rennens wurde der angestrebte Streckenrekord von 2:05:30 Stunden deutlich verpasst. "Das war ein sehr schöner Wettbewerb, und ich bin froh, dass ich gewonnen habe", sagte Deksisa nach seinem ersten großen Marathon-Sieg im NDR. Mit Tempoverschärfungen zwischen Kilometer 37 und 38 sorgte Deksisa für die Entscheidung. Bei den Frauen setzte sich Shitaye Eshete aus Bahrain in 2:24:51 Stunden vor Birke Debele (Äthiopien/2:25:28) und Mimi Belete (Bahrain/2:26:06) durch.

Den ersten Halbmarathon im Rahmen der Großveranstaltung entschied Sabrina Mockenhaupt vom LT Haspa Marathon Hamburg in 1:15:12 Stunden für sich. Die 37-Jährige strebt bei der EM im August in Berlin einen Start über die 10 000 Meter an. "Ich wollte schneller laufen, aber ein Satz mit X – das war wohl nix", sagte sie nach der Zielankunft. Dennoch war Mockenhaupt "happy" und ist sich in Sachen EM-Qualifikation sicher: "Das schaffe ich."

In Düsseldorf haben sich am Sonntag Thomas Gröschel und Fabienne Amrhein die deutschen Meistertitel im Marathon gesichert. Bei teilweise strömendem Regen absolvierte der 27-jährige Gröschel vom TC Fiko Rostock die Strecke beim 16. Düsseldorf-Marathon in 2:15:20 Stunden. Die 25-jährige Amrhein von der MTG Mannheim kam nach 2:32:34 Stunden ins Ziel. Damit verpassten sie die Einzelnormen für die Leichtathletik-Europameisterschaften im August in Berlin. Sie dürfen sich aber Hoffnung auf einen Team-Start machen.

Die deutschen Tischtennis-Stars sind nur sehr holperig in die Mannschafts-WM in Schweden gestartet. Gegen Ägypten gewannen die Team-Europameister Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Ruwen Filus am Sonntag äußerst mühevoll mit 3:2. Filus vom TTC Fulda-Maberzell holte den entscheidenden dritten Punkt für das deutsche Team, der Weltranglisten-Dritte Ovtcharov feierte zudem ein erfolgreiches Comeback nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause. Ansonsten war die an Nummer eins gesetzte Mannschaft von Bundestrainer Jörg Roßkopf aber noch weit von einer Form entfernt, die den Dauer-Weltmeister China in Halmstad gefährden könnte.

"Das war ein hartes Stück Arbeit. Aber das ist eigentlich das, was man braucht, um in so ein Turnier hineinzukommen. Natürlich haben wir noch Luft nach oben", sagte Roßkopf.

Das deutsche Problem hatte am Sonntag einen Namen: Omar Assar. Der Bundesliga-Profi, der im Sommer von Werder Bremen zum deutschen Meister Borussia Düsseldorf wechseln wird, gewann seine Einzel gegen Filus (3:1) und auch gegen Timo Boll (3:2). "In Düsseldorf müssen wir Omar wohl feuern, bevor er überhaupt sein erstes Spiel gemacht hat", sagte Boll dazu im Scherz. Sowohl er als auch Filus besiegten aber die ägyptische Nummer zwei Mohamed El-Beiali jeweils mit 3:0.

Ovtcharov waren die Folgen seiner Schenkelhals-Entzündung noch anzumerken. Selbst die Nummer 473 der Welt stellte ihn vor Probleme. "Ich bin froh, dass ich dem Team helfen konnte. Meine Verletzung ist besser, aber nicht ganz auskuriert", sagte er.

Vom WM-Titel will vor allem Boll noch nicht reden. "Deutschland ist zwar topgesetzt, aber es fühlt sich nicht so an, als wären wir topgesetzt", sagte er. "Die Chinesen sind der Favorit. Ihre Spieler sind in guter Form." Der Titelverteidiger gewann zum Auftakt gegen Russland mit 3:0. Das deutsche Team muss jetzt am Montag zweimal ran: gegen Rumänien (10.00 Uhr) und gegen Gastgeber Schweden (19.00 Uhr).

Die deutschen Frauen sind ebenfalls mit einem Sieg in die WM gestartet. Die Mannschaft von Bundestrainerin Jie Schöpp gewann gegen Brasilien mit 3:0. "Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung – jeder hat einen Punkt zum Sieg beigetragen, und jeder startet mit einem guten Gefühl in das Turnier", sagte Sabine Winter. Die Bundesliga-Spielerin vom SV DJK Kolbermoor besiegte Bruna Takahashi mit 3:1. Auch Petrissa Solja (TTC Eastside Berlin) und Nina Mittelham (TuS Bad Driburg) gewannen ihre Spiele.

Zum Abschluss der 72. Tour de Romandie ist der 24 Jahre alte deutsche Radprofi Pascal Ackermann aus Kandel zum größten Erfolg seiner noch jungen Karriere gespurtet. Der Fahrer aus dem Bora-hansgrohe-Team verwies nach 181 Kilometern in Genf den Dänen Michael Mörkov und den Italiener Roberto Ferrari auf die folgenden Plätze.

Den Gesamtsieg in der Schweiz sicherte sich nach den fünf Etappen der frühere Skispringer Primoz Roglic aus Slowenien, der die Nachfolge des Australiers Richie Porte antrat, dem in der Endabrechnung nur Platz drei blieb.

Der 28 Jahre alte Roglic vom niederländischen Team LottoNL-Jumbo, der in diesem Jahr bereits die Baskenland-Rundfahrt gewann, hatte das Gelbe Trikot des Spitzenreiters bereits am vergangenen Mittwoch erobert. Mit acht Sekunden Rückstand wurde der Kolumbianer Egan Bernal Zweiter.

Ackermanns Team-Kapitän Emanuel Buchmann konnte seinen neunten Platz im Gesamtklassement 3:09 Minuten hinter Roglic halten. Die Tour de Romandie war die Generalprobe vor dem am kommenden Freitag in Jerusalem beginnenden 101. Giro d’Italia.

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