Alex Meier hat seine Profikarriere als Fußballer beendet. FOTO: DPA
+
Alex Meier hat seine Profikarriere als Fußballer beendet. FOTO: DPA

Servus, Alex Meier

  • vonred Redaktion
    schließen

Sein letztes Tor war natürlich ein spektakuläres, ein feiner Lupfer aus gut 20 Metern, mit links, überlegt, nicht einfach zu erzielen, Gefühl gehört schon dazu. Aber Gefühl in den Füßen, das hatte Alexander Meier, der an jenem 18. Oktober des vergangenen Jahres in Melbourne natürlich nicht wissen konnte, dass dieses Sahnetor das letzte in seiner sehr langen und sehr erfolgreichen Karriere sein würde. Drei Monate danach stieg er aus, beendete sein letztes Fußball-Abenteuer in Australien, bei den Sydney Wanderers.

Vor einer Woche kehrte er zurück nach Hause, nach Buchholz in der Nordheide, wo sein Vater und erster Trainer lebt und sein geliebter Vierbeiner Alf, der nicht mit durfte nach Down Under. Alex Meier ist nun - nach 458 Spielen und 152 Toren - kein Fußballer mehr, kein Profi, allenfalls noch ein "Fußballgott im Ruhestand", aber wie klingt denn das? "Ich bin traurig, dass es vorbei ist, ich habe für mein Leben gerne Fußball gespielt", sagte er dieser Tage. So ganz hat er bislang noch nicht Abstand gewinnen können, er habe noch nicht die Zeit gefunden, "alles zu reflektieren". Er sagt aber auch, er freue sich auf "einen neuen Lebensabschnitt".

Was der für ihn bereithält, weiß er noch nicht. Mitte Februar auf jeden Fall hat er einen Termin mit Eintracht Frankfurt, mit Fredi Bobic. Nach seiner Karriere, so war es abgemacht, erhält er bei seinem Herzensklub einen Anschlussvertrag. Am liebsten würde er als Trainer tätig sein, Schreibtischarbeit ist nicht so sein Ding. "Wir gucken mal, was die Eintracht für Vorstellungen hat." Sicher sei er, dass "wir Lösungen finden", die beide Seiten "glücklich machen", am besten für die neue Saison. Fußballerisch, sagt der 37-Jährige, "bin, war und werde ich immer Eintracht bleiben".

14 Jahre hat er für diesen Klub gespielt, er ist mit ihm auf- und abgestiegen, ist jeweils Torschützenkönig in der ersten und zweiten Liga geworden, er hat europäisch gespielt, in Baku und Vigo, in Porto und Bordeaux, aber nicht mehr in London, Mailand, Marseille oder Charkow. Da war er schon nicht mehr dabei, obwohl er liebend gerne noch ein Jährchen drangehängt hätte nach dem Pokalgewinn 2018, den er auch nur von der Tribüne aus in Berlin hatte miterleben dürfen, was ihn arg getroffen hat.

Trainer Niko Kovac hatte ihn damals nicht für den Kader nominiert. Dabei hatte Meier zwei Wochen zuvor noch einen triumphalen Auftritt gefeiert, ein Comeback, so kitschig und unrealistisch, wie nur der Fußball sein kann. Nach mehr als einem Jahr Pause wegen anhaltender Probleme im Sprunggelenk, kam der "Mittelfeldstürmer" fünf Minuten vor dem Ende zu einem magischen Kurzeinsatz. Sekunden später erzielte er auf Flanke von David Abraham das 3:0 gegen den Hamburger SV. Das ganze Stadion stand, es kochte und brodelte, erwachsene, gestandene Männer, auch in der Vorstandsloge, hatten Tränen der Rührung in den Augen. "Ein wirklich großer Moment", sagte Vorstand Axel Hellmann, selbst Kovac, wahrlich kein Meier-Freund, merkte anerkennend an, "Alex Meier ist Eintracht Frankfurt, er genießt Kultstatus".

Doch einen würdevollen Abschied des verdienten Sportlers hatte Eintracht Frankfurt nicht hingekriegt, Meier hat seine Ausmusterung als Tiefschlag, als Schlag ins Kontor empfunden. "Ich wollte meine Karriere doch bei der Eintracht beenden." So spielte er weiter, erst beim FC St. Pauli, dort, wo 2002 alles begann, dann zum Abschluss noch einmal am anderen Ende der Welt in Sydney.

Meier war viele Jahre das Aushängeschild des Klubs, er war das Gesicht der Eintracht, er war lange ihr Kapitän. Gerade in diesen Zeiten, da Vereinswechsel die Regel sind, war er immer eine Identifikationsfigur, einer, der verlässlich war, der immer da war, in guten wie in schlechten Zeiten. Dem Mann mit dem Zopf war zudem das Kunststück gelungen, in seinem ersten und seinem letzten Spiel für die Eintracht jeweils ein Tor zu schießen, sein erstes Spiel machte er übrigens am 9. August 2004, gegen Alemannia Aachen (1:1), und es sollte sein erster von 119 Treffern in 336 Spielen für die Hessen sein.

Aus und vorbei. Alex Meier hat seine Karriere beendet. Australien war seine letzte Profistation. Sein Herz

gehört der Frankfurter

Eintracht, die einst für ihn keinen würdigen Abschied hinbekommen hat.

VON THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare