Fußball-Bundestrainer Joachim Löw (r.) macht mit einem Fan ein Selfie - natürlich auf Abstand, um eine Infektion auszuschließen. FOTO: DPA
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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw (r.) macht mit einem Fan ein Selfie - natürlich auf Abstand, um eine Infektion auszuschließen. FOTO: DPA

Löw setzt Team unter Druck

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Die Umstände sind außergewöhnlich. Dennoch fordern Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff von den Nationalspielern Erfolge.

Frühstarter Joachim Löw lächelte hinter seiner dunkelblauen Maske und reckte den Daumen nach oben. Dann betrat der leger gekleidete Bundestrainer mit Schwung das Hyatt-Hotel am Kölner Rheinufer. Seine Botschaft im Nieselregen war eindeutig: Trotz eines Bergs von Problemen will Löw die deutsche Fußball-Nationalmannschaft acht Monate vor dem EM-Start im ungewöhnlichen Länderspiel-Dreierpack zurück zum Erfolg führen - und dabei Personalsorgen, einer Reise ins Risikogebiet und drohenden Geisterspielen trotzen.

Das ist ganz im Interesse von Fritz Keller. Der DFB-Präsident machte seinem leitenden Angestellten gerade mit Blick auf die Nations League eine klare Ansage. "Jetzt gibt’s nur einen Weg: punkten und punkten! Wir können es uns nicht leisten, abzusteigen", sagte Keller bei einem Besuch einer Jugendstrafanstalt in Berlin.

Ihrer Verantwortung sind sich die Verantwortlichen aber ohnehin bewusst. "Wir wollen wieder Begeisterung für die Nationalmannschaft wecken und uns weiterentwickeln. Wir wollen als Mannschaft zusammenfinden und Erfolgserlebnisse haben", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff vor dem Länderspiel gegen die Türkei am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) und den Nations-League-Duellen in der Ukraine am Samstag und drei Tage später gegen die Schweiz (beide 20.45 Uhr/ARD).

Die Voraussetzungen für den von Bierhoff geforderten "guten, leidenschaftlichen und erfolgreichen Fußball" sind aber alles andere als gut. Am Montag reiste auch kurzfristig der leicht erkältete Timo Werner nicht an. Verzichten muss Löw ohnehin schon auf die verletzten bzw. erkrankten Leroy Sane, Ilkay Gündogan, Thilo Kehrer, Marc-Andre ter Stegen und Suat Serdar. Zahlreiche Stammkräfte wie Kapitän Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Toni Kroos werden gegen die Türkei geschont.

Löw stellte aber auch an seine B-Elf klare Forderungen. "Wir müssen wieder gierig, hungrig, konsequenter und kaltblütiger werden. Wir müssen uns so präsentieren, dass die Zuschauer auch wieder Lust auf die Nationalmannschaft haben", sagte der 60-Jährige, der es am Montag eilig hatte und direkt nach Benjamin Henrichs als Zweiter aus dem DFB-Tross eintraf.

Dort ereilte ihn eine weitere schlechte Nachricht. Das ukrainische Team hat große Corona-Sorgen und muss vorläufig auf sechs Spieler verzichten. Torhüter Andrej Pjatow und Mittelfeldspieler Taras Stepanenko von Serienmeister Schachtjor Donezk wurden positiv getestet. Vier Vereinskollegen müssen deshalb ebenfalls vorerst in häusliche Quarantäne. "Bei jeder Nachricht von einem positiven Fall, denkt man erst darüber nach, was das bedeutet. Man muss ja immer mehrere Aspekte beachten. Es gibt UEFA-Vorgaben, Vorgaben des jeweiligen Landes und sogar der einzelnen Regionen", sagte Bierhoff: "Wir werden in der Ukraine sehr vorsichtig hantieren, genauso wie hier in Köln."

In der Domstadt drohen unterdessen weitere Geisterspiele. Die 7-Tage-Inzidenz lag mit 38,8 pro 100 000 Einwohner am Montag über dem Grenzwert von 35. Ob Fans ins Stadion dürfen, "liegt nicht in unserer Hand", sagte Bierhoff und erklärte: "Das hängt vom Gesundheitsamt in Köln ab. Meine Hoffnung ist nicht so groß, dass wir vor Zuschauern spielen können." Eine Entscheidung wird am Dienstag fallen. Dann könnte Löw auch erste Entscheidungen über seine Aufstellung treffen. In seinem XXL-Kader stehen drei Profis ohne Länderspieleinsatz: Florian Neuhaus, Jonas Hofmann (beide Borussia Mönchengladbach) und Mahmoud Dahoud (Borussia Dortmund).

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